energie folgt aufmerksamkeit, bitches.

liebe kati,

danke, dass du heute mit der scheiß-drauf-offenbarung an unsere leserchens gegangen bist! seit meinem digital-urlaub hab ich mich damit herumgefrettet, dass ich eigentlich noch was schreiben sollte – weil, das war ja ausgemacht! – aber es mich tatsächlich nicht gfreut. das faktische eben.

ein grund dafür ist, wie wir ja bei unserem spätsommerlichen weingartenspaziergang samt rosé prosecco festgestellt haben, dass es für unsereins einfach zaach und mühsam ist, über längst vergangene dinge zu schwadronieren. was sich in der post-urlaubs-euphorie als nicht enden wollender quell inspirierender geschichten & geheimtipps sowie kosmopolitischer kalauer & anthropologischer analyen anfühlt, ist monate später nur mehr… fad.

und wenn man das feststellt, noch in der „was man anfängt, muss man gefälligst auch fertig machen!!“ schleife festhängt, den task des nächsten blogposts von woche zu woche schiebt, man sich windet und das schlechte gewissen sich anhäuft, ABER es sich ja tatsächlich um ein hobby, einen freizeitspaß, ein privatprojekt handelt, dürfen wir lesterschweinisch auch mal sagen:

einen-scheiss-muss-ich

ja, ich hab mir den scheiß sogar gold gerahmt.

so.

und dann das mit der aufmerksamkeit.

der arme xyz (aus anonymitätsgründen ganz anonymisiert) ist jetzt wieder single, und bei seinem sehr netten geburtstagsfest, bei dem ich kürzlich alle lesterschweinischen grill-spezialitäten aus dem ärmel gezaubert habe (zitat: „königin der marinaden!“ – das kompliment gilt dann folglich dir), hat er sein größtes learning aus der liebes-misere gezogen: dass nur das realität wird, was man auch mit energie befüllt. also man kann noch so oft sagen, ich tät aber gern das, oder eigentlich könnte ich ja jenes, oder wenn ich nur zeit hätte, würde ich hmhmhm, oder ja, später dann, werd ich tralala verwirklichen, oder jaaaa 2018 dann, schatz, komm ich mit dir mit aufs burning man, ich würd aber heuer doch lieber hier bleiben und arbeiten, also fahr ruhig schon mal alleine (spoiler: schlechte idee), usw usf. – tatsächlich zum leben kommt nur das, was man priorisiert, wir haben eben alle nur 24h am tag – und der rest, die große kakophonie des konjunktivs, eben nicht.

und das hat mir dann eben ein bisserl dabei geholfen, mich nicht all zu sehr darüber zu grämen, dass der lesterblog 2.0 / „edition travelblog“ irgendwie als rohrkrepierer wieder eingegangen ist. weil so ein projekt beenden ist auch ein bisschen wie schluss machen; einerseits den leserchens gegenüber aber auch so schwesterlich. also natürlich sehen wir uns ja noch (!!!), aber ein gemeinsames projekt, das macht schon auch was spezielles aus, ein gemeinsamer flow. deshalb hat mich wohl seit dem ende des lesterblog 1.0 / „prämierter foodblog“ auch immer wieder der gedanke verfolgt: könnt man nicht weitermachen, mah das war so nett und super, vielleicht irgendwie wieder starten, post-vegan oder nicht, aber irgendwie schon schade, hm naja vielleicht mit reisen? und JETZT haben wir’s wenigstens probiert, und festgestellt, dass halt keine energie hinfließt. soll sein! die hawaiianisch angehauchte huna-philosophie, die ich bei unserem ersten gemeinsamen durchlauf vom weg des künstlers als leitplanken ins stammbuch gemalt habe (no kidding), sagt ja so viel wie: energie folgt aufmerksamkeit, und das wär somit mal wieder bewiesen.

wer jetzt wissen will, woher meine energie gerade hinfließt (achtung, jetzt kommt der teil mit der shameless self promotion), also neben einer freudiger weise erquicklichen erwerbsarbeit, wo ich dzt. 19 rollen energetisiere – ja das heißt echt so, i shit u not – kann sich entweder meine neueste, erst drei tage alte radiosendung anhören, und zwar über einen antikapitalistischen, nonhierarchischen zirkus, das war ein großer spaß, und überhaupt sehr schön – sowohl das interview führen mit so energetisch fokussierten menschen, als auch der besuch der zauberhaften show, und das zusammenschneiden in eine kleine akustische reise.

oder: sich das hier reinziehen (wir lesterschweine finden diese coverband mit den lustigen platikröhren so cool, dass wir selbst ein cover von denen gecovert haben, ha!):

diesen song werd ich nämlich am ende september in einer medley-version selbst zum besten geben, und zwar mit 200 leuten auf 1 bühne. frei nach dem motto: i bims, die solistin, von twäng her! #muahahaha

ah ja, und die frage, die natürlich euch allen unter den fingern brennt: WAS passiert mit den thailand-geschichten? und die antwort lautet: nachdem I. und V. und F. und andere menschen nach tipps gefragt haben, sind auf der thailand-seite einfach verschiedene links zu den themen reise-apps, inlandsmobilität, insel-hopping & co versammelt, heute frisch aktualisiert – vielleicht ergänze ich die auch noch von zeit zu zeit. wer noch weitere fragen hat, gern einfach in den kommentaren stellen. und fertig!

