Über kati

ist oft hungrig und wundert sich in der fremde, vor allem über sich.

aus eins mach drei

liebe hanna,

letzten sonntag sind hp und ich bei frühlingshaften temperaturen mal wieder dem guten leben hinterhergeradelt. diesmal im tristingtal. wir kommen ja langsam in das alter, wo es eine(n) zeitweise ein bissel auf land zieht und da stellt sich natürlich die frage wie das zu bewerkstelligen ist, wenn man erstens wenige finanzielle ressourcen hat und zweitens gartenarbeit blöd findet. die naheliegende und bisher verfolgte strategie ist die, das zelt auf radl zu packen und ein bissel in der gegend rumzugurken. jetzt ist so die idee aufgetaucht, das eventuell ein spurli seßhafter zu gestalten. zugegeben: ich bin da innerlich schon ein stück weit ambivalent. ich erinnere mich noch, wie frau knecht in ihren kolumnen, die ich sehr schätze, angefangen hat zunehmend vom  haus im waldviertel zu schreiben. oje, hab ich mir gedacht, jetzt wird sie spießig.

ich für meinen teil bin ja im herzen eine camperin, sozialisiert durch jährliche sommerurlaube mit dem papa in krumau am kamp, immer am selben platz, immer mit dem wahnsinns steilwandzelt aus st. tropez. ich entspann mich schon, wenn ich nur an campingplatz denke. was liegt also näher, als richtung dauercamping zu denken.

ich muss sagen, das haus im waldviertel ist an spießigkeit noch um einiges zu toppen. ich sag dir, lesterschwein, neue welten haben sich mir da im triestingtal erschlossen. ganz klar, jedem das seine, aber ich muss, zugeben, ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt. dauercampingplätze, wo zu 90% fixe wahnwagen (ähm wohnwagen mein ich natürlich) und hütterl stehen, immer mit einem zaun und oder einer thujenhecke drum rum. alles schön abgegrenzt und en gros so gestaltet, dass der blick keine drei meter weit reicht. das nennt sich dann „freie natur“. ich sag nur, schrebergarten, schas dagegen. zu uns waren alle sehr freundlich, keine frage, das lag aber auch daran, dass wir keine türken sind weil: „die mag ich nicht, die reden nicht deutsch und die grillen so viel. solche nehmen wir hier nicht.“

wohnwagen_2

das gute ist, es ist durchaus auch eine feine sache herauszufinden wo man nicht hinpasst. und vielleicht bleib ich einfach noch ein bissel beim zelt am radl. in diesem fall haben hp und ich noch ein bisschen dem vogelgezwitscher gelauscht, ein tässchen tee getrunken und ein paar seifenblasen in die gegend geblasen. und schwuppdiwupp saßen wir schon wieder am rad.

tristingtal

was das triestingtal kulinarisch so hergibt haben wir gar nicht herausgefunden, wir waren nämlich 1a selber versorgt und das ging so:

frühstück: tofuspeis

ja ich weiß, die ist in letzter zeit recht viel zitiert, aber es ist einfach auch das liebste meiner basisgerichte. in diesem fall:

2 zwiebeln fein gewürfelt
drei karotten, geraspelt
1 pkg. räuchertofu, mit der gabel zerdrückt
1 el tahina
1 tl curcuma
1tl salz

gemüse in öl tüchtig anrösten, tofu mitrösten, tahina und curkuma dazu und ordentlich umrühren. zwei drittel aus der pfanne nehmen und zur seite stellen.

2 hand voll vogelmiere, klein geschnitten unter das restliche drittel mischen. frühstück fertig. ev. noch einen schuß kürbiskernöl drüber.


mittagessen: dinkelsalat

dinkelsalat_1

2/3 tofuspeis
1 bund asiasalat
eine tasse dinkelreis
essig, öl

dinkelreis in doppelter menge wasser weich kochen, und die tofuspeis mischen. asiasalat (oder 20 dag salat oder spinat anderer art) klein schneiden und darunter mischen, mit essig (z.B. apfelbalsam) und öl (z.b. olivenöl), salz und pfeffer abschmecken.

das lässt sich super in gläser abfüllen und ist ein optimales radleressen. bekömmlich, sättigend, lecker.


abendessen: restlgröstl

gröstl

reste vom dinkelsalat (gehen natürlich auch reste von tofuspeis)
1/2 kg erdäpfel
1/2 bund petersilie
ev. 1 zwiebel, fein geschnitten
kümmel

erdäpfel kochen, schälen und in scheiben schneiden, in einer pfanne (mit der zweibel) in etwas öl anrösten, den restlichen dinkelsalat dazukippen und alles durchmischen. nochmal mit salz und pfeffer abschmecken.

zu pfingsten werden sich hp und ich wieder aufs radel werfen und uns die gegend um lundenburg (breclav) ansehen und dort ein paar neue campingplätze auschecken. ich bin gespannt ob auch dort wieder unsere campingplatzregel nummer eins zutrifft: je rustikaler und versiffter die sanitäranlagen umso sympatischer der campingplatz.

aber es gibt natürlich mindestens einen campingplatz wo diese regel nicht zutrifft: krumau am kamp!

alles liebe, dein läster- äh, lesterschwein

wir schöpfen aus der fülle

liebes fress… äh… lesterschwein,

so viele schöne lokaltipps! da muss ich auf jeden fall auch das eine oder andere ausprobieren. und danke für den tipp mit der vogelmiere! hab ich ich auch bestellt und die ist sehr ergiebig und funktioniert als alles. echt super. tofuspeis, salat, abruzzisches abendbrot. ist quasi salat, spinat und petersilie in einem. wirklich cool, so ein unkraut. jaja, die überraschungen der foodcoop.

letzten dienstag hatte ich ladendienst, und es waren wieder einige leute da, um sich anzuschauen was wir da so machen. und da kam die wenig überraschende frage, was denn nun bitte besser daran sei in der foodcoop einzukaufen, als auf den markt zu gehen, und dort beim biobauern zu shoppen. preislich ist da zwar ein bissel unterschied, aber eigentlich gehts doch um etwas anderes. ich konnte es nicht so recht in worte fassen. und kurz hab ich mich dann gefragt, ob ich vielleicht auch auf den markt gehen würde, wenn ich es mir irgendwie vorstellen könnte am wochenende einkaufen zu gehen. vielleicht ist die foodcoop ja auch einfach der greissler von boboville für leute mit zuviel zeit- und energieressourcen, denen fad im schädl ist.

