von bambus und büchern

liebe kati,

ja super, materialverschiebungszimmerrochadenaction erledigt! bin schon gespannt wie’s jetzt ausschaut wenn ich wieder bei euch vorbeihoppel.

die „wir sind ho[a]rt, kinder!“ veganargumentation ist sicher eine challenge, überhaupt wo peergrouptechnisch im teenie-umfeld schätzomativ keine-tiere-essen nicht so den hyper coolness-faktor hat. bei mir ist das auf der FH gerade groß thema, ich seh die leute ja jetzt nach über 7,5 monaten erstmals wieder fast täglich, und da werden im pausen-smalltalk naheliegender weise eher die vordergründig sichtbaren veränderungen angesprochen: piercing, tattoo, geschälte karotten im marmeladenglas und soja-latte in der kaffeepause. von „was isst du denn dann?“ über „na wenn du verhungern willst bist selber schuld“ bis „warum überhaupt?“. und beim ‚weil‘ fällt mir immer wieder auf dass ich mir schwer tu, es tatsächlich auf einen punkt zu bringen. von ernährungssouveränität fang ich dann an, und der nahrungsmittellogistik, dem schritt von veggie zu vegan und wie mir schon länger vor eiern graust (beim zwinkernd eingeworfenen hühnermenstruationshinweis bekomme ich ungläubige blicke und dann ein „aber wir menschen sind biologisch als omnivore gebaut!“), und warum ich überhaupt die milch einer anderen spezies trinken soll, ob das nicht  werbegehirnwäsche ist. aber so ganz konzise kann ich’s noch nicht artikulieren – ich werd mir nochmal dein 10 punkte manifest reinziehen (hast du eigentlich vor das mal zu veröffentlichen? fand ich superspannend…). hochgeschätzter misanthropen-kollege M. hat nach meinem geschwurbel gleich zurückgeschossen mit: „ja aber soja ist ja auch böse!“, und etwas späte klinkte sich H. ein mit „wenn du wirklich vegan wärst, müsstest du jetzt aber auch sofort deine lederschuhe ausziehen!“. mein etwas lahmes reply war dann etwas in richtung „irgendwo muss man ja anfangen…“, aber so wirklich konsistent in unserer konsumumgebung auf regional-fair-bio-gut umzusteigen ist einfach auch eine challenge, abgesehen von der legitimationsargumentation.

jedenfalls hat das dann wie die faust auf’s aug gepasst als ich gestern nach 8 stunden vorlesung am weg zu E. in 1080 an einem veganen laden vorbeigelaufen bin! und zwar dem muso koroni (inkl. schneematsch) auf der josefstädter straße:

muso koroni winter

da drin gibt’s gewand, schuhe, kosmetik, kochbücher, DVDs, und jede menge anderen zeux – wurde schon im august eröffnet. kanntest du den?

sehr cool zb: vegane schuhe. aktuell haben sie 4 paar schwarze stiefel, da werd ich mir auf jeden fall welche checken sobald meine kanadischen 3$-heilsarmee-treter das zeitliche segnen. und perfekte umsetzung des prinzips der eingeschränkten auswahl!

ich hab dort auch gleich mal nachgefragt wo ich denn meine einheitsklamotten in fair-bio-co2neutral-öko herbekommen könnte, am liebsten bambus (wie ich das ja laut meiner post-BA-liste vorhatte zu recherchieren). und die ladenfrau so: bambus eigentlich eher böse, weil die meisten dieser fabrikate aus chemisch behandelter bambus-viskose sind, und somit überhaupt nicht mehr öko. sie haben da nur 1 shirt im online-shop, aber das gab’s im laden grad nicht (höhö, online gibt’s auch ein hanna shirt, muahaha).

sie hat mir hingegen etwas aus eukalyptus-faser empfohlen (fühlt sich gut an, aber die schnitte waren alle viel zu weit), nur hab ich den hersteller vergessen -.- muss ich nochmal recherchieren.

jedenfalls hab ich mir dort gleich ein weiteres kochbuch gecheckt, und das auch nur, weil so ein superes tiramisu-rezept drinnen ist:

vegan lecker lecker kochbuch

das andere ist übrigens mein aktueller lesestapel – E.’s ethical slut, dann ein großartiges buch über wahnsinn, geborgt vom gestrigen unerwartet großartigen lektor (es gibt sie, die ausnahmen!), sowie von einer anderen E. ein paar feministische theorien, weil ich seit berlin (wiederum mit E. nummero 1) und dem dortigen queer-feministischen body-workshop und dem darauffolgenden netzfeministischen bier in wien und den regelmäßigen skype-calls mit meinem kanadischen geek-feminist-grrrl A. mich nach langer pause wieder mehr mit dem kram auseinandersetze.