das war’s also jetzt wirklich, so was! ich glaub, das müssen wir diese woche mal mit einem gin rose im automat welt oder beim fett&zucker begießen, wir alten bobo-bloggerinnen… jawoll, schwesterlein!

dein

lesterschwein

<3

die normative kraft des faktischen oder: einen scheiß müssen wir

liebes lesterschwein,

nach zwei monaten funkstille sehen wir nun also den tatsachen ins auge. bloggen ist eine super sache, aber bloggen über dinge die schon urlange her sind unsere sache nicht. (ewig her. eeeewig. fast ein halbes jahr schon.)
und du hast mir geschrieben „ich möchte es nicht als halb-lebendigen content-zombie dahinvegetieren lassen…“
damit hast du völlig recht und ich hab wieder was gelernt. es gibt für alles den richtigen zeitpunkt und wenn der vorbei ist, ist er eben vorbei.

die gute nachricht ist: wir sind viel buddistischer als ich dachte. ganz im hier und jetzt, wer hätte das gedacht. total zen ey.

also: sollten wir jemals einen reiseblog machen, dann eben wenn wir auf reisen sind.

nichtsdestotrotz werde ich meine kleine geschichte hier fertigerzählen. als alter serienjunkie weiß ich schließlich, dass es nichts blöderes gibt als eine begonnene geschichte ohne ende.

wo war ich stehengeblieben? ach ja, agdz.

denn die radgeschichte beginnt ja erst hier.

agdz – zagora

in agdz haben wir auf einem superidyllischen campingplatz die nacht verbracht und eine einladung zum essen viele gute tipps von dem weitgereisten deutschen paar bekommen. ich sag nur: 40 jahre marokko. „weißt du“, hat der alte gesagt, eingehüllt in seinen wollmantel, „ich hab in frankfurt eine schöne wohnung, 180 quadratmeter. aber wenn du mich fragst wo ich mehr happy bin, hier auf meinen 4 quadratmetern oder dort, dann sag ich dir hier bin ich mehr happy.“ und die wüste, ja die wüste, die muss man einfach erlebt haben.

agdz camping

interessiert haben uns die beiden gefragt ob wir denn schon mal in der wüste waren. nein, waren wir nicht. nein, wir waren noch nie in marokko. nein, wir haben keine prepaid-card die hier funktioniert. nein, straßenkarten haben wir auch keine.
wir sind uns eigentlich ziemlich gut ausgerüstet vorgekommen. aber die beiden haben viel gelacht über uns und nur fassungslos den kopf geschüttelt, als sie gehört haben wo wir fahren wollen. mit dem fahrrad die wüste entlang!?! die spinnen doch.
so haben wir kurzerhand unseren routenplan umgeschmissen und beschlossen erst mal das draatal richtung zagora zu fahren. am nächsten morgen ist uns erst so langsam gedämmert worauf wir uns hier eigentlich einlassen. „hans-peter“, hab ich gesagt, „das ist alles so surreal da. was machen wir hier eigentlich?“ „geht mir genauso,“ hat er gesagt. na immerhin.

agdz_1

drum waren wir auch gar nicht böse, als uns wenige kilometer später el-hussain von der straße gepflückt hat. „hey, ich hab da ein projekt, kommt in meinen garten, trinken wir tee.“ na, da lassen wir uns nicht zweimal bitte. und im garten war es so schön, dass wir gleich beschlossen haben erst mal zu bleiben. außerdem hat uns el-hussain verraten, dass er als nomade in der wüste aufgewachsen ist. „kann ich euch schon zeigen. die wüste, ja die wüste, die muss man einfach erlebt haben.“

la ferme ecologe

also haben wir die nächsten zwei tage einen roadtrip mit el-hussain und seinem companion rashid unternommen. mit seinem kleinen weißen renault. ja, zweirad-antrieb. in diesen zwei tagen haben wir richtig, richtig viel gelernt.

wie wissen jetzt wieviel wasser man für einen tag in der wüste braucht (5l pro kopf), wie man ein auto aus dem sand ausbuddelt wenn es stecken bleibt, wie man ein rad am auto wechselt und wie ein wagenheber funktioniert.

wüste in marokko_zagora
außerdem wissen wir jetzt ganz genau wie man jemanden beleidigt. das geht ganz einfach. man gibt jemanden ein trinkgeld. nicht, das trinkgelder nicht gern gesehen wären. aber trinkgeld pflückt man nonchalant aus der hosentasche und drück es dem gegenüber so nebenher in die hand und auf keinen fall sieht man dem andern dabei in die augen. wenn man die geldbörse zückt und dann vielleicht noch das wort „pay“ in den mund nimmt dann verteilt man als tourist besser ordentlich geld und keine trinkgelder. zum glück waren el-hussain und rashid sehr freundliche, geduldige und aufgeschlossene leute, die uns über die fettnäpfchen aufgeklärt haben in die wir so getreten sind und dem entsprechend sind wir wenige tage später um einiges schlauer mit dem radl in zagora gelandet.

zagora – tata

die nächsten paar tage haben wir damit verbracht früh aufzustehen und zu schwitzen. für diese region von marokko ist april nicht die richtige reisezeit, schon gar nicht mit dem rad. die meisten radfahrerInnen sind im februar unterwegs und das aus gutem grund. wir haben das gelöst, indem wir um halb6 aufgestanden sind, geradelt sind bis 10 oder halb11, dann pause im schatten bis mindestens halb6 und dann ev. noch ein bisschen fahren. belohnt wurden wir mit einer fantastischen, spektakulären landschaft und fast leeren, aber erstaunlich gut asphaltierten straßen.