gut, dass ich soviel radlfahr, da hab ich viel zeit solche fragen durch den kopf gehen zu lassen, bis mir der knopf aufgeht. genaugenommen ist mir der knopf aufgegangen, als foodcooplerin E. uns allen gemailt hat, dass es nett wäre, wenn jedeR ordentlich abwiegt, weil es nicht schön ist, wenn man als letztabholende zu wenige karotten vorfindet, und dann noch dazu eine davon schiach ist.

da ist mir dann aufgefallen, dass es gar nicht so selbstverständlich ist, dass bei uns im normalfall und im großen und ganzen alles rund läuft. es funktioniert ja schließlich nicht wenig auf vertrauensbasis. und mir ist aufgefallen, dass eine foodcoop ein mikrokosmos ist, indem wir im kleinen ausprobieren wie das so funktionieren könnte, wenn nicht „immer alles“, wenn nicht „ich zuerst“. wie das ist, wenn man draufkommt, dass man das wohl von allen im auge behalten muss, weil das ganze werkl sonst nämlich nicht rennt.

grundsätzlich haben wir tolle produkte zu einem fairen preis und können dankbar sein so super versorgt zu sein. wir schöpfen aus der fülle.

nichtsdestotrotz ist immer wieder ein ei angedepscht oder ein glas angegrindelt. von irgendwas kommt zuwenig, von was anderem zuviel. die äpfel lassen sich nicht auseinanderwiegen, weil sie zu groß sind. und im sommer sind nicht alle tomaten gleich schön. da macht es dann eben auf dauer einen ziemlichen unterschied, ob sich die ersten, die abholen immer die schönsten sachen aussuchen und tendenziell lieber ein bissel mehr nehmen als ein bissel weniger, oder ob mit der haltung abgeholt wird – da kommen noch andere nach mir, ich schau, dass für die genug und etwas schönes da ist. ich fahr eh gleich nach hause, also nehm ich das abgedepschte ei, weil ich kanns gleich einkühlen.
ich fand es auch voll nett, als mit R. eine avocado angeboten hat, weil ich mir weniger äpfel genommen hab. und ich fand es auch super, dass C. nicht gefragt hat, welcher job der coolste ist, sondern wissen wollte wo sie gebraucht wird. und ich find es großartig, dass das alles einfach klappt. es steht haufenweise zeug rum, es wird keiner kontrolliert, kaum abgesperrt, jedeR nimmt sich. und das ist nicht nur bei uns so. wir sind ja grundsätzlich ziemlich organisiert mit software und so. es gibt foodcoops, da werfen die leute geld in ein leeres gurkengles (schmähohne!) und das funktioniert auch.

es ist auch super, wenn sich jemand findet, um für den ladendienst einzuspringen, einfach weils grad geht, und sich nicht denkt – ich hab diesen monat eh schon, geht mich doch nix an. und ja, im grunde ist es nur ein kleiner kaufmannsladen, aber ich find den begriff „gemeinwohl“ recht abstrakt, und für mich ist das tatsächlich eine ganz kleine spielwiese, wo wir das ein stück weit ausprobiern können. schließlich geht’s doch um kooperation, statt konkurrenz, um miteinander, statt gegeneinander, und darum, die erfahrung zu machen, dass es für mich nur dann wirklich fein ist, wenn es für die anderen auch fein ist. und solche wechselwirkungen kriegen wir am freien markt, egal ob romantischer karmeliter-bauernmarkt oder supermarkt, ja gar nicht mit. und nicht zuletzt finde ich, dass uns ein bissel selbstverwaltung nicht schadet, in einem system indem wir es gewohnt sind dann und wann eine stimme abzugeben (will ich überhaupt meine stimme abgeben?) und uns über „die da oben“ zu beschweren.

und insofern ist foodcoop tatsächlich ganz etwas anderes als bauernmarkt. und ich kann sagen, bei mir hat es sehr wohl ein bissel gedauert, mich vom – ich hab bezahlt, also steht mir zu – zu verabschieden. man tauscht den vermeintlichen persönlichen vorteil gegen  community ein.

und das ist, um an meinem letzten post anzuknüpfen, auch der grund, warum wir wieder mehr auf die straße gehen sollen. sicher, um die stimme zu erheben. und sicher, um widerstand sichtbar zu machen. aber vor allem, finde ich, um uns als teil einer community zu erleben, die etwas anders gut findet, als arbeitszeitflexibilisierung, die abschaffung des wohlfahrtsstaats und neoliberalen die-starken-zuerst-schwachsinn. ich hab mit dem grrbrr schon mal drüber geredet. wahrscheinlich ist die wirkung nach innen, von solchen aktionen mindestens so wichtig wie die wirkung nach außen. und es ist doch eine spitzensache mit meinem schwesterlein zu den sambabeats des brüderleins die gegenbewegung zu tanzen.

a propos letzter post: in aller kürze noch die ergebnisse meiner bescheuerten sojamilch-recherche. kurz gefasst: alles bullshit. joya war ein produkt der österreichischen monagruppe, diese wurde von der hain-celestial-group AG übernommen. alpro gehört danonewave. unnötig zu sagen, dass beides börsennotierte unternehmen sind, die international agieren und milliardenumsätze erzielen. die sojabohnen für bei uns erhältliche bio-sojamilch werden auf der ganzen welt, bis hin zu china produziert und … tja, was soll ich sagen. für mich gilt das gleiche wie für alle anderen auch. ich kann nicht erwarten, dass alles anders wird, und gleichzeitig alles gleich bleibt. ich kann nicht, sosehr ich es mir manchmal auch wünschen würde, erwarten, dass es irgendeinen ernstzunehmenden unterschied macht, ob ich im supermarkt in regal a oder regal b greife. ja, ich verwende noch immer sojamilch. aber ich tu nicht mehr so, als hätte das irgendeinen positiven ökologischen impact. aber wenn ich nicht grad soja-latte schlürfe und klammheimlich meinem hedonismus fröne, dann koch ich feine sachen „von da“ und „mit ohne“. hier also zum abschluss wieder ein rezept aus der kathegorie (fast) 100% foodcoop.

sautierte austernpilze mit vogelmiere

austernpilze

1 el öl
250g austernpilze
1 zwiebel
1/2 bund petersilie
eine hand voll vogelmiere
1 schuss weißwein (der ist nicht aus der foodcoop, aber selbst gelesen – ha!)

zwiebel und geschnittene austernpilze ordentlich in öl anrösten (nicht zuviel umrühren!), mit wein ablöschen, klein geschnippelte petersilie und vogelmiere dazu, kur umrühren. mit salz und pfeffer abschmecken. wenn man eine beilage möchte eignet sich zum beispiel dinkelreis.