apropos kram, ein/e unbekannte/r nachbar/in hat anscheinend ordentlich das bücherregal aussortiert und unten im hauseingang die altlasten deponiert, ich hab mir da gleich jede menge unter den nagel gerissen. falls was dabei ist was auch dich interessiert, let me know!

nachbarschaftslesestoff

so, und jetzt mach ich mich mal fertig für den sonntäglichen transatlantischen skype-call mit A., hurrah!

sonntäglich,
die lesteschwester

PS: du hast ja erwähnt dass du jedes 2. wochenende an 1 tag nichts in den kalender einträgst, und ich werd das auch mal versuchen. hab mir bis zu den osterferien 1 tag pro woche im google calendar markiert wo ich nicht in der gegend rumhotte und maximal hausbesuche empfange. witziger weise hat mir M. das schon letzten sommer gesagt dass er das so macht und auch so braucht, und ich fand das damals noch irgendwie schräg… und jetzt: anti-dichtness-versuch.

PPS: A. hat – wie immer – zu jedem thema die passende quote… ;-)

liebe, protest und rollbalken

liebe lesterschwester,

gratuliere zur BA abgabe, coole sache das! tatsächlich urschade, dass ich nicht mit war am protestsongkontest, hätte das alles gern selber gesehen, aber nächstes jahr sicher wieder. andererseits aber gar nicht so schlimm, denn für den protest brauch ich gar nicht das haus verlassen, das hab ich live zu hause:

gestern haben unsere kids begonnen die kinderzimmer untereinander neu aufzuteilen, was mit einer unfassbaren materialverschiebung einher ging. eigentlich dachte ich ja, dass unsere kinder im mitteleuropäischen schnitt eh wenig zeug haben. irgendwie gabs trotzdem kistenweise kram zum tauschen. nostalgisch wurde in fotoalben geblättert und alte cds hervorgekramt, und n. hat den kleinen haufenweise spiele und musik vererbt, worüber sich die beiden gefreut haben wie schneekönigin und schneekönig. macht jetzt auch eine interessante geräuschkulisse in der wohnung, wenn uns nicht mehr nur n. über seinen subwoover beschallt, sondern zusätzlich s. lady gaga und n. falco beisteuert. abends dachten hp und ich wir sind jetzt besonders schlau und machen einfach pizza, das geht schnell und alle freuen sich. denkste. s. befand es sei zu viel käse drauf und n. wollte sie gar nicht essen. hp und ich empfinden es ja schon als entgegenkommen unsererseits den kindern gegenüber, dass wir extra für sie vegetarisch kochen. hallo, mit echtem(!) käse(!!). gerade n. empfindet es aber grad wieder als totalen affront, dass wir noch immer(!) kein fleisch(!!) zur verfügung stellen. offenbar hatte er die hoffnung, dass wir zeitnah wieder von unserem komischen trip runterkommen. leider nein, lieber n., und so gibts protest bis zum abwinken.

ich find es echt schwierig, den kindern zu vermitteln dass vegan leiwand ist ohne ihnen super drastische geschichten zu erzählen bzw. filme zu zeigen. aber angstmache und schuldgefühle impfen ist bei kindern für mich absolut gar nicht drin. ich hoffe es sickert früher oder später was durch, aber zeitweise find ichs ordentlich anstrengend. andererseits – erfolg, erfolg! – ist s. jetzt aus eigenem antrieb auf vegetarisches schulessen umgestiegen. trotzdem hätt ich mir gestern abend dringend einen rollbalken zum dagegenlaufen gewünscht. manchmal, schauts aus, muss liebe eben ein bisschen weh tun.

heute wird aber alles anders. erstens sind die zimmer jetzt endlich fertig und zweitens mach ich waffeln, denn die mögen wirklich alle. und zwar vegan (ha!) und vollkorn (doppelha!) .

aus der familiendröhnung,

das lesterschwein

PROTEST! aber nicht in echt.

liebe kati,

uff, prüfung überstanden, BA dem prof geschickt! jetzt darf ich mich wieder anderen dingen widmen – beispielsweise zur abwechslung (hoho) ein bisschen bloggen. prokrasti… was?

