wir sind CSA!

liebe kati!

puh, heute glänze ich mit der gehirnleistung eines faschierten (vleisch)-laberls. gestern noch voller motivationen einen late-nite-apfelkuchen gebacken sowie filmsession und diskussion über heteronormative beziehungsdarstellungen in independent kulturproduktionen mit L. geführt, der heute morgen dann schon in unchristlichster frühe zum flughafen gen new york unterwegs war. die nächtliche motivation war dann spätestens beim 2. absatz unserer heutigen textentwicklung dahin, schlafentzug ist echt das letzte.

von rüben und faltern

textentwicklung, nämlich. dafür dass wir in aller kurzfristigkeit einen artikel über unsere CSA aus dem ärmel schütteln als replik auf den falter zum thema essensrebellen ist eh schon per se eine gute sache – die kreativleistung werden wir heute in den korrekturläufen noch ein bisschen aufpolieren ;-)

die kollaborative schwesterntexterei hat mich dann wieder an meinen uralt-blogpost-entwurf zum thema CSA erinnert, den ich bis heute nicht fertig gebracht habe. in so fern: mut zur lücke, auch ein draft darf mal das licht der blogwelt erblicken. screw you, perfektionismus! also:

das 1. mal

das CSA anteilseigner*innentreffen in wien am 1. märz war ja für mich der erste persönliche kontakt mit dem familienbetrieb mogg, der jetzt gemeinsam mit partnerbetrieben auf das konzept der community supported agriculture umstellt. das motto: „Miteinander Organisieren, Gemeinsam Gärtnern„. ihr wart ja schon im februar in krems bei einem treffen. dann gab’s noch eines in neulengbach, und dann – der große tag: die 1. ernteanteilslieferung! und zwar am 1. april – ausführlich dokumentiert in ausnahmsweise wenig wort & viel bild. aber: was ist jetzt genau eine CSA?

CSA: solidarische landwirtschaft statt selbstausbeutung

also: CSA steht für Community Supported Agriculture. ganz viele infos findet man auf der seite „was bedeutet CSA“ der CSA mogg, und sogar neo-ökofuzzi roland düringer hat in seinem videoblog ende februar das konzept kurz vorgestellt.

der große punkt für den biohof selbst ist der unfassbare aufwand des ökokistl-service von administration über logistik bis vermarktung. der immense arbeitsaufwand wirkt sich auch sowohl auf die bauern als auch die mitarbeiter*innen aus, und das ganze system ist nur mit einer ordentlichen portion selbstausbeutung möglich – von den ab 02:00 uhr morgens zu bearbeitenden kistl-mails bis zu den tagelangen lieferfahrten. und so ökologisch ist dann das ganze ökokistl nicht mehr, wenn die letzte lieferung zur haustür schon mehr als 300km hinter sich hat. nicht sehr nachhaltig. ein aha-effekt war für mich beim meeting auch der dazugehörige input von D. zu der sache mit der regionalität:

regional statt global: bananen sind luxus, baby!

bananen sind bei uns nicht heimisch – und dementsprechend luxus und nicht standard oder grundnahrungsmittel. deshalb brauch ich ja nicht gleich nach panama zu ziehen, aber „think global, act local“ hat einen enormen effekt auf konsumgewohnheiten und damit transportwege, nachfrage exotischer produkte und damit in letzter instanz eine ökologische lebensweise. auch der gesundheitliche aspekt (vitamin-C lieferant kohl vs. kühlende orangen und andere zitrusfrüchte), den eine CSA-mitgliederin angesprochen hat, ist auch nicht von der hand zu weisen.

im falle der CSA mogg besteht die partnerschaft aus 4 betrieben: der biohof mogg produziert ausschließlich gemüse, der biohof mayer stellt äpfel bei und am biohiof feichtinger werden auf 2 eigens für die CSA reservierten hektar flächt zwiebeln und kartoffeln angebaut. die bio-imkerei derbienenfreund.at stellt bei mogg bienenstöcke auf, der honig fließt tw. wieder zurück an die CSA. so wie zum beispiel bei der 2. ernteanteilsverteilung vorgestern, wo schon ein halbes kilo honig vom bienenfreund dabei war! nachdem ich veganbedingt nicht so viel mit dem anfange, habe ich ihn gleich M. nach „favoriten, baby“ mitgegeben – die WG freut sich ;-)

bezug zu lebensmitteln: meine karotte & ich

ein aspekt, den R. vom biohof immer wieder betont ist das mit dem bezug zum essen: kaum jemand weiß wo das gemüse eigentlich wächst, was es braucht, wie es geerntet wird, oder auch wie man es haltbar machen kann. daher kann man im rahmen der CSA mogg auch 1x pro woche am hof mitarbeiten (muss man aber nicht!), beim ernten & einkochen helfen, und so den bezug zum gemeinsamen gemüse wieder herstellen. nicht nur, aber auch für kids eine super möglichkeit, mehr über die karotte herauszufinden!

den selben effekt hat ja auch eure wunderbare ökoparzelle, von der auch G. hellauf begeistert ist und sich gleich durch’s grünzeug gewühlt hat:

coll_ökoparzelle_2012

wenn man’s auf eine der berüchtigten bruhnschen 1-satz-definitionen runterbrechen will (liegt wohl daran dass ich mich gerade durch die inter- & intraininstrumentelle integration der unternehmenskommunikation für eine prüfung am FR wühle), klänge das wohl ungefähr so:

„regionales, saisonales gemüse in demeter-qualität, gemeinschaftlich und solidarisch erwirtschaftet innerhalb einer transparenten und ökologisch nachhaltigen wertschöpfungskette ohne ausbeutung von natur und mensch.“

ernährungssouveränität goes hochschullehre

spannend waren beim agru-treffen in wien auch die beiden studentinnen von der BOKU – dort gibt’s am institut für ökologischen landbau nämlich eine LV zum thema „ÖLW und regionale entwicklung„. im rahmen dieser vorlesung gibt’s 3 praxis-projekte, und zwar zu den themen foodkoop, CSA und gemeinschaftsgärten!

ein weiteres indiz dafür dass die ganze geschichte nicht der hippie-traum von ein paar ökofundis ist, sondern tatsächlich hand und fuß hat – was nicht zuletzt die vielen internationalen vorbilder beweisen, zB die knapp 25% japanischer haushalte, die ihr gemüse über eine CSA beziehen. auch in nordamerika ist das konzept weiter verbreitet; meine google alerts und twitter search spült da zB news aus portland rein. siehe auch die hervorragend funktionierende GELA ochsenherz („GEmeinsam LAndwirtschaften“), eine der 1. CSAs in österreich, die nicht nur voll sind, sondern auch eine warteliste für freiwerdende ernteanteile haben.

und wie geht’s weiter?

mtimachen! :-) von den 300 ernteanteilen sind noch einige zu haben, das heißt jetzt geht es darum möglichst rasch alle anteile zu vergeben, damit der biohiof mogg bald von den kistl komplett auf CSA umstellen kann. dazu braucht es natürlich möglichst viel kommunikationspower – von persönlichen gesprächen über online-vernetzung (zB auf biologisch.at ist die CSA geschichte schon gelistet) und auch medienarbeit.

wenn auch du, liebe leserin und lieber leser, mit dabei sein wollt, dann schaut am besten direkt auf der website des biohof mogg vorbei und füllt das formular aus mitglied werden. wir sehen uns am hof! :-)

alles liebe & viel gemüse,
hanna

PS: nachdem ich schon einigen leuten begeistert von der idee einer solidarischen landwirtschaft erzählt hatte (transparent! regional! selbstorganisiert!) ist immer wieder die gegenfrage gekommen, ob man A) ur viel zeit investieren muss wegen der selbstorganisations-sache und B) ur politisch sein muss und warum man C) nicht einfach ein biokistl nehmen kann. thema kistl siehe oben, antworten A) und B) werden dann unter anderem in unserem artikel für die rübe thematisiert, den wir natürlich hier vorstellen, sobald er publiziert ist! und in der zwischenzeit stehen wir für fragen immer gerne in den kommentaren zur verfügung ;-)

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