a propos dinkelreis: da hab ich noch eine idee auf lager, wie man aus einem gericht drei macht, unter anderm mit dinkelreis. aber das ist eine andere geschichte, die kommt beim nächsten mal.

bussi und bis bald,

dein lesterschwein kati

erstürme mein herz

liebes lesterschwein,

danke für die osterschoko! ich hab sie noch nicht geknackt, die heb‘ ich für unsere nächste schwesterliche sause auf. stell dir vor…

letztens war ich mit hp und unserem musikfreund im kino und wir haben uns bootes neuen film „the green lie“ angesehen. obwohl da nicht soviel neues kam wie erwartet war doch der eine oder andere denkanstoß dabei.

nicht neu war zum bespiel die erkenntnis, dass wir die welt nicht retten werden, indem wir im supermarkt irgendwelche dinge kaufen, die mit ökigen bildchen verziert sind. seltsame „gütesiegel“ für „nachhaltigkeit“ machen die welt nicht besser und gesünder. sorry leute, vergesst supermarkt-bio. industriell gefertigtes zeug, vor allem mit, aber auch ohne palmöl, dass von multinational agierenden konzernen produziert und vertrieben wird ist und bleibt böse und kein label dieser welt wird was dran ändern.

eine gute erinnerung war, dass wir ganz generell und überhaupt die welt nicht durch konsumentscheidungen verbessern werden, und es vielleicht langsam mal wieder an zeit wäre uns als bürgerInnen und nicht als konsumentInnen zu begreifen.

ein echtes aha war für mich jedoch, ein kleiner satz von frau hartmann. die hat nämlich gesagt, dass der hauptschaden, den die konzerne mit ihrem green washing anrichten gar nicht der ist, dass sie uns dinge als „nachhaltig“ und „ökologisch“ verkaufen, die das gar nicht sind, sondern dass uns vorgegaukelt wird, wir verändern die welt als individuen durch konsumentscheidungen, anstatt als gemeinschaft durch politisches handeln. eigentlich eh klar. im stillem kämmerlein am fair-trade sojalatte zu nuckeln und sich gemütlich die alsan aufs dinkelweckerl zu schmieren mag sich vielleicht im ersten moment gut anfühlen, aber besser wird davon nix. im gegenteil. herr patel hat im film ganz richtig darauf hingewiesen, dass es ja wohl nicht sein kann, dass wir zwischen fairem kaffee und arschlochkaffee wählen sollen und es ein untragbarer zustand ist, dass wir beim einkauf quasi entscheiden sollen, ob wir heute menschen ausbeuten oder doch nicht. aber: es kann nicht alles anders werden und gleichzeitig alles gleich bleiben. um es mit herrn welzer zu sagen: die immer-alles – kultur*, ob vegan oder nicht, wird sich nicht ausgehen, wenn es allen leuten gut gehen soll.

so, liebes lesterschwein, und was heißt das jetzt für mich? für uns? ich kann und will ja nicht einfach aussteigen aus meinem 1. welt menschenleben. ich bin ja teil des systems von dem ich gleichzeitig sage, blöd irgendwie. und was kann ein einzelnes lesterschwein schon verändern?

diese fragen sind mir die ganze woche durch den kopf geschwirrt, während ich durch die gegend geradelt bin und schlussendlich hab ich bemerkt, für mich ist der dreh- und angelpunkt die aussage von frau hartmann. es geht nicht darum alleine „das richtige“ zu tun, was auch immer das sein soll, sondern sich in der community zu organisieren. deswegen ist die foodcoop für mich auch mehr als eine einkaufsgemeinschaft. erfahrungsgemäß brechen die leute, die einfach nur zeug bestellen und es abholen auch früher oder später wieder weg. es ist ja eigentlich doch bequemer die sachen einfach beim supermarkt ums eck zu holen. das hab ich auch bei mir selber beobachtet. der mehraufwand funktioniert auf dauer nur, wenn ich mich mit den menschen verbunden fühle, wenn ich mich darauf freue sie zu treffen beim ladendienst. wenn ich gerne aufgaben übernehme, wenn das sinn für mich macht, wenn ich daran glaube, dass es doch möglich sein muss, mich im großen und ganzen mit dem zu ernähren, was es um mich rum so gibt. und das ist nicht unbedingt bequem. einen tag in der woche zeit zu haben lebensmittel zu bestellen und zwei stunden in der woche zeit zu haben diese abzuholen mutet in zeiten wie diesen (ich sag nur „immer alles“) doch ziemlich anachronistisch an. aber wenn man sich mal daran gewöhnt hat ist das gar kein problem. und außerdem:

echte entwicklung kann viel sein: interessant, abenteuerlich, herausfordernd, neu, überraschend, gruselig, schön- nur eines ist sie nie: bequem.

echte entwicklung verbindet mich mit anderen menschen und berührt mich im herzen. eigentlich sollte der titel dieses blogposts ja „niemand ist eine insel“ sein. aber dann bin ich drauf gekommen, dass 1. john donne mit launigen sprüchen nur so um sich geworfen hat (auch schön: „hier lieg ich, von der lieb erschlagen) und 2. es um mehr geht, als sich nur zusammen zu tun. ich muss schon mit dem herzen dabei sein. darum:

erstürme mein herz!

und ja, ich weiß dass ich hier kürzlich über datteln geschrieben hab, aber hey, es geht schließlich um entwicklung, nicht um perfektion. und ich neige auch nach wie vor zu irrationalen übersprungshandlungen. zum beispiel hab ich kürzlich recherchiert, ob es nicht doch vertretbare sojamilch im supermarkt gibt. aber vom diesem desillusioniernden internet-trip erzähl ich dir das nächste mal. und auch darüber, warum es zeit ist wieder mehr auf die straße zu gehen.

jetzt aber noch wie kürzlich versprochen mein aktuelles frühstücksrezept, natürlich 100% foodcoop und mit ohne sowieso.

frühstücksbreichen


15g dinkel

15g hafer
15 g trockenfrüchte
150-200ml wasser
1 apfel
ein paar nüsse

getreide schroten und mit den trockenfrüchten über nacht im wasser einweichen. morgens ein paar minuten kochen, den apfel reiben, die nüsse hacken und alles in einer schüssel anrichten.

fertig.