ur schade jedenfalls dass du & H.-P. nicht beim 10. protestsongcontest vergangene woche dabei sein konntet. ich hab im kalender nachgeschaut – seit 2009 ist das bei uns schon schwesterlich-schwägerliche tradition! glück ist vogel, ehschowissen. also damit ihr nicht ein loch in eurem PSC-gedächtnis hab, hier ein paar impressionen:

gleich vorweg: virtuell-künstliches synthieoperettengedudel über die „armen märkte“ (startnummer 6) hat sich in letzter instanz eines unfassbar spannenden kopf-an-kopf-rennens zwischen anstaltsnahem wahnwitz (startnummer 9) und realem echtzeit-protest der refugees aus der votivkirche (startnummer 10) als siegerin durchgesetzt. was das mit moralischer geiselnahme und virtuellem vs. analogem protest zu tun hat kommt später noch. alle finalistInnen kann man jedenfalls auch bei effemmvier in bewegtbild bestaunen.

PSC 2013 Juryentscheidung

aber mal von vorne: ca. 20:30h, spannungsgeladen-protestlaunige atmosphäre im ausverkauften rabenhof mit M. & N. – für M. sogar PSC-premiere…

psc_publikum… der in alter tradition mit dem famosen arbeitersängerbund eröffnet wird, das jährliche (eigentliche) highlight:

psc arbeitersängerbund

danach als 1. band des abends die m.E. schwerst unterschätzten matata und ihr song über fruit companies – mangos, ananas und papayas. fetter sound, psc-ungewohnte musikalische qualität, soulige sängerin und zwei tighte rapper, bläserfraktion, multilinguale textbausteine, gutes thema, uncheesy auf den punkt gebracht. leider in der endwertung mit dem 5. platz absolut unterbewertet – kann ich nur darauf zurückführen dass sie A) nicht kontrovers genug waren und/oder B) auf grund des hochemotionalen finale des finales schlichtweg untergangen sind.

danach ein paar mittelmäßige acts sowie eine spaß-partie mit aufklebe-moustaches und einer kampfansage an die „donaudampfschiffwohlstandsgesellschaftskapitänskahipster“. textzeile hier zu sehen samt 50% der jury –  u.a. inkl. der nach 10 jahren jurorinnen-tätigkeit zum letzten mal punkte vergebenden doris knecht sowie dem alten aufklärer peter paul skrepek plus nina weissensteiner vom derstandard.at innenressort (nicht im bild: martin blumenau, mirjam unger und skero von texta).

psc jury

eine vollbesetzte bühne mit fargo aus linz (stermann: „westwien!“), musikalisch abwechslungsreich aber leider textlich eher mau…

psc fargo

… und zu guter letzt die letzte beiden acts, die die wogen hochgehen lassen – nummer 9, die schweißtreibend á la tasmanischer teufel quer über die bühne rotierenden anstaltskinda (2 trinkpausen während einer 3-min bühnenshow!) und mit der startnummer 10: refugees of the vienna refugee camp.

psc refugees

sprechchöre, plakate, pfeifkonzert, und brodeln im publikum. bei der finalen jurybewertung allerdings kippt die stimmung – erst als der von mir als musiker geschätzte skero hat sich leider vollkommen ins abseits katapultiert mit dem jenseitigen schmäh, er hätte sich musikalisch von den refugees mehr erwartet, die hätten ja schließlich auch genug zeit zum proben gehabt (während der besetzung der votivkirche, anm.). zynismus seitens jury schon ok und sachen, aber… so nicht. blumenau hat das auch dazugehörige backstage-nachspiel zitiert:

Nachher kam Saladin, der Lead-Sänger/Sprecher der Refugees und entschuldigte sich bei Skero für seine schwache Performance. Weißt du, ich bin nicht im Vollbesitz meiner Kräfte, ich bin nämlich immer noch im Hungerstreik, sagte er.