foum-zguid

die dörfer und ortschaften, durch die wir gekommen sind, waren klein und ländlich. auffallend war, dass es in den etwas wohlhabenderen orten einen trend gibt aus den alten lehmhäusern auszuziehen und in betonhäuser umzuziehen. und in den lokalen bzw. auf der straße nach einbruch der dunkelheit sieht man praktisch keine frauen. das ist natürlich wenn man ein wenig nachdenkt nicht sehr überraschend. ich hab aber festgestellt, dass das für mich durchaus ungewohnt war immer wieder die eizige frau zu sein. ich hab aber überall tee oder etwas zu essen bekommen. nachdem das thermometer täglich deutlich über die 40 grad hinausgeklettert ist haben wir in tata beschlossen wieder einmal in den bus zu steigen und uns noch ein bisschen die atlantikküste anzusehen.

agadir-essaouira

eines der überraschendste erlebnisse hatten wir kurz nach agadir. die atlantikküste ist in dieser region sehr touristisch und die strände sind bevölkert mit deutschen und französischen rentnerInnen. darum haben wir nicht schlecht gestaunt, als wir ausgerechnet hier die erfahrung gemacht haben in einem lokal nicht bedient zu werden. vermutlich lag es am zwar sauberen, aber leicht ramponierten gewand. die freundliche wache am parkplatz hat uns dann verraten wo wir gut und günstig essen können.

meer

die nächste woche sind wir zum großteil im hinterland herumgeradelt. das hat uns, nicht nur auf grund der hügel, ziemlich ans waldviertel erinnert. die touristInnen halten sich lustigerweise tatsächlich nur an den stränden auf. unterwegs haben wir dann hassan getroffen.

hassan_taouline

hassan kam aus taoulin und war auf der suche nach arbeit. zu hause hatte er frau und drei kinder und von beruf war er schlosser. er hat ein ganzes weilchen gedauert bis wir diese infos beisammen hatten, denn er sprach fast nicht französisch und wir gar nicht arabisch. man muss dazusagen, hassan war gleich schnell wie wir unterwegs, mit einem deutlich simpleren rad. allerdings hatte er auch leichteres gepäck. ein schlafsack, ein gebetsteppich, eine wasserflasche. das beeindruckendste war aber, dass er mit einem blütenweißen hemd unterwegs war. wie er das geschafft hat, bei dem verkehr, ist uns bis heute schleierhaft.

ungefähr auf halber strecke zwischen agadir und essaouire, in tamanar, wollten wir auf den campingplatz oder ein zimmer nehmen. gab es aber beides nicht, obwohl tamanar immerhin 10.000 einwohner und einen großen markt hat. wir sind also weitergeradelt und haben beschlossen wieder an die küste zu fahren, weil es dort eher eine unterkunft gibt. nach vielen, vielen hügeln sind wir auf einer schotterpiste gelandet. rundum landwirtschaft, eben wie im waldviertel, aber alles von hand bearbeitet. wirklich alles. kein traktor weit und breit. vor einem der kleinen steinhäuser hat uns eine frau aufgehalten, weil sie kleidung für ihren kleinen sohn gebraucht hat. hatten wir nicht, aber mit dem kilo datteln aus dem draatal konnten wir ihr echt eine freude machen. man stelle sich also unsere überraschung vor, als wir in dieser umgebung auf einmal in einer schicken absteige mit loungemusik landen, wo frauen aus der schweiz auf der terasse yoga machen und uns der kellner valentin aus wien einen spritzer anbietet. die unterkunft war so schick, das wir uns eh kein zimmer leisten konnten, aber wir haben am strand gezeltet (zumindest bis uns der sturm das zelt ruiniert hat) und die duschen mitbenutzt. auch nicht schlecht.

l'ane vert_1

von dort gings nach essaouira und dann mit dem bus zurück nach marrakesch. und hastduesnichtgesehen saßen wir schon wieder im flieger nach wien.

das war sie also, die kurzfassung der marokkanischen geschichte.

baba und bis zum nächsten mal, meine liebe,

deine kati

 

 

öffis, what a pleasure!

liebes lesterschwein,

supergut, eure busfahrerlebnisse!! das mit den öffis in fremden ländern ist ja immer auch ein reinspringen in kulturelle gepflogenheiten, und die ellenbogen kann man getrost zuhause lassen (U3 > U1 stephansplatz, rush hour) – hab ich im überlaufenen aaaaasien genau auch so erlebt :-)

2017-04-26 07.20.02

im skytrain vom flughafen bangkok ins zentrum

alle erzählungen meiner thailand-reisererfahrenen bekannten, vor allem brüderlein W. und fotobucherzählerInnen R.+J., kreisten um mehr oder weniger abenteuerliche busfahrten, stets jedoch stunden- bis tagelange – fürchterbar abschreckend für mich alte busfahr-feindin. busse kreuz und quer durch’s land kann man jederzeit überall buchen. aber ich sag’s gleich – mein lieblingsverkehrsmittel ist:

der zug!