alles liebe und bis bald, deine kati

*immer-alles kultur stammt aus: welzer, harald: selbst denken – eine anleitung zum widerstand

the evolution of speis

liebe hanna,

erstens mal: ursuper, wir haben schon die ersten neuen foodcoopmitgliederinnen, wie cool ist das! und zweitens: wenn ich deine blogbeiträge les läuft mir das wasser im mund zusammen (tofuspeis! gulasch!! knootschi!!! und all das schöne gemüüüüse) und es treibt mich gleich in die küche um mir hurtig etwas zusammenzubasteln und ja, oft haben zutaten und gerichtsbenennung vordergründig nicht viel miteinender zu tun. aber: es hat ja alles eine geschichte und viele dinge erklären sich durch ihr historisches geworden sein und nicht einfach so. drum ist es wenig verwunderlich, dass menschen, die jahrzehntelang mit eierspeis sozialisiert wurden ein gericht, dass aber rein gar nix mit eiern zu tun hat dann „vegane eierspeis“, „tofuspeis“ oder sonst wie so zu benennen. in unserem haushalt geht die evolution in diesem speziellen fall noch ein stückel weiter. wir nennen es tofuspeis, obwohl kein tofu drinnen ist. (ha!) entstanden ist das, weil hp und ich neuerdings unter der woche lecker getreidebreichen frühstücken (rezept folgt noch), aber am wochenende, da haun wir am putz und gönnen uns eine tofuspeis (jaja, wir schlawiener). blöd nur, wenn dann kein tofu im haus ist. gut andererseits, dass sich die tofuspeis in den letzten jahren weiterentwickelt hat. da wird nicht einfach nur tofu geröstet, nein nein. da werden zwieberl angebraten, und ein bissel gemüse der saison, im moment also karottenstreifen und der erste bärlauch – jipi! – . dann vielleicht noch ein paar getrocknete tomaten dazu. gewürzt wird mit curuma und tahina, vielleicht noch eine paar italienische kräuter hier, oder ein bissel chili dort. und hinterher ein kräftiger schuss kürbiskernöl obendrauf. und, ganz ehrlich, ob dann tofu auch noch drin ist oder nicht, ist in wirklichkeit ziemlich blunzen. aber wenn wir morgens was in die pfanne hauen, dann nennen wir das tofuspeis. korrekt wäre natürlich „speis“. das wäre genau genommen die korrekte bezeichnung für überhaupt alles, was wir essen. stell ich mir eine ziemlich lustige rezeptesammlung vor ( von a bis z: speis, speis, speis, …)

speis mit ohne tofu (bärlauch edition)

collage_baerlauchspeis

1 zwiebel
1 karotte
1 tl brat- und backöl
ev. 1 hand voll bärlauch
1 el tahina
1 tl curcuma
ev. ein paar getrocknete tomaten
sonstige gewürze nach gusto
1 tl bis 1 el kürbiskernöl, leindotteröl oder sonst ein spezialöl

gemüse klein schnippeln, in öl anrösten, gewürze und tahina dazu, zum schluss das grünzeug. ich hab für die karottenstreifen ein super tool von der nachbarin bekommen. ich bin ja sonst nicht so der kücherngerätefuchs, aber dieses kleine scheißerchen verwende ich echt oft (siehe foto).

übrigens: von wegen gulasch (ja, kaum sind paprika und zwiebeln drin, schon nennen wir’s gulasch). da hat sich bei mir auch was weiterentwickelt. ich hab nämlich kürzlich den guten tipp bekommen szegedinar mit kichererbsen zu machen, und das ist echt der hammer. ich muss zugeben, ich war ja immer ein bissel skeptisch gegenüber den kichererbsen aus unserer foodcoop, obwohl super bio und aus österreich, weil die gar so anders ausschauen, als die gewohnten aus der dose. nix mit hell und weich, sondern dunkelbraun und auch gekocht recht bissfest. aber im szegedinar machen die sich echt hervorragend.

szegedinargulasch mit kichererbsen
(foto folgt noch, ich hab mal wieder alles zusammengefressen und drum nix mehr zum fotographieren)

200g kichererbsen
1 pkg. räuchertofu
3 zwiebeln
3 knoblauchzehen
1el tomatenmark
1 el senf
1 el paprikapulver (edelsüss)
1-2 el essiggurkerlsud oder essig
1/4 kg sauerkraut
1 l gemüsebrühe
1/2 kg kartoffeln

kichererbens einweichen über nach und dann im schnellkochtopf eine 3/4 stunde kochen. tofu fein würfeln, in etwas öl anrösten, aus dem topf nehmen. zwiebeln fein würfeln, in öl anschwitzen, knoblauch schneiden und mitrösten, tomatenmark mitrösten, senf mitrösten. da sind jeweils 2-3 minuten dazwischen. paprikapulver mitrösten (ganz kurz! sonst wird er bitter), mit gurkerlsud oder essig (dann ist es ohne zucker) ablöschen, kraut und abgeseihte kichererbsen dazugeben, durchrühren und mit gemüsebrühe aufgießen bis alles gut bedeckt ist und etwas mehr. aufkochen und zurückdrehen auf kleine flamme. die kartoffeln schälen, würfeln und auch mitkochen. wenn sie noch bissfest sein sollen, dann erst nach 15 minuten dazugeben.

ein gericht mit unpassendem namen hätte ich noch im talon:

jägersauce

collage_jaegersauce

2 zwiebeln
3-4 karotten
1/4 sellerie
ev. pastinaken
ev. petersilienwurzel
1 el tomatenmark
ev. eine fein geriebene kartoffel oder ein löffel mehl
ein paar zweige petersilie
1 schuss weißwein oder weißer balsamico
1 el thymian
2 el getrocknete steinpilze
1/2l – 1l gemüsebrühe

der ablauf ist der übliche. gemüse schnippeln, rösten, tomatenmark mitrösten, ev. mit mehl stauben, mit wein/essig löschen, mit brühe aufgießen. dann die gewürze und die petersilienzweige und die steinpilze dazu und mindestens eine halbe stunde köcheln lassen. wenn man will kann man statt dem stauben mit mehl eine mehlige kartoffel dazureiben, dann wird es auch sämig. oder keines von beidem, so wie ich dieses mal, ist auch sehr lecker.