Das war für mich der beschämendste Moment der gesamten Protestsongcontest-Geschichte. Ein Aktivist, dessen Existenz auf dem Spiel steht, dessen life on the line ist, entschuldigt sich bei einem Juror für seine weniger gute Auftritts-Leistung. Die seiner misslichen Lage, gegen die er anspielt, geschuldet ist. Weil die Jury – in Teilen – die akademische Fertigkeit über die Bedeutung der Musik gestellt hat.

und dann: skrepek. der alte musikergildenfuzzi, der sich jahr für jahr damit rühmt allen musikerInnen des PSC pro kopf und nase heiße 12,50EUR zu ermöglichen, die vom rabenhof noch verdoppelt werden, schießt den vogel ab. als letzter juror des 10. PSC finales stellt er sich mit seiner von blumenau konstatierten musikschullehrermentalität endgültig ins eck – er verwehre sich der moralischen geiselnahme! o-ton zusammengefasst von dani:

Er bezieht sich dabei (in der Wertung, Anm.) auf folgende Aussage der refugees: „Wir danken allen, die uns helfen, aber wir erlauben niemanden, uns zu benutzen“ und gibt seine neun Punkte an Benedikta Manzano. Null Punkte von Peter Paul Skrepek für die refugees sind ein hartes Urteil.

damit verbleiben startnummer 9 und 10 ex aequo auf dem 2. platz, die refugees verlassen das auditorium, die erneut anhebenden sprechchöre verstummen wieder. und die publikumsreaktion?

PROTEST

… möchte man meinen. aber für die bühnenstürmung reicht’s trotz einiger nummern zuvor niedergerissenem absperrbandl nicht, und benedikta darf ihr siegerinnenlied nochmals zum besten geben.

PSC finale sind immer wieder mit emotionalen wogen verbunden – wir erinnern uns schaurig an die ehrenvollen gewinner des EWHO, die mit dem ohmschen widerstand seitens publikum schlichtweg ausgebuht wurden. die moralische arschkarte hatte diesmal allerdings definitiv die jury, und hat sie leider genau verkehrt ausgespielt. virtuelle märkte overrulen echtzeit-protest. was will uns das sagen…

nächstes jahr gehört jedenfalls wieder eine ordentliche portion lesterschweiniges raumpensaugejohle an den start!

nachtinachti vom
nachteulenschwein

PS: nicht nur knecht dankt ab, angeblich wird auch stermann den hut ziehen und ab nächstem jahr nicht mehr moderieren. sagt zumindest ein post auf vegan-forum.de

loving neubaugürtel

liebes lesterschwein,

ich kann von einem neuen lokaltest aus der umfangreichen csv liste berichten: nämlich das sagenumwobene loving hut neubau mit B.! nachdem diese der beiden filialen in 10-min gehweite des ateliers liegt haben wir uns durch den schneematsch und quer über den gürtel gekämpft, um die umfangreiche rein vegane karte zu studieren und uns durch ein paar vor- & hauptspeisen zu kosten:

loving hut

tagessuppe (EUR 3,-): eine süß-saure thailändische suppe mit reisnudeln, sojasprossen und tofu. gelungen!

sommerrolle (EUR 3,50): frischer salat & gemüses mit kräutern (minze!) in einer reispapierrolle, dazu erdnusssoße und ein saurer dip (reisessig?). superlecker!

goldenes zeitalter (EUR 7,50): reisnudeln mit erdnusssoße und ein bisschen gemüse sowie vereinzelten sojasprossen (könnte mehr sein), dazu m.E. ziemlich leckeres veganes huhn, B. fand’s zu trocken. könnte im großen und ganzen gemüsig-frischer sein, das nudel-erdnuss-gedöns ist ziemlich dicht.

curry (EUR ?): gelbes curry mit kartoffel-broccoli-sojasprossen-gemüsemischung, dazu salat und reis und papadam. sehr mild, könnte mehr schärfe vertragen.

kooookoooooskuuuchen (EUR 3,-): sehr fluffig-lockere kuchenmasse mit einer sehr süßen kokoskreme plus jede menge kokosstreusel. nur auf 2x oder zu 2t bewältigbar ;-)

am weg nach hause habe ich noch ein bisschen süßjunk für die heutige 5-std-vorlesung und die morgige 7-std-vorlesung (samstag ist überbewertet, oida!) gecheckt: vegane schoko-reiswaffeln (gilt nur für die zartbitter variante), einen multifrucht-cashew-riegel (gibt nur ein paar wenige dieser energiespenderdinger ohne honig) plus geschälte karotten. von wegen g’sunde jause und so ;-)

winkewinke aus dem elfenbeinturm,
die loving schwester (ohne hut)

chicken kashmir [veganisiert]

hi liebes schwesterlein,

heute war ich zwar den ganzen tag daheim (bis auf einen ausflug zum rollbalken des vertrauens), wollte aber nicht viel zeit mit kochen verbringen. daher hab ich mir eine kürzlich bei dm erstandene schnellochello-currymischung hergenommen und mit den most convenient soja-schnetzeln veganisiert. die davert-schnetzel sind nämlich luftiger als die eher dichten varianten von formosa & co, und brauchen daher auch nur ca. 5 min. einweichzeit.

das ergebnis: wohlig-mollig-sämiges kashmir-curry (ist das dann überhaupt curry?), dass auf grund ebenjener charakteristika beinahe schon als dessert durchgeht.