und siehe da, thailand ist auf der nord-süd-achse schienenmäßig wunderbar angeschlossen, alle infos mit detaillierten beschreibungen von strecken, zügen, kategorien & co gibt’s bei seat61. der bahnhof in bangkok ist sauber, relativ übersichtlich – die leute sitzen am boden und warten auf ihre verbindungen, es gibt einen food court und einen supermarkt, wo man um wenige cent eine instant noodle soup kriegt (sauscharf! saugut!) und sogar gleich vor ort mit heißem wasser auffüllen kann. ich hab mich überhaupt trotz 38°C viel von suppe und heißem curry ernährt, dann kommt einem alles rundherum nicht mehr so heiß vor ;-)

ich hatte zwei mal nachtzug im liegewagen 2. klasse, einmal klimatisiert (viel anziehen! mit schal und langer hose!) und einmal „nur“ mit deckenventilator (eher ausziehen…), war beides fein.

lesterschweine_thailand_zug_bangkok-kohtao

bangkok hauptbahnhof, wartehalle und bahnsteig, liegewägen vor nach dem einrichten der schlaf-kojen durch den schaffner. proviant: heiße nudelsuppe plus mangosaft!

die tickets haben wir auf 12go.asia gebucht, die muss man online bezahlen, dann checkt jemand vor ort die tickets, man erhält eine bestätigung und holt damit dann die tickets in bangkok in einem büro beim hauptbahnhof ab. wenn sie nicht verfügbar sind (wir wollten ursprünglich 1. klasse), erhält man eine email mit einem alternativen ticketangebot – oder geld zurück.

im zug selbst hat man fixe platznummern, bis sonnenuntergang sind es sitzplätze, dann geht der schaffner durch und baut sie zu liegeplätzen um – unten werden zwei sitze zusammengeschoben (= mit fenster), oben ein klappbett aufgeklappt (= kabuff ohne fenster). zum abtrennen gibt es vorhänge, die bettwäsche (kissen + leintuch) war frisch und sauber, jedes „abteil“ hat sein eigenes leselicht, und vor der eigenen station kommt der schaffner verlässlich ca. eine halbe stunde davor und weckt einen auf. super service!

und: dazwischen laufen natürlich ständig leute durch den zug, die kaffee, tee, essen, snacks und co anbieten – immer nett und unaufdringlich. frühstück kann man auch direkt beim zugpersonal buchen, ist aber entsprechend teurer.

wir hatten dann auch gleich den transfer mitgebucht, das war ein klimatisierter großer reisebus, der uns dann vom bahnhof in chumphon zum hafen bringt, und von dort mit dem katamaran nach koh tao.

mehr zum inselleben dann demnächst – ich begebe mich jetzt mal in den urlaub, YEAH, PLEASURE!! den start macht traditioneller weise wiesen (natürlich auch mit dem zug, jawoll!) – das out of the woods festival wartet mit einem spitzen-lineup auf, unter anderem dieser dame mit brandneuem album und dieser single:

urlaubsbedingt werd ich auch ein bisserl digital-abstinenzlern, und melde mich im blog ende august wieder zurück.

gehab dich wohl, und bis bald auf einen sundowner-drink bei dir oder mir ;-)

bussi,
dein schwesterlein

in die berg‘ bin i gern

liebe hanna,

jaja, öffentlicher transport und seine konsequenzen sind immer wieder eine geschichte wert. drum haben hp und ich uns im vorfeld auch ordentlich sorgen gemacht, wie das wohl gehen wird, mit dem räder im bus mitnehmen. freundin N. war vor wenigen jahren in marrokko und hatte lustige schwänke vom  busfahren zu erzählen. vom gebuchten 1. klasse bus, der sich dann als altes beinahe-wrack mit offenem motor herausgestellt hat. vom gedränge beim einsteigen (ellbogen einsetzen!), und wie sie sich ohne rücksicht auf verluste über zwei sitze geworfen hat während der partner das gepäck versorget hat. dass dreimal abkassiert wurde und man überhaupt aufpassen muss, dass man nicht übers ohr gehaut wird. es war mir ehrlich gesagt schleierhaft wie es funktionieren soll, dass hp 2 fahrräder, 8 fahradtaschen und 1 zelt allein im gepäckraum verstaut während ich um sitzplätze kämpfe. also sind wir am tag vor unserer abfahrt zum ctm-bahnhof (busbahnhof) gedackelt und haben tickets gekauft und die lage gepeilt. überrascht haben wir festgestellt, dass alles busse am parkplatz gleich aussehen und von wrack keine spur. die waren deutlich schnittiger als, sagen wir mal, die schienenersatzbusse die ich letzten sommer mal wieder in niederösterreich genossen hab. es gab einen fixen fahrplan, die tickets konnten wir gleich mitnehmen und die räder und taschen sollten wir bitte morgen eine halbe stunde vor abfahrt beim gepäck check-in abgeben. wir, verdattert, echt jetzt? gepäck check-in? in wien gibts das nicht. pedale runter, lenker quer? nein, nein, alles kein problem. einfach abgeben. jedes gepäckstück bekommt ein pickerl, ihr die nummer. wir kommen uns vor wie am flughafen. spätestens da hätte uns klar sein müssen, dass das ganze system jetzt neu und durchorganisiert ist.

wir aber, man ist ja informiert, sind trotz allem am nächsten tag wie auf nadeln im warteraum gesessen. und wie unser bus angesagt wurde sind wir zur tür gestürmt (ellbogen!) und haben geschaut, drängel drängel, dass wir unter den ersten im bus sind. hab ich schon erwähnt dass alle anderen leute ganz entspannt waren? wahrscheinlich unnötig zu erzählen, dass wir im bus draufgekommen sind, auf den tickets stehen platznummern. etwas beschämt haben wir unsere plätze eingenommen und versucht uns in der folgenden viertel stunde bis zur abfahrt möglichst unauffällig zu verhalten.