ich muss überhaupt sagen: es hat lange gedauert, aber mittlerweile brauch ich tatsächlich so gut wie keine lebensmittel mehr aus dem supermarkt. ich kann mich komplett über die foodcoop versorgen, angefangen vom frühstücksbreichen bis hin zu sämtlichen spielarten der veganen schweinerein. und supertolle milchprodukte (schlagober und sauermilch dieser art kannte ich gar nicht) und für mich vertretbares fleisch gibts auch, aber das sag ich hier natürlich nicht so laut :-)

aber weißt eh, hp und ich sind ja vegan, außer das fleisch aus der foodcoop ;-)

bussi, bussi,

dein lesterschwein

können dürfen statt müssen müssen

liebes lesterschwein,

kürzlich war ich mit hp im belvedere und konnte mir gerade noch die sehr empfehlenswerte ausstellung die kraft des alters angesehen. es wurden beiträge verschiedener künsterler*innen ausgestellt, die sich dem thema alter und altern auf unterschiedlichste weise angenähert haben. zum teil war das natürlich auch eine kritische auseinandersatzung damit, das altern in unserer gesellschaft als etwas pathologisches und negatives angesehen wird. noch interessanter wurde das ganze, weil wir eine führung von petra unger mitgemacht haben, die uns auf ein reise durch dieses ausstellung mitgenommen hat. gleich am anfang gab’s ein statement darüber, dass es im neoliberalismus nicht vorgesehen ist, dass wir mit unserem körper machen was wir wollen. wir sollen ihn bitteschön trainieren und formen, wir sollen gesund, schlank, und schön sein und natürlich sollen wir so lange wie möglich jung aussehen und produktiv sein. wer sich diesem diktat nicht unterwirft, soll kuschen, muss zahlen und ist selber schuld. es kann einem zum teil schon heute, und in zukunft sicher noch mehr, finanziell am schädel fallen, wenn man sich die freiheit nimmt, sich eine zigarette anzuzünden und dem fitness- und gesundheitswahn zu entsagen.

in diesem moment, wie ich das gehört hab, hatte ich so einen kleinen gedanken, dass es jetzt irgendwie cool wäre, der rauchenden, fitnessentsagenden boheme anzugehören. nachdem ich seit sicher 10 jahren nicht mehr rauche, gerade eine lebenslange mitgliedschaft in einem fitnesscenter abgeschlossen hab (lol) und nicht selten „mit ohne“ esse, war ich glaub ich nie in meinem leben weiter davon entfernt.

natürlich ist mir klar, dass es eigentlich um etwas ganz anderes geht. wie welzer so schön auseinandersetzt, in seinem buch die smarte diktatur, funktionieren krankenkassen eigentlich nach dem solidarprinzip. wer selten krank ist finanziert die mit, die öfter krank sind. oder alt sind. oder rauchen. oder einfach pech hatten. nach neuer kassenlogik ist krank sein, oder ein frei gewählter lebensstil persönliches versagen und ein abweichen von der norm.

und das ist natürlich der springende punkt. sporteln und „mit ohne“ essen ist solange lustig, solange ich mich frei dafür entscheiden kann. ich mag nicht teil einer gesellschaft sein, die mir ein enges korsett verpasst um mir vorzuschreiben wie ich zu leben habe. und wenn ich morgen beschließe ich kauf mir eine packel tschik ist das genauso meine sache, wie wenn ich mir jeden tag junkfood einverleibe. abgesehen davon muss man sich einen gesunden lebensstil erst mal leisten können. dass armut krank macht ist auch keine neuigkeit.

im moment gehör ich auf jeden fall der sporttreibenden, grünzeugfressenden boheme an. aber wenn ich so in mich hineinlausche frag ich mich halt schon: esse ich das ganze gute zeug wirklich nur, weil es so gut schmeckt und sich gut anfühlt? kann ich von mir behaupten, dass mir neoliberale körperideale wurscht sind? oder manage und optimiere ich meinen körper in wirklichkeit genauso wie die sportappbenutzer*innen und lifelogger*innen da draußen, die ich heimlich belächle?

liebes lesterschein, vielleicht sollten wir mal wieder käsefondue essen, um meinen neoliberalen tendenzen ein bissel entgegenzuwirken.

bis dahin knabbere ich weiter an meinen grünkohlchips, weil der grünkohl, der ist mittlerweile mein freund. ich erinnere mich noch genau, wie der damals im csa-anteil vom mogg war. da hab ich geschieben, dass ich sicher keine cale-chips mache, weil: ich nicht low-carb und sowas. tja. die zeiten ändern sich. aber meine sind wenigstens mit honig. das ist nämlich urlecker. ehrlich!

grünkohlchips

250g grünkohl
2el oliveböl
1el honig
salz

gruenkohlchips

die fertigen chips konnte ich nicht mehr fotographieren, die waren zu schnell weg. okay, das war gelogen. ich hab die fotos von den fertigen chips irrtümlich gelöscht. bravo, kati…

grünkohl kleinzupfen, aus den anderen zutaten eine marinade mischen, mit dem grünkohl durchkneten, auf ein backblech verteilen und bei 150 grad 30-40 minuten backen. zwischendurch immer wieder umrühren.

ich hab den starken verdacht, das geht mit jeder art von dünngeschnittenem gemüse. rote rüben, karotten, pastinaken könnte ich mir zum beispiel gut vorstellen. muss ich aber erst ausprobieren.

alles liebe,

dein schwesterlein

niemals mit ohne mein lesterschwein

liebe hanna,

huhu. huuuhuuuu. da bin ich wieder:-)

vor ziemlich genau drei jahren hab ich veganblogmäßig, leicht entnervt von meiner eigenen unentschlossenheit, das handtuch geworfen. ich hab mir einfach gedacht, dass ich nicht mehr vegan genug für einen veganblog bin. grad hab ich mir meinen abschiedspost durchgelesen (also, hüstel, den einen abschiedspost, da gar es ja mehrere…) und was da steht stimmt heute noch genauso. ich hab es in den letzten drei jahren auch mehrfach überprüft. ich find ersatzprodukte noch immer zum größten teil gaga, ich mag noch immer kein palmöl essen und schnitzel liegen mir noch immer im magen, auch wenn ich das dazwischen einige zeit nicht so recht wahrhaben wollte. es gibt einfach kein zurück. wenn man sich eine zeitlang damit befasst hat, was in einem schlachthof so abgeht, dann wird man das unbehagen beim 08/15 fleisch einfach nicht mehr los. und dass das supermarkt-bio eine einzige verarsche ist, kann ich auch nicht mehr vergessen. ich geb aber zu, dass es, so kathegorisierungsmäßig, dann doch etwas über das ziel hinausschießt, wenn HP sagt, „he hanna, wir leben wieder vegan, außer das fleisch aus der foodcoop, das essen wir.“ also ich korrigiere, wir leben weiterhin nicht vegan, aber vegan…-ish. haha. und in letzter zeit haben sich zwei neue fokusse herauskristallisiert. (ja echt, fokusse, nicht foken oder foki – obwohl, ich fänd foküsse ja cooler) einerseits „mit ohne“ und andererseits „von da“. es gibt also wieder etwas zu erzählen.