Image

chicken kashmir [veganisiert]

1 biofix würzmischung chicken kashmir
1 kleine zwiebel, geschnitten
1/2 sack grobe sojaschnetzel (zB davert), ca. 5 min. in suppenbrühe eingeweicht
1 kleine dose kokosmilch
etwas öl

1. pfanne mit etwas öl, würzmischung 1 + zwiebeln dazu
2. sojaschnetzel dazu, kräftig rösten
3. mit sojaschnetzel-brühe + optional extra-wasser aufgießen, kurz köcheln
4. würzmischung 2 + kokosmilch dazu, deckel drauf, noch 5 min. köcheln

dazu reis, in meinem fall was von eurem naturreis.

superlecker! und geht einfach sauschnell.

die würzmischungen sind btw ziemlich einfach gestrickt, nummer 2 ist quasi fancy suppenpulver, und für 1 hab ich ohnehin alles da. werd das also beizeiten einfach mal selber nachbauen versuchen…

1 = salz, knoblauch, kardamom, pfeffer, koriander, ingwer, zimt, muskat, kreuzkümmel, nelken, muskatblüte, anis, lorbeer, chili

2 = reismehl, kartoffelstärke, tomaten, salz, sellerie, zwiebeln, kurkuma, sojasauce, tulsi-basilikum, sonnenblumenöl

chakkah,
die lesterschwester

love is in the rollbalken

liebe kati!

toller anti-dichtness-schmäh: mit der birne gegen laternenpfahl, gläserne duschtür oder türstock laufen! (been there, done that.) beschert einem wunderbare 3-5 sec. vollkommener hirnleere, gepaart mit ein paar schönen visuellen effekten von schwarzen pünktchen (polkadot) über sterne (hipster) bis milchstraßen (besser die rettung rufen).

ich hab heut mein gegen-die-wand-lauf curriculum erweitert durch… *drumroll*… halb heruntergelassene rollbalken! und zwar während einer kleinen schreibpause und dem mini-verdauungsspaziergang zum billa ums eck. nachdem ja belohnungsmechanismen á la schokokekse veganbedingt ausfallen, wollte ich mir einen tulpenstrauß checken. der kassatyp fand das anscheinend so amüsant dass sich ein schwarzgewandetes bis zur nase im schal verstecktes mädel einzig und allein einen strauß blumen holt, dass er mir nach dem preisscannen ebenjenen in schwungvoll-galanter geste samt augenzwinkern gereicht hat. ich steh ja auf solche alltagsbegegnungen mit schmäh in unerwarteten kontexten, ergo recht zurückgezwinkert. beim immer noch erheiterten durchschreiten der automatik-türen hab ich allerdings den von außen mit leuchtmarker markierten weil defekthalber nur halb hochgezogenen metallrollbalken mit meinen fulminanten 1,59m schlichtweg übersehen und bin…

*pardauz*

… stirn voraus dagegengedonnert. die magazinverkäuferin am unteren ende der stufen hat sinniger weise gleich darauf „vorsicht!“ gerufen, aber da war’s schon zu spät. wenigstens war meine zunge ausnahmsweise am richtigen fleck, normaler weise beiß ich mir ja in solchen fällen nämlich darauf.

anyways, das ganze hat einer gewissen situationskomik nicht entbehrt, daher bin ich schädeldröhnend, kopfschüttelnd und belämmert vor mich hin grinsend inkl. tulpenstrauß am arm wieder nach hause gewackelt.

love is in the tulpenstrauß

fazit: in zeiten eingeschränkter feinwahrnehmung – ob aus gründen der dichtness oder wegen fehlgeleiteten flirtversuchen – im zweifelsfall ducken!

so, und jetzt schon ich ob ich aus den belämmerten gehirnzellen noch halbwegs brauchbares akademisches geschwurbeln schütteln kann…

ein bisschen butter,
die hannadame

andererseits…

liebes schwesterlein,

grad hab ich nochmal unsere dichtness-konversation gelesen, und da hat sich mir die frage aufgedrängt, warum mein leben trotzdem oft so dicht ist, wo ich doch eh die choices reduziere wo geht. es stört mich ja auch gar nicht (mehr) so mich entscheiden zu müssen, aber egal wie ich entscheide hängt mir doch phasenweise die zunge bis zum boden. egal ob mit oder ohne job, mit oder ohne ausbildung, mit oder ohne kleinkindern. und zudem bringt eine zusätzliche aktivität, wie vor zwei jahren bei mir das musik machen, subjektiv ein weniger an dichtness und ich könnt nicht mal sagen wieso.

paradox of life?

spannend dazu war mal wieder input von frau p., denn sie meint es geht um expansion vs. kontraktion. das wir also während des tages, des jahres, des lebens zeiten brauchen, in denen wir uns ausdehnen, aktiv sind, tun und machen, aber im gegenzug auch zeiten wo wir uns zurückziehen, empfangen, loslassen. hm, klingt nicht so neu wenn ich das hier so hinschreib. alte yin und yang esoterik. trotzdem ist die überlegung überdenkenswert, dass ich vielleicht deshalb immer wieder in der erschöpfung lande, weil ich mir nach dem ausdehnen, wenn der impuls zum loslassen kommt denke, ah, da geht noch was, jetzt bin ich doch grad so schön drin im tun. und dann push ich nochmal. vielleicht hilft deshalb das langsamere tun? weil die kleine stimme, die eh weiß dass jetzt ruhe angesagt ist, mehr zeit hat sich zu rühren? oder ich mehr zeit hab hinzuhören? aber das heißt dann auch, dass sich in einem tag viel weniger ausgeht. und der schweinehund kommt dann ja auch noch dazu, was ist mit dem? kürzlich schrieb ich:

als ich nicht laufen konnte, ist es mir irgendwann gar nicht mehr abgegangen. einmal wieder gelaufen – zack, das bedürfnis ist wieder da.

das ich nicht lache! einmal wieder ausgefallen, zack ist das bedürfnis wieder weg. es kommt zwar manchmal unter der woche, aber montag morgens um acht bin ich grad spitzenmäßig im zurückziehen und loslassen.

unschlüssig,

dein lesterschwein

dichtness reduzieren

liebe hanna,

angewandter barry schwartz macht auf jeden fall glücklich(er), auch wenn dazu manchmal eine ordentliche portion realitätsumdeutung gehört. du nennst das ganz elegant reframing. relativ einfach find ich das ja bei kaufentscheidungen. vegan sein hilft sowieso, wie wir schon festgestellt haben, aber auch bei anderen dingen läßt sich die auswahl ganz gut einschränken.

möbel zum beispiel. die kauf ich eigentlich nur noch gebraucht, meistens über willhaben. such ich etwas seltenes wie kürzlich einen diwan, schau ich in ganz österreich und brauch trotzdem wochen, bis ich einen finde. such ich was gänigeres, wie eine kommode, dann schau ich nur in wien. so bleibt die auswahl immer überschaubar und ich bin glücklich mit der kaufentscheidung, weil es nicht mehr darum geht was ich gewählt hab, sondern dass ich überhaupt etwas gefunden hab.

schwieriger wird es bei gewand, aber da hatte ich die super methode abgelegte kleider von dir aufzutragen. so bin ich zu einigen meiner absoluten lieblingsstücke gekommen. nur jetzt, wo du dir den ganz reduzierten style zugelegt hast, muss ich mir wohl was anderes einfallen lassen.

wirklich schwierig wird es bei der von dir angesprochenen dichtness in der alltags- und lebensgestaltung. was mir da auf jeden fall hilft sind fixpunkte. jeden mittwoch abend trommeln, da fährt die eisenbahn drüber. jeden tag was gutes kochen, und zwar langsam. überhaupt das was ich tu, langsam tun (sehr schwierig, find ich…) außerdem hab ich mich kürzlich entschlossen jedes zweite wochenende an einem tag „nix“ in den kalender zu schreiben und da dann auch tatsächlich nix zu tun. keine freunde treffen, keine konzerte, einfach nix.

städtetripmäßig ist berlin natürlich schon schwierig für die reduktion. hp und mich hat bei unserem zweitägigen berlintrip im september das überangebot an lokalen so überfordert waren, dass wir im endeffekt zweimal hintereinander beim gleichen vietnamesen waren. aber sicher auch deshalb, weil ich eben grundsätzlich wenig lust hab, das bessere zu suchen, wenn ich das gute gefunden hab. wenn du es dir nächstes mal einfacher machen willst, dann fahr doch nach cesky krumlov! hp und ich haben dorthin einen trip im märz geplant. es gibt genau ein vegetarisches lokal und ich glaub auch nicht, das wir in die verlegenheit kommen unsere tage mit partneryoga oder bodyworkshops zu überfüllen. und bei der quartierwahl haben wir auch einen super trick. wir nehmen nur welche mit sauna, das schränkt die auswahl auch ordentlich ein.

vielleicht bedeutet freiheit nach barry schwartz, die freiheit meine auswahlmöglichkeiten auf ein angenehmes maß zu reduzieren? ich glaub auf jeden fall ganz stark daran, dass das anstrengende nicht das wählen an sich, sondern das wählen aus unüberschaubar vielen möglichkeiten ist. am bittersten find ich ja die dichtnessreduktion im sozialen leben. wenn ich nicht dauernd unterwegs sein will heißt das nämlich, dass ich nur meine engsten freunde regelmäßig sehe, und alle anderen selten. das zu akzeptieren find ich den schwierigsten part.

eine super möglichkeit gibt es noch dichtness zu reduzieren: ordentlich essen vor dem ausgehen! (wahnsinn wie ich diesmal die kurve gekriegt hab, oder?) die optimale essenstechnische vorbereitung auf eine wilde ausgehnacht zeichnet sich dadurch aus dass sie

  1. gehaltvoll ist
  2. einfach und schnell in der zubereitung
  3. reste davon am nächsten tag als frühstück herhalten können

tofuspeis

DSC00086

grundsätzlich wird ein ziegel tofu mit der gabel zerdrückt, angebraten und mit salz, pfeffer und kurkuma gewürzt. varianten gibts davon unendlich viele.

zwiebel, knoblauch, seidentofu (wird sehr eierspeisig), räuchertofu, schwammerl, tomaten (getrocknet oder frisch), rucola, frische kräuter, guacamole

 

veganer leberkäs garniert (z.b. vegavita)

DSC00108

über deine frage bezüglich veganem essen für unterwegs muss ich noch nachdenken, spontan fällt mir dazu aber schon suppe in der thermoskanne ein. aber dazu mehr ein anderes mal.

alles liebe und bis bald,

dein lesterschwein

soon.

liebe lesterschwester!

eigentlich hab ich mich ja arbeitsorganisatorisch halbwegs im griff. aber mit der BA1 bin ich mich mal wieder astrein in das hier reingestrudelt:

the creative process

… und statt mit der arbeit zu beginnen fallen mir 3.000 andere dinge ein, die ich JETZT! SOFORT! machen will! also versuch ich’s jetzt mal mit motivation durch projektion, um nach dem durchtauchen des „panic“-modus die „all the work“-phase mit möglichst wenig crying zu verbringen.

ergo werde ich, sobald ich das teil abgegeben habe, …

… mungobohnen & kressesamen ansetzen.
… einen fluffy kuchen backen und damit H. & E. & L. & S. & R. auf eine spielesause verpflichten!
… staubsaugen (for real!).
… einen ordentlichen kotflügel auf meinem radl installieren.
… mit dir & H.-P. & allen am CSA kommunikationskonzept werken.
… A. & L. & K. & T. postkarten nach halifax schicken.
M. ein wien-erwartet-dich-kärtchen nach münchen schicken (der gute macht nämlich ab herbst erasmus bei uns!).
… eine bezugsquelle für faire basic-klamotten wie leggings, t-shirts, tankdress, socken etc. recherchieren, mit der ich meinen reduzierten uni-style von H&M-trash auf nachhaltiges (am liebsten bambus) zeug umstellen kann.
… E.’s ethical slut weiterlesen.
… eine session für das #femcamp vorbereiten.
… ein famoses tomaten-koriander-curry kochen.
… und natürlich wieder ganz oft zu dir kommen und geile kochsessionfotodokus anreißen!

so. wieder 5 minuten rumgebracht. ähem. aber ab montag 19:00h (deadline, ich hör dir trapsen!) ist dann alles so yeah!

queenin vorfreude,
die deadlinejunkieschwester