hp und ich hatten von anfang an den plan von marrakesch aus den hohen atlas mit dem bus zu überqueren und erst im süden wirdklich mit dem radeln loszulegen. sonderlich trainiert sind wir nicht, und diese menge an höhenmetern hat uns dann doch abgeschreckt.

so viele unterschiedliche landschaften in einer busfahrt haben wir davor noch nicht erlebt. auf der nordseite viel fruchtbares land und, je weiter wir nach oben gekommen sind, berglandschaften die dann doch irgendwie an zu hause erinnern. auf der südseite wird es dann deutlich karger und es erinnert eigentlich gar nichts an zu hause. in einem bergdorf kurz nach dem pass gab es eine halbe stunde pause. außer uns war noch ein anderes weißes touristenpaar in dem bus. die beiden hatten mehr oder weniger lautstarke diskussionen auf katalanisch. möglicherweise auch deshalb, weil der mann während der ersten hälfte der busfahrt einen halben liter schnaps vernichtet hat. erstaunlich in vielerlei hinsicht. kurvige straße, nur schnaps und kein wasser, die beiden mindestens in ihren 70ern(!) und last, but not least, schnaps in marokko? wo haben sie den denn her?

in dem dorf in den bergen war gerade markttag und es hat sich uns ein bild gezeigt, dass sich auf unserer reise noch oft wiederholen sollte. viel gewusel, viele waren am boden. dubiose formen des tiertransports, männer in cafes direkt neben dem fleischer und wenige frauen auf der straße. wir wurden zum teil neugierig, aber nicht unfreundlich gemustert. wieder haben wir versucht unauffällig auszusehen, aber aufgefallen sind wir trotzdem wie die bunten hunde. zumindest hat es sich so angefühlt.

hoher atlas bus

ursprünglich wollten wir ab ourzazate losrollen, haben uns dann aber doch für eine weiterfahrt bis agdz entschieden. guter plan! auslöser war wieder einmal meine (unbegründete) angst vor dem verkehr. in der realität war zwischen ourzazate und agdz kaum verkehr, dafür eine wirklich reizlose steinwüste, sonne die gnadenlos vom himmel knüppelt und weit und breit kein schatten. hp und mir ist dezent das herz in die hose gesunken. hm, auf fotos hat das alles sehr spannend ausgeschaut, aber im echten leben kommt die landschaft ein bisserl bedrohlich rüber, so aus radfahrerInnensicht.

agdz jedoch ist eine charmante kleinstadt auf 940m seehöhe. wie großarl, sagt hp. wahrscheinlich ist es eine unsitte alles nach „wie zu hause“ und „nicht wie zu hause“ zu unterscheiden. aber was soll ich sagen, drei wochen marokko machen noch keine kosmopolitInnen aus uns, soviel ist mal fix. zumindest weiß ich, welche brille auf meiner nase sitzt, das ist ja auch schon was wert, oder?

a propos kosmopolitInnen: in agdz haben wir einen marrokaner getroffen, der in deutschland gearbeitet hat und deutsche, die seit 40 jahren marokko bereisen, aber davon mehr das nächste mal.

bussi und bis bald, deine kati

 

kaiserlich kacken & königlich beschissen werden

liebe kati,

jetzt bin ich aber doch verwundert: die erste geschichte aus marokko, dein marrakesch „hautnah“ (bruhaha), aber kein einziges wort über…

tee?!

weil, was man so hört, läuft ja keinerlei transaktion ohne rituellem heißgetränk (mit viel, sehr viel oder untrinkbar viel zucker) ab…

und nachdem bei uns auf der ökoparzelle gerade der absolute minz-wucher ausgebrochen ist hatte ich stark marokkanische gelüste. aufgrund der temperaturen wurde es dann jedoch kein heißer tee, sondern:

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homegrown, homemade minz-sirup (inszenierung ist alles!)

extrem fancy sirup.

supergut mit soda, sekt, spritzwein und überhaupt allem, was blubbert. das war aber nur ein zehntel der halben badewanne voll minze – was wiederum maximal ein prozentelchen der feld-minze darstellt – daher gab’s auch minz-trinkwasser, minze gehäckselt in kärntner kasnudeln, minze tiefgefroren, minze im kohlrabisalat, minze am butterbrot, oder auch minze im kühlschrank – riecht wenigstens nett. wenn jemand noch anderweitige minz-verwertungs-tipps hat, immer her damit!

tatsächlich minztee in der ursprünglichen form gab’s dieses wochenende bei einem marokko-standl beim wunderbaren aufwind-festival (fotos hier bei mir auf „insta„, wie dein wilde S. sagen würde). dieses magisch-illustre happening auf der wiener donauinsel wurde von tanz durch den tag gehosted und war ein sammelsurium aus tekkno, schlagerparty, beatboxern, heilkunst, hängematten, ayurveda, waldgeistern, akrobatinnen, schnaps und sehr viel glitzer – natürlich bio-degradable. weil: mutter natur!

aus ebenjenem grund gab’s für höchstpersönliche körperliche bedürfnisse auch nicht nur haufenweise (hoho!) dixi-klos, sondern ein eigenes area namens:

kaiserlich kacken.

nämlich: eine trocken-toilette! beim besuch bekam man einen becher späne und optional kaffee, setzte sich auf ein mit opulenten stoffen verkleidetes, stilles örtchen, tut dort, was man eben so tut, wirft benutztes toilettenpapier hinterher, streut späne nach – fertig! eine für festival-maßstäbe unglaublich geruchs-freundliche, liebevoll gestaltete und erfreuliche abwechslung – in ähnlicher form u.a. nachzulesen hier bei biorama.