mit ohne

was als gesund gilt, da gehen die meinung ja sehr weit auseinander. wir können ein lied davon singen, was einem alles an mangelerscheinungen, unterernährtheit und überhaupt ganz allgemeiner lustfeindlichkeit unterstellt wird, wenn man vegan isst. aber auch sonst gibt es ein breites spektrum an ansichten, was denn nun gesund sei. die einen meinen, gekocht ist ganz übel, die anderen sagen roh ist blöd. wie ich in der energiewoche mit den kindern bei der tant‘ schifahren war, hat die mir im brustton der überzeugung erklärt, dass die kinder von milch zum frühstück wesentlich mehr haben als von tee. am kindergruppenplenum wiederum hätte ein solcher sager ziemliche empörung ausgelöst, zumindest beim einen teil der eltern. der andere teil hätte wahrscheinlich zugestimmt. es bleibt einem nichts anderes übrig, als selbst ausprobieren was einem gut tut und was nicht. auf jeden fall ist mir das thema gesunde ernährung zeit meines lebens immer wieder begegnet, beginnend mit der ersten körndlphase unserer mutter in den späten 80ern.
aber das einzige, was sich immer, also wirklich bei allen durchzieht, ist die meinung, dass weißer industriezucker und weißes industriemehl nicht gut für uns sind. auch hier gilt, wie wahrscheinlich bei allem, die menge macht das gift. aber nachdem ich nach dem letzten advent zuckermäßig in einem ausmaß hochdosiert war, wie das letzte mal in meinen frühen 20ern, war es jetzt an der zeit, mich einmal mit alternativen zu befassen. und darum koche und backe ich zur zeit „mit ohne“ industriezucker und weizenmehl.

abgesehen davon, versuche ich noch immer mit wechselndem erfolg (weil wechselnder konsequenz) eher dinge „von da“ zu verwenden, als solche die von urweit her kommen. gerade bei schokoladigen süßkram gestaltet sich das aber gar nicht so leicht. drum ist der fokus für heute mal auf „mit ohne“.

schokokuchen?

kürzlich hatte ich das bedürfnis nach schoko und süss, außerdem war besuch angesagt, also hab ich gesucht und auf einem foodblog, derer gibt es ja zum glück viele, ein rezept für einen zuckerfreien schokokuchen gefunden. der war in vielerlei hinsicht gelungen. der spielfreund hat analysiert „gute kakaomenge, sehr flaumig, gerade richtig nussig, aber echt zu unsüss“. die kinder nannten es verächtlich „schokobrot“ und rollten die augen ob unseres neuen trips. das hat sie allerdings nicht daran gehindert, das ding in einem schwachen moment zwei tage später ratzefatze zusammenzufressen.

ich hab mich heute nochmal hingestellt, und bin das ganze in etwas abgewandelter (und veganisierter) form angegangen.

datteliger weizenfreier schokokuchen

1/2 tasse haselnüsse
1 tasse haferflocken
1 tasse buchweizenmehl
3 el kakao
1/2 tl salz
1/2 pkg backpulver
500g getrocknete datteln
1/2 tasse apfelmus
1/2 tasse sojaghurt
1/4 tasse wasser
1/4 tasse öl
1 el essig

die haselnüsse und die hafelflocken anrösten und mahlen. ich mach das in einer alten elektrischen kaffeemühle. sonst kann man auch gemahlene haselnüsse verwenden und die haferflocken durch die getreidemühle jagen oder einfach im ganzen verwenden.
die trockenen zutaten vermischen, die nassen zutaten mit den entkernten datteln pürieren. alles zusammenmischen und entweder in eine kuchenform füllen oder in kleine förmchen. ich hab die kleinen förmchen genommen, es sind sich 6 ausgegangen. bei 180 grad für 15 (noch ganz leicht cremig) bis 20 minuten backen. wer verwegen ist, kann den teig auch ohne backpulver und essig zusammenrühren und das dem geneigten publikum als schokocreme vorsetzen. grad kinder mögen ja oft den rohen teig lieber als den gebackenen kuchen, und das ist in diesem fall, alles pflanzlich und so, ja bedenkenlos möglich.

dattelkuchen

hat ein bissel gedauert bis mir eingefallen ist, was ich so an zutaten brauch. ich bin fast nicht mit dem fotographieren nachgekommen…

mit der dattelmenge kann man auf jeden fall experimentieren. in diesem fall entspricht ein küchlein drei datteln. mir reicht aber ein halbes kuchendings vollauf. praktischerweise muss man auch gar nichts ausschmieren. ohne mehl klebt da offenbar gar nix an.

dattel ist ja nicht gleich dattel. und ürsprünglich wollte ich irgendwelche heimischen trockenfrüchte verwenden, da bin ich aber auf die schnelle nicht fündig geworden. bloß weil rund um uns nichts als weinstöcke sind, heißt das noch lange nicht, dass man so ohne weiteres an heimische rosinen rankommt. also hab ich beim asialaden meines vertrauens zugeschlagen. das war gleich mehrfach ein erlebnis. erstens sind die datteln wirklich geil und total cremig, ganz anders als die die ich sonst so kenne. zweitens find ich es sympatisch, dass sich die im laden gar nicht scheißen, und die datteln einfach über dem tiefkühler stehen haben, wahrscheinlich der wärmste platz im ganzen shop, obwohl auf der packung steht bis maximal 4 grad lagern. und drittens fand ich es unglaublich, dass auf der packung steht 700g +/- 50g, und ich tatsächlich ein gutes kilo in der schachtel hatte. gekostet hat mich das zwei euro, weil die im geschäft zuviel bestellt haben und jetzt radikal abverkaufen um das zeug loszuwerden bevor es vergammelt.

datteln

links die cremedattel, rechts das was man sonst so findet

drum war der kuchen auch eingermaßen leistbar, obwohl diese art von süsskram ja nichts für schmale geldbörsen ist. aber andererseits back ich dann vielleicht einfach seltener und weniger, aber dafür dann was g’scheit’s. das ist ja auch kein fehler.

jetzt bin ich aber echt gespannt was sich bei dir so tut, im „mit ohne“ sektor und überhaupt. und außerdem wollt ich dich fragen, ob du vielleicht lust hast dieser tage mal vorbeizukommen und ein küchlein zu kosten? ich versteck eines vor den kindern, dann hält es auch ein paar tage :-)

bussi und bis bald,

deine kati

 

die normative kraft des faktischen oder: einen scheiß müssen wir

liebes lesterschwein,

nach zwei monaten funkstille sehen wir nun also den tatsachen ins auge. bloggen ist eine super sache, aber bloggen über dinge die schon urlange her sind unsere sache nicht. (ewig her. eeeewig. fast ein halbes jahr schon.)
und du hast mir geschrieben „ich möchte es nicht als halb-lebendigen content-zombie dahinvegetieren lassen…“
damit hast du völlig recht und ich hab wieder was gelernt. es gibt für alles den richtigen zeitpunkt und wenn der vorbei ist, ist er eben vorbei.

