können dürfen statt müssen müssen

liebes lesterschwein,

kürzlich war ich mit hp im belvedere und konnte mir gerade noch die sehr empfehlenswerte ausstellung die kraft des alters angesehen. es wurden beiträge verschiedener künsterler*innen ausgestellt, die sich dem thema alter und altern auf unterschiedlichste weise angenähert haben. zum teil war das natürlich auch eine kritische auseinandersatzung damit, das altern in unserer gesellschaft als etwas pathologisches und negatives angesehen wird. noch interessanter wurde das ganze, weil wir eine führung von petra unger mitgemacht haben, die uns auf ein reise durch dieses ausstellung mitgenommen hat. gleich am anfang gab’s ein statement darüber, dass es im neoliberalismus nicht vorgesehen ist, dass wir mit unserem körper machen was wir wollen. wir sollen ihn bitteschön trainieren und formen, wir sollen gesund, schlank, und schön sein und natürlich sollen wir so lange wie möglich jung aussehen und produktiv sein. wer sich diesem diktat nicht unterwirft, soll kuschen, muss zahlen und ist selber schuld. es kann einem zum teil schon heute, und in zukunft sicher noch mehr, finanziell am schädel fallen, wenn man sich die freiheit nimmt, sich eine zigarette anzuzünden und dem fitness- und gesundheitswahn zu entsagen.

in diesem moment, wie ich das gehört hab, hatte ich so einen kleinen gedanken, dass es jetzt irgendwie cool wäre, der rauchenden, fitnessentsagenden boheme anzugehören. nachdem ich seit sicher 10 jahren nicht mehr rauche, gerade eine lebenslange mitgliedschaft in einem fitnesscenter abgeschlossen hab (lol) und nicht selten „mit ohne“ esse, war ich glaub ich nie in meinem leben weiter davon entfernt.

natürlich ist mir klar, dass es eigentlich um etwas ganz anderes geht. wie welzer so schön auseinandersetzt, in seinem buch die smarte diktatur, funktionieren krankenkassen eigentlich nach dem solidarprinzip. wer selten krank ist finanziert die mit, die öfter krank sind. oder alt sind. oder rauchen. oder einfach pech hatten. nach neuer kassenlogik ist krank sein, oder ein frei gewählter lebensstil persönliches versagen und ein abweichen von der norm.

und das ist natürlich der springende punkt. sporteln und „mit ohne“ essen ist solange lustig, solange ich mich frei dafür entscheiden kann. ich mag nicht teil einer gesellschaft sein, die mir ein enges korsett verpasst um mir vorzuschreiben wie ich zu leben habe. und wenn ich morgen beschließe ich kauf mir eine packel tschik ist das genauso meine sache, wie wenn ich mir jeden tag junkfood einverleibe. abgesehen davon muss man sich einen gesunden lebensstil erst mal leisten können. dass armut krank macht ist auch keine neuigkeit.

im moment gehör ich auf jeden fall der sporttreibenden, grünzeugfressenden boheme an. aber wenn ich so in mich hineinlausche frag ich mich halt schon: esse ich das ganze gute zeug wirklich nur, weil es so gut schmeckt und sich gut anfühlt? kann ich von mir behaupten, dass mir neoliberale körperideale wurscht sind? oder manage und optimiere ich meinen körper in wirklichkeit genauso wie die sportappbenutzer*innen und lifelogger*innen da draußen, die ich heimlich belächle?

liebes lesterschein, vielleicht sollten wir mal wieder käsefondue essen, um meinen neoliberalen tendenzen ein bissel entgegenzuwirken.

bis dahin knabbere ich weiter an meinen grünkohlchips, weil der grünkohl, der ist mittlerweile mein freund. ich erinnere mich noch genau, wie der damals im csa-anteil vom mogg war. da hab ich geschieben, dass ich sicher keine cale-chips mache, weil: ich nicht low-carb und sowas. tja. die zeiten ändern sich. aber meine sind wenigstens mit honig. das ist nämlich urlecker. ehrlich!

grünkohlchips

250g grünkohl
2el oliveböl
1el honig
salz

gruenkohlchips

die fertigen chips konnte ich nicht mehr fotographieren, die waren zu schnell weg. okay, das war gelogen. ich hab die fotos von den fertigen chips irrtümlich gelöscht. bravo, kati…

grünkohl kleinzupfen, aus den anderen zutaten eine marinade mischen, mit dem grünkohl durchkneten, auf ein backblech verteilen und bei 150 grad 30-40 minuten backen. zwischendurch immer wieder umrühren.

ich hab den starken verdacht, das geht mit jeder art von dünngeschnittenem gemüse. rote rüben, karotten, pastinaken könnte ich mir zum beispiel gut vorstellen. muss ich aber erst ausprobieren.

alles liebe,

dein schwesterlein

Ein Gedanke zu „können dürfen statt müssen müssen

  1. Pingback: wer’s glaubt… | von schwesterlein an lesterschwein

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