und damit komme ich zum eigentlichen thema des heutigen reise-beitrags:

königlich beschissen werden.

diese ehre wurde nämlich K. und mir zuteil, und zwar an unserem zweiten tag in bangkok. nach der anreise wien-dubai-bangkok, superschnellem „airport rail link“ in die city, spätnächtlichen verhandlungstaktiken mit den taxlern, einchecken im sehr zentralen, extrem billigen, etwas lauten hostel namens „happio“ (danke für den tipp, facebook-friends!) gleich bei der touri-hauptmeile und akklimatisieren bei pad thai und warmen cocktails (der vorsatz, aus hygienischen gründen keine eiswürfel zu bestellen, wurde innerhalb von 2 drinks beerdigt) waren wir eigentlich sehr guter dinge: für uns beide das erste mal in thailand, das erste mal in asien überhaupt, das erste mal gemeinsam auf reisen – da sind wir doch prima unterwegs!

2017-04-05_bangkok_firstnight_khaosanroad

bangkok von oben (vom hotelzimmer aus, blick auf viele kabel) und von unten – standesgemäß mit pad thai, fruchtsaftlastigen cocktails und vielen schlapfentouris wie uns auf der khaosan road.

außerdem waren wir tippe-toppe informiert, hatten uns eingelesen und vorbereitet, und im lonely planet zu thailand aufmerksam alles zum thema „gängige abzock-methoden“ (s. 102) angestrichen:

Bei elegant gekleideten Herren, die fragen, woher man kommt, und wohin man will, ist äußerste Vorsicht geboten (…) Den Touristenbehörden zufolge ist dieses Verhalten für Thailänder absolut untypisch, und man sollte hier äußerst misstrauisch sein.

ha, wir kennen uns ur aus!

an unserem ersten morgen in bangkok also beschwingten schrittes los spaziert, quer über die straße gleich den ersten tempel entdeckt – ha! naturtalent! – und durch den „wat chana songkhram“ gestreunt.

2017-04-05_bangkok_wat_chana_songkhram

unser erster goldener buddha, eine zeremonie vor dem haupt-altar, ein plakat gegen buddha-deko und ein mönch mit schirm.

wunderbar, das macht gleich lust auf mehr tempelhupfen (ähem), also rein ins nächste tuktuk und weiter. vor dem tempel scheitern wir ein paar minuten lang daran, ein gefährt anzuhalten, und diesen kurzen moment nutzt ein netter herr (beware!) beim ausgang, uns höflich auf englisch anzusprechen: wohin wir denn wollten und ob wir wüssten, wie viel die fahrt dorthin kosten würde?

oh, unser erster einheimischer, hm, was tun, man will ja nicht unhöflich sein, äh…? also machen wir mit: hm, naja, so 200 baht (ca. 5€)? oh NEIN, er schlägt die hände über dem kopf zusammen, keinesfalls, maximal 40 baht (ca. 1€), und überhaupt, ob wir jemals schon in bangkok gewesen wären? äh, nein, erster tag, aber wir wissen eh wo wir hinwoll… und aus. ab da hatte er uns im sack, schickte jemanden um eine auf A4 s/w-kopierte straßenkarte, griffelte uns sofort eine route vor, schaut’s, da müsst’s ihr überall hin (pfeil-strich-ringel-deut), großer buddha, größter buddha, bester buddha, und dann noch hier, und da ist das „royal tourism office of thailand“, die können euch für die weiterreise was empfehlen, und am schluss noch eine bootsfahrt, und das alles um 40 baht, ja klar, ungelogen!

wir, verdattert (hab ich schon erwähnt, dass es 38°C und gefühlte 99% luftfeuchtigkeit hatte?), ja na gut, aber 40 baht, mehr zahlen wir nicht, gell? jaja, klar… und zack, war ein tuktuk vor uns, hastdunichtgesehen, scheucht er uns rein, gute fahrt, byebye, und wusch – sind wir durch die mittagshitze des großstädischen gewusels geflitzt.

wobei ich jetzt gleich mal sagen muss: ja, das mit den 40 baht hat gestimmt, und der fahrer hat uns auch gleich mal als ersten stop zum größten buddha chauffiert, dem „wat intharawihan„, 32m hoch & natürlich vergoldet, dazu vorbereitungen für irgendeine festivität, hm, was buddhistisches wohl, und viele räucherstäbchen.

2017-04-05_bangkok_stehenderbuddha

kleines tuktuk, sehr großer buddha.

noch eine kokosnuss to go, zurück zum fahrer und wohin geht’s jetzt? hm, er spricht kein englisch, aber wir haben ja die karte vom ersten mister, und da müsste jetzt das royal office kommen, mal sehen.

tatsächlich, ein ebenerdiges büro mit großen tourismus-sujets außen drauf und in silber groß „ROYAL TRAVEL AGENCY“, der fahrer schickt uns rein „yes, you, there!“, vollklimatisiert natürlich, und ein typ hinter einem der sechs tische springt auf „hello, you, welcome, yes, here!“ und so weiter. dieses ist eine zertifizierte royale buchungs-stelle, er freut uns sehr, uns behilflich sein zu dürfen, wohin wir denn wollen? naja, erstmal nach koh tao, ja, zugtickets hamma schon, nein, wir wissen noch nicht, wo wir wohnen: OH NO! und da bricht die hölle los – wie unverantwortlich, alles ausgebucht, thai-neujahr (ah! das fest!), fullmoon-party, die chinesen, alle kommen sie, alle wollen auf die inseln, und nichts ist mehr frei, gar nichts, ob wir leicht am strand schlafen wollen? das kann man doch nicht machen, no no no!