die gute nachricht ist: wir sind viel buddistischer als ich dachte. ganz im hier und jetzt, wer hätte das gedacht. total zen ey.

also: sollten wir jemals einen reiseblog machen, dann eben wenn wir auf reisen sind.

nichtsdestotrotz werde ich meine kleine geschichte hier fertigerzählen. als alter serienjunkie weiß ich schließlich, dass es nichts blöderes gibt als eine begonnene geschichte ohne ende.

wo war ich stehengeblieben? ach ja, agdz.

denn die radgeschichte beginnt ja erst hier.

agdz – zagora

in agdz haben wir auf einem superidyllischen campingplatz die nacht verbracht und eine einladung zum essen viele gute tipps von dem weitgereisten deutschen paar bekommen. ich sag nur: 40 jahre marokko. „weißt du“, hat der alte gesagt, eingehüllt in seinen wollmantel, „ich hab in frankfurt eine schöne wohnung, 180 quadratmeter. aber wenn du mich fragst wo ich mehr happy bin, hier auf meinen 4 quadratmetern oder dort, dann sag ich dir hier bin ich mehr happy.“ und die wüste, ja die wüste, die muss man einfach erlebt haben.

agdz camping

interessiert haben uns die beiden gefragt ob wir denn schon mal in der wüste waren. nein, waren wir nicht. nein, wir waren noch nie in marokko. nein, wir haben keine prepaid-card die hier funktioniert. nein, straßenkarten haben wir auch keine.
wir sind uns eigentlich ziemlich gut ausgerüstet vorgekommen. aber die beiden haben viel gelacht über uns und nur fassungslos den kopf geschüttelt, als sie gehört haben wo wir fahren wollen. mit dem fahrrad die wüste entlang!?! die spinnen doch.
so haben wir kurzerhand unseren routenplan umgeschmissen und beschlossen erst mal das draatal richtung zagora zu fahren. am nächsten morgen ist uns erst so langsam gedämmert worauf wir uns hier eigentlich einlassen. „hans-peter“, hab ich gesagt, „das ist alles so surreal da. was machen wir hier eigentlich?“ „geht mir genauso,“ hat er gesagt. na immerhin.

agdz_1

drum waren wir auch gar nicht böse, als uns wenige kilometer später el-hussain von der straße gepflückt hat. „hey, ich hab da ein projekt, kommt in meinen garten, trinken wir tee.“ na, da lassen wir uns nicht zweimal bitte. und im garten war es so schön, dass wir gleich beschlossen haben erst mal zu bleiben. außerdem hat uns el-hussain verraten, dass er als nomade in der wüste aufgewachsen ist. „kann ich euch schon zeigen. die wüste, ja die wüste, die muss man einfach erlebt haben.“

la ferme ecologe

also haben wir die nächsten zwei tage einen roadtrip mit el-hussain und seinem companion rashid unternommen. mit seinem kleinen weißen renault. ja, zweirad-antrieb. in diesen zwei tagen haben wir richtig, richtig viel gelernt.

wie wissen jetzt wieviel wasser man für einen tag in der wüste braucht (5l pro kopf), wie man ein auto aus dem sand ausbuddelt wenn es stecken bleibt, wie man ein rad am auto wechselt und wie ein wagenheber funktioniert.

wüste in marokko_zagora
außerdem wissen wir jetzt ganz genau wie man jemanden beleidigt. das geht ganz einfach. man gibt jemanden ein trinkgeld. nicht, das trinkgelder nicht gern gesehen wären. aber trinkgeld pflückt man nonchalant aus der hosentasche und drück es dem gegenüber so nebenher in die hand und auf keinen fall sieht man dem andern dabei in die augen. wenn man die geldbörse zückt und dann vielleicht noch das wort „pay“ in den mund nimmt dann verteilt man als tourist besser ordentlich geld und keine trinkgelder. zum glück waren el-hussain und rashid sehr freundliche, geduldige und aufgeschlossene leute, die uns über die fettnäpfchen aufgeklärt haben in die wir so getreten sind und dem entsprechend sind wir wenige tage später um einiges schlauer mit dem radl in zagora gelandet.

zagora – tata

die nächsten paar tage haben wir damit verbracht früh aufzustehen und zu schwitzen. für diese region von marokko ist april nicht die richtige reisezeit, schon gar nicht mit dem rad. die meisten radfahrerInnen sind im februar unterwegs und das aus gutem grund. wir haben das gelöst, indem wir um halb6 aufgestanden sind, geradelt sind bis 10 oder halb11, dann pause im schatten bis mindestens halb6 und dann ev. noch ein bisschen fahren. belohnt wurden wir mit einer fantastischen, spektakulären landschaft und fast leeren, aber erstaunlich gut asphaltierten straßen.

foum-zguid

die dörfer und ortschaften, durch die wir gekommen sind, waren klein und ländlich. auffallend war, dass es in den etwas wohlhabenderen orten einen trend gibt aus den alten lehmhäusern auszuziehen und in betonhäuser umzuziehen. und in den lokalen bzw. auf der straße nach einbruch der dunkelheit sieht man praktisch keine frauen. das ist natürlich wenn man ein wenig nachdenkt nicht sehr überraschend. ich hab aber festgestellt, dass das für mich durchaus ungewohnt war immer wieder die eizige frau zu sein. ich hab aber überall tee oder etwas zu essen bekommen. nachdem das thermometer täglich deutlich über die 40 grad hinausgeklettert ist haben wir in tata beschlossen wieder einmal in den bus zu steigen und uns noch ein bisschen die atlantikküste anzusehen.

agadir-essaouira

eines der überraschendste erlebnisse hatten wir kurz nach agadir. die atlantikküste ist in dieser region sehr touristisch und die strände sind bevölkert mit deutschen und französischen rentnerInnen. darum haben wir nicht schlecht gestaunt, als wir ausgerechnet hier die erfahrung gemacht haben in einem lokal nicht bedient zu werden. vermutlich lag es am zwar sauberen, aber leicht ramponierten gewand. die freundliche wache am parkplatz hat uns dann verraten wo wir gut und günstig essen können.

meer

die nächste woche sind wir zum großteil im hinterland herumgeradelt. das hat uns, nicht nur auf grund der hügel, ziemlich ans waldviertel erinnert. die touristInnen halten sich lustigerweise tatsächlich nur an den stränden auf. unterwegs haben wir dann hassan getroffen.

hassan_taouline

hassan kam aus taoulin und war auf der suche nach arbeit. zu hause hatte er frau und drei kinder und von beruf war er schlosser. er hat ein ganzes weilchen gedauert bis wir diese infos beisammen hatten, denn er sprach fast nicht französisch und wir gar nicht arabisch. man muss dazusagen, hassan war gleich schnell wie wir unterwegs, mit einem deutlich simpleren rad. allerdings hatte er auch leichteres gepäck. ein schlafsack, ein gebetsteppich, eine wasserflasche. das beeindruckendste war aber, dass er mit einem blütenweißen hemd unterwegs war. wie er das geschafft hat, bei dem verkehr, ist uns bis heute schleierhaft.

ungefähr auf halber strecke zwischen agadir und essaouire, in tamanar, wollten wir auf den campingplatz oder ein zimmer nehmen. gab es aber beides nicht, obwohl tamanar immerhin 10.000 einwohner und einen großen markt hat. wir sind also weitergeradelt und haben beschlossen wieder an die küste zu fahren, weil es dort eher eine unterkunft gibt. nach vielen, vielen hügeln sind wir auf einer schotterpiste gelandet. rundum landwirtschaft, eben wie im waldviertel, aber alles von hand bearbeitet. wirklich alles. kein traktor weit und breit. vor einem der kleinen steinhäuser hat uns eine frau aufgehalten, weil sie kleidung für ihren kleinen sohn gebraucht hat. hatten wir nicht, aber mit dem kilo datteln aus dem draatal konnten wir ihr echt eine freude machen. man stelle sich also unsere überraschung vor, als wir in dieser umgebung auf einmal in einer schicken absteige mit loungemusik landen, wo frauen aus der schweiz auf der terasse yoga machen und uns der kellner valentin aus wien einen spritzer anbietet. die unterkunft war so schick, das wir uns eh kein zimmer leisten konnten, aber wir haben am strand gezeltet (zumindest bis uns der sturm das zelt ruiniert hat) und die duschen mitbenutzt. auch nicht schlecht.

l'ane vert_1

von dort gings nach essaouira und dann mit dem bus zurück nach marrakesch. und hastduesnichtgesehen saßen wir schon wieder im flieger nach wien.

das war sie also, die kurzfassung der marokkanischen geschichte.

baba und bis zum nächsten mal, meine liebe,

deine kati

 

 

in die berg‘ bin i gern

liebe hanna,

jaja, öffentlicher transport und seine konsequenzen sind immer wieder eine geschichte wert. drum haben hp und ich uns im vorfeld auch ordentlich sorgen gemacht, wie das wohl gehen wird, mit dem räder im bus mitnehmen. freundin N. war vor wenigen jahren in marrokko und hatte lustige schwänke vom  busfahren zu erzählen. vom gebuchten 1. klasse bus, der sich dann als altes beinahe-wrack mit offenem motor herausgestellt hat. vom gedränge beim einsteigen (ellbogen einsetzen!), und wie sie sich ohne rücksicht auf verluste über zwei sitze geworfen hat während der partner das gepäck versorget hat. dass dreimal abkassiert wurde und man überhaupt aufpassen muss, dass man nicht übers ohr gehaut wird. es war mir ehrlich gesagt schleierhaft wie es funktionieren soll, dass hp 2 fahrräder, 8 fahradtaschen und 1 zelt allein im gepäckraum verstaut während ich um sitzplätze kämpfe. also sind wir am tag vor unserer abfahrt zum ctm-bahnhof (busbahnhof) gedackelt und haben tickets gekauft und die lage gepeilt. überrascht haben wir festgestellt, dass alles busse am parkplatz gleich aussehen und von wrack keine spur. die waren deutlich schnittiger als, sagen wir mal, die schienenersatzbusse die ich letzten sommer mal wieder in niederösterreich genossen hab. es gab einen fixen fahrplan, die tickets konnten wir gleich mitnehmen und die räder und taschen sollten wir bitte morgen eine halbe stunde vor abfahrt beim gepäck check-in abgeben. wir, verdattert, echt jetzt? gepäck check-in? in wien gibts das nicht. pedale runter, lenker quer? nein, nein, alles kein problem. einfach abgeben. jedes gepäckstück bekommt ein pickerl, ihr die nummer. wir kommen uns vor wie am flughafen. spätestens da hätte uns klar sein müssen, dass das ganze system jetzt neu und durchorganisiert ist.

wir aber, man ist ja informiert, sind trotz allem am nächsten tag wie auf nadeln im warteraum gesessen. und wie unser bus angesagt wurde sind wir zur tür gestürmt (ellbogen!) und haben geschaut, drängel drängel, dass wir unter den ersten im bus sind. hab ich schon erwähnt dass alle anderen leute ganz entspannt waren? wahrscheinlich unnötig zu erzählen, dass wir im bus draufgekommen sind, auf den tickets stehen platznummern. etwas beschämt haben wir unsere plätze eingenommen und versucht uns in der folgenden viertel stunde bis zur abfahrt möglichst unauffällig zu verhalten.

hp und ich hatten von anfang an den plan von marrakesch aus den hohen atlas mit dem bus zu überqueren und erst im süden wirdklich mit dem radeln loszulegen. sonderlich trainiert sind wir nicht, und diese menge an höhenmetern hat uns dann doch abgeschreckt.

so viele unterschiedliche landschaften in einer busfahrt haben wir davor noch nicht erlebt. auf der nordseite viel fruchtbares land und, je weiter wir nach oben gekommen sind, berglandschaften die dann doch irgendwie an zu hause erinnern. auf der südseite wird es dann deutlich karger und es erinnert eigentlich gar nichts an zu hause. in einem bergdorf kurz nach dem pass gab es eine halbe stunde pause. außer uns war noch ein anderes weißes touristenpaar in dem bus. die beiden hatten mehr oder weniger lautstarke diskussionen auf katalanisch. möglicherweise auch deshalb, weil der mann während der ersten hälfte der busfahrt einen halben liter schnaps vernichtet hat. erstaunlich in vielerlei hinsicht. kurvige straße, nur schnaps und kein wasser, die beiden mindestens in ihren 70ern(!) und last, but not least, schnaps in marokko? wo haben sie den denn her?

in dem dorf in den bergen war gerade markttag und es hat sich uns ein bild gezeigt, dass sich auf unserer reise noch oft wiederholen sollte. viel gewusel, viele waren am boden. dubiose formen des tiertransports, männer in cafes direkt neben dem fleischer und wenige frauen auf der straße. wir wurden zum teil neugierig, aber nicht unfreundlich gemustert. wieder haben wir versucht unauffällig auszusehen, aber aufgefