limbo of desaster

liebe hanna,

a blog without focus is just a fancy diary?

ist ein blog nicht sowieso ein fancy diary? schließlich läßt man ja die werten leserinnen und leser irgendwie tagebuchartig am eigenen leben teilhaben. aber wenns dann unschön und damit auch unfancy wird, passt es eigentlich auch nicht mehr in den blogbeitrag. dann muss doch wieder das gute alte tagebuch herhalten (analog! handschriftlich!! geheim!!!). ein blog ist doch eher dafür da die „bright and shiny“ seiten zu beleuchten (achtung, wortspiel) und nicht so die „breit and whiny“ welchen, oder?

insofern ist das wahrscheinlich gar nicht der richtige platz, um festzustellen dass mich diese ganze lernerei ankotzt. 1000 seiten scheisse nochmal. auch die aufmunternten kommentare rundherum – kein problem, das schaffst du – wenig hilfreich. bis jetzt war mein engelchen-ich ja recht durchsetzungsstark und hat mich bei der stange gehalten:

kostenrechnung ist ja so interessant, und das kann ich dann auch wahnsinnig gut brauchen. und endlich kann ich mal wieder beweisen was für ein tasusendsassa ich bin, und endlich hab ich mal wieder die möglichkeit viel schöne mindmaps zu zeichnen, so ein glück!

die letzten tage ist dann aber das teufelchen-ich doch recht laut geworden.

wozu der ganze schwachsinn: krustentier?, brauner fond??, logiskunde??? ich hab überhaupt gar keine lust.

leistungsbewusster gutmensch der ich bin hab ich natürlich einige übung darin das teufelchen zu ignorieren. das hilft aber bekanntermaßen nichts, denn das teufelchen ist ein pumuckl. ignorieren führt nur zu (selbst-)sabotage und bösen streichen. außerdem macht sich ausgedehnte lustlosigkeit breit, garniert mit einem morgendlichen „scheiße, schon wieder ein neuer tag“ gefühl.

a life without a focus is just…

ich hatte ja diesen masterplan, dass ich mich ein paar wochen ganz auf die prüfungsvorbeitung konzentriere. nur, ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich mich jemals ganz auf irgendwas konzentriert hab. ich hab ja noch die leute, denen ich versprochen hab zu kochen, die kinder aus dem hort, die ich versprochen hab zu betreuen, N. mit dem gipsbein, der auch unterstützung braucht, und eine beziehung und die musik. ganz auf die prüfung konzentrieren hieße dann, alle freie zeit dazwischen mit lernen vollzustopfen. ist doch nicht so schlimm…gehst halt nicht am ersten mai picknicken… fällt halt mal ein festival aus…ist ja nur für ein paar wochen…

nein, danke, ich will das nicht mehr, auch nicht für ein paar wochen. ich hab mich also entschlossen im juni nur den einen teil der prüfung zu machen und den rest im november. mein leben ist nicht fokusiert, es ist breit und bunt und chaotisch (wahrscheinlich hab ich deshalb so ein faible für strukturen), nie langweilig, oft anstrengend und es ist mein leben, dass ich mir ausgesucht hab. aber wenn das es-kotz-mich-alles-an-gefühl kommt, ist es zeit, irgendwas raus zuschmeissen.
trotzdem bin ich immer völlig fasziniert, wenn mir leute, wie zum beispiel L. auf deiner geburtstagsparty, von einem völlig anderen leben erzählen, wo man sich wirklich hinter DIE EINE SACHE klemmt. ich fag mich manchmal, wie sich das anfühlt.

focus: vegan

aber was ich im leben nicht mache kann ich ja im blog probieren, oder? also: beflügelt von dem entschluss ab sofort weniger zu lernen, hab ich dann gleich ein neues rezept ausprobiert. S. opa ist ja perser und hat in grauer vorzeit, bevor er nach teheran abgedampft ist, manchmal für uns ghormesabzi gekocht. nachdem es das beim supperclub am samstag geben wird, wollte ich es vorher mal ausprobieren. eigentlich ist es ein rezept mit vielen frischen kräutern, aber im persischen laden um die ecke wurde mir einerseits ein produkt aus der dose und andererseits ein trocken-kräutermischung ans herz gelegt. ich hab beides ausprobiert. das dosenfutter hat schon beim öffnen genauso gerochen. wie dosenfutter. ich hab es gewärmt, gekostet und befunden, dass es das ekelhafteste ist, das ich seit langer zeit gegessen hab. getoppt wurde es nur noch von der trockenmischung. durchdringender grasgeschmack mit äußerst bitterer note im abgang. hp, N und ich hatten viel spaß beim verkosten, die faszination der grauens war unbeschreiblich. uns taten sofort die armen kühe leid, die die ganze zeit gras fressen müssen. andererseits: vielleicht sind sie deshalb so gechilled und gut drauf. wie auch immer, es kann nur besser werden.

zum geburtstag hab ich, oh wunder, viele, viele kochutensilien und kochbücher bekommen. eines davon ist wunderhübsch anzusehen und befaßt sich ausschließlich mit der süssen veganen küche. ich hab natürlich die erdnussbutter-brownies ausprobiert, als formals größter reese-butternutcup-junkie. das ergebnis war nicht nur hässlich, es hat auch gar nicht gut geschmeckt. es kann allerdings gut sein, dass nach drei stunden krankenhausdröhnung (remember: N. und das gipsbein) meine konzentrationsfähigkeit nicht mehr zur umsetzung eines kochrezepts gereicht hat.

a focus without a life is just…

mir, liebe hanna, gehts ja mit dem focus ein bisschen wie dir mit den zielen (wir erinnern uns: kanada-e-mail-verkehr:-))

immer wieder glauben wir, wir sollten fleißig, zielstrebig, focussiert sein und rasch voranschreiten um „etwas zu erreichen“ und „etwas zu bewirken“ und überhaupt, aber was ist dann mit dem leben, seinen windungen und mäandern?

focus hin, focus her – ich bin auf jeden fall froh, dass wir „vegan“ nicht im blogtitel haben, denn früher oder später wird sich dieses thema erschöpfen. ich merk schon jetzt immer wieder, dass es mich zunehmend nervt, wenn sich rundherum leute bemüßigt fühlen mit mir über meine ernährungsgewohnheiten zu diskutieren, oder noch besser, mir rechtfertigungsvorträge zu halten warum sie essen, was sie essen. „ich ess nur ganz wenig fleisch, und nur bio!“ und sich dabei die pizza rusticana bestellen – tschuldigung, das ist lächerlich.

leute, esst was ihr wollt solange ihr es mit euch selber vereinbaren könnt! von mir gibts weder absolution noch bekehrung.

völlig recht hast du aber damit, dass es spass macht, leute damit zu überraschen, dass etwas richtig lecker schmeckt, obwohl es vegan ist.

erklärtes ziel für den supperclub am samstag! ich geh dann mal noch ein bisschen persisch kochen üben…

bussi und bis bald!

kati

p.s. a propos supper club: 2 plätze sind wieder frei für diesen samstag!

3 Gedanken zu „limbo of desaster

  1. Pingback: süsse sachen | von schwesterlein an lesterschwein

  2. Pingback: hut ab(gegrenzt) | von schwesterlein an lesterschwein

  3. Pingback: yesterday was dramatic, but today is okay | von schwesterlein an lesterschwein

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s