da ging uns dann tatsächlich die puste aus, oh shit, haben wir das alles übersehen? wie konnte das passieren? aber es ist doch nebensaison… hä?! „let me check“, sagt er, wedelt mit einem prospekt, ruft wo an, aufgebrachtes diskutieren, „sorry, everything is booked.“ – jessasmariaundjosef, wo sind wir da reingeraten. nein, am strand wollen wir natürlich nicht pennen, ob er sonst noch was hat? „hm, only this one…“ und zeigt uns wieder eine brochüre, diesmal ein tauch-ressort, nur mehr zimmer ohne klimaanlage, aber ist eh meer-seitig, also da weht ein lüftchen, das kühlt auch. special price (natürlich, eh klar, lalala), ob wir students sind? äh, ja, na gut – nur für euch, alles in allem: 7.210 baht.

das sind ca. 186 euro für 3 nächte, also 62 euro pro nacht, also 31 pro person. hm, na gut, was soll man machen? (NEIN SAGEN! RAUSGEHN! OIDA! möcht ich mir heute sehr eindringlich ins ohr flüstern, aber nachher ist man halt immer schlauer, vor allem als man selbst.)

long story shot: wir haben es gebucht, mit kreditkarte, haben dafür einen königlichen voucher bekommen, sind am übernächsten tag auf koh tao gelandet, das hotel wusste nichts von unserer buchung, dann noch zig telefonate mit dem typen in bangkok (immerhin hatten wir A) seine nummer und B) meine reisekumpanin K. eine stinkwut, die berge bewegt), schließlich wurde die buchung confirmed, und weil wir gar so aufgebracht waren haben sie uns kostenlos ein upgrade gegeben, mit klimanlage, uff.

fun fact: in genau diesem „buddha view dive resort“ kosten 4 nächte ca. 9.800 baht – aber MIT einem kompletten anfänger-tauchkurs samt zertifikat dabei. hahaha! aber mehr zu koh tao dann später. es war dort jedenfalls ziemlich nett, und wir wurden vom hafen im strömenden regen abgeholt, immerhin.

anyhow, wir sind dann in bangkok jedenfalls überrumpelt und verdattert wieder ins tuktuk, der hat uns dann zu einem bootsanleger gebracht und die wollten 900 baht pro nase für eine schifffahrt – an diesem punkt haben wir reißaus genommen, dem taxler 40 baht in die hand gedrückt und sind zu fuß weitermarschiert. und ja, wir hatten dann noch einen sehr schicken tag mit rooftop bar & co, mehr dazu beim nächsten mal.

ab diesem zeitpunkt haben wir und auch ich dann alleine nur mehr selbst über’s internet gebucht, und zwar mit folgenden apps:

  • booking.com: hotels – übersichtlich, viele filter, special rates
  • agoda: auch hotels – dasselbe in grün, aber manchmal sogar eine spur günstiger.
  • checkfelix: flugsuche, eh klar – ich hab meinen emirates-flug um 449€ dann separat bei flugladen.de gebucht, nach dem löschen aller cookies und des browserverlaufs war das echt die allergünstigste verbindung.
  • kiwi: ebenfalls flugsuche, und zeigt die günstigsten destinationen in der umgebung an

special tipp: wenn man spontan genug ist, nur wenige stunden vor der geplanten ankunft via app ein low-budget-zimmer buchen – manchmal werden die kontingente online nicht so rasch angeglichen, dann muss das hotel einen kostenlos upgraden, falls die gebuchte kategorie schon voll ist (tipp vom weltreisenden-pärchen G. aus estland & B. aus england).

die moral von der geschichte: traue höflichen älteren männern nicht, und royalen reisebüros schon gar nicht! und gelesenes wissen schützt auch nicht immer vor selbstgemachten erfahrungen #hüstel – womit ich mich ja hier gut an deiner henna-story anschließen kann, außerdem haben wir beide beides am eigentlich 1. reisetag erlebt, also vielleicht ist das auch einfach der schmäh, frisch eingetroffene mal anzutesten. treffer, versenkt ;-) aber immerhin war das „lehrgeld“ in beiden fällen weder existentiell, noch irgendeine form von gefahr im verzug, also: was soll’s!

shit happens ;-)

yours truly,
hanna

PS: zum scheißen gehört natürlich auch die entsprechende „heiße luft“, und um dieses thema schon im frühen kindesalter positiv zu besetzten hat der herr J. doch tatsächlich vor sage und schreibe zwei wochen ein furz-positives kinderbuch veröffentlicht. das darf natürlich in unserem blog und nach dieser geschichte hier nicht fehlen – please welcome: furzi fisch!

i give you very good price

liebe hanna,

ja, ja, die „das sollt was g’scheids werden- falle“. bei mir hat es diese woche auch ein bissel gedauert, weil ich hab mir gedacht, super, packliste, da hab ich mal was echt nützliches beizusteuern. nur leider tippt die sich nicht von selber ins exel und hps und meine papier-rumstreich-version ist echt nicht blog-tauglich. also bleib ich beim plan a, lass das flugzeug aber aus (langweilig) und lande direkt bei unserem ersten tag in marrakesch. für jemanden, der noch nie wirklich weg war ist das schon saucool und gleichzeitg sauüberfordernd. und intensive lektüre über „landesübliche sitten“ ist nur bedingt hilfreich, das kann ich dir sagen. (ich frag mich ja, was man so liest wenn man sich über die landesüblichen sitten in österreich einliest…und ob touristen von mir wohl landestypische raktionen zu erwarten haben, a la, die wiener sind ja sowas von grantig…) wie auch immer, ich hab gelesen man möge sich als frau, gerade als radreisende dezent geben, langärmlig, kopfbedeckung ist auch nicht schlecht, und direkter augenkontakt mit männern sei zu vermeiden. nachdem ich aber diejenige von uns beiden bin die französich spricht und, wenig überreaschend, keiner von uns arabisch oder berber, war klar, dass ich, dezent im vordergrund, den löwenanteil der konversation übernehmen würde.

aus dem flughafen raus, gleich verfahren, eh klar. nach dreimal hin und her, dem ersten (und garantiert nicht letzten) versagen des gps-geräts und ratlosem umhertaumeln kommt uns ein älterer herr entgegen. hp: den frag ma jetzt. ich: voll gehemmt. frag ich den? und wenn ja, schau ich ihn dann nicht an? ist das nicht voll komisch? oder redet hp ihn an und ich frag? grübelgrübel, schwitzschwitz. im endeffekt hab ich höchst nervös etwas dahergestottert und der herr hat freundlich und entspannt auskunft gegeben und war null überrascht, dass ich ihn anrede.

entspannung setzt ein, wir sind im grunde ja sowieso alle menschen und gar nicht so verschieden, oder? also reingeradelt in die medina, verkehr ist volle anders aber irgendwie auch volle lustig und wir finden in der überfüllten, verwinkelten altstatt sogar auf anhieb unser hotel. obwohl es winzig, und unser zimmer noch winziger ist, dürfen wir nach etwas verhandeln sogar unsere räder parken.

es ist früher abend, wir stromern durch die gassen, kaufen keine uhr, keine wertkarte, kein bild, keinen armreifen, lassen uns nicht wiegen und checken uns was zum abendessen. unterm strich sind wir sehr zufrieden und finden, dass wir uns echt super schlagen und, hey, ur souverän, dafür dass wir keinen tau von irgendwas haben.

es wird finster und wir machen uns quer über den djemaa el fna auf den heimweg. geschickt weichen wir fliegenden händlern und schlagenbeschwörern aus, als urplötzlich von rechts jemand meine hand schnappt, und hastduesnichtgesehen, anfängt eben diese mit henna zu bemalen. no merci! ruf ich, und will meine hand zurück ziehen, aber, wow, die frau hat einen festen griff und während sie flink weiterzeichnet kommt ein ganzer redeschwall. i like you, you are very sympatic, you give me what ever you want, you don’t have to pay, you are very sympatic, this ist symbol for good luck, this ist for good sex with your husband, what’s your name, i give you very good price. in den folgenden drei minuten passieren sehr viele dinge gleichzeitig. ich hab versucht meine hand wiederzubekommen, worauf eine zweite frau hinzugezogen wurde, hp hat versucht einen preis auszuverhandeln, was zu einem wilden schlagabtausch geführt hat. die münzen, die hp hervorgekramt hat wurden entrüstet zurückgewiesen, this is berbermoney! i don’t take berbermoney!, mein einwand, you said we pay what we want??, schnaubend vom tisch gewischt, normaly you pay 400 dirham (40 euro), you give me at least 200! i give you very good price!!!
es wurden dann noch ein obsthändler in die diskussion mit einbezogen und schließlich ist hp bei 5 euro gelandet und die beiden frauen haben sich mit einem finalen, you are not a good man!!, verabschiedet. ich war ziemlich perplex und stolz auf hp, echt wacker geschlagen. dann bin ich wie der pfitschipfeil ins hotel gesaust um den hennagatsch wieder abzuwaschen, denn in wirklichkeit war ich gar nicht scharf auf ein hennatatoo. das ergebnis war tiefschwarz. nach dem waschen. und ich hab mir nur gedacht, ganz, ganz toll. wir fahren jetzt dann fast drei wochen durch die pampa und ich hab quasi, metaphorisch gesprochen, ein schild um auf dem steht, ich bin ein doofer tourist der sich nicht abgrenzen kann. na super.

drum bin ich auch am nächsten tag in die apotheke gejappelt und hab gefragt ob sie eventuell etwas zum abschminken hätten. die junge frau hat sich fast scheckig gelacht. abschminken, muhahah, nein, nein. einfach zwei bis drei wochen warten. sonne hilft.
sonne hilft tatsächlich. nachdem wir fast ausschließlich im freien waren war das ding nach einer woche weg. die moral von der geschichte? it’s hard to make a living in marrakesh. ich hab da jobs gesehen (schattenmacher! leuteabwieger!), ich wusste gar nicht dass es die gibt. und: tourismus hat auswirkungen – deal with it. ich hab immerhin die möglichkeit einen spritzig-selbstironischen blogpost daraus zu basteln. fünf euro – very good price.

alles liebe, dein lesterschwein

p.s. ich hab tatsächlich etwas gefunden über landesübliche sitten in österreich. oida?!? das hätte ich lesen sollen bevor wir weggefahren sind. dann hätte ich das gleich alles nicht so ernst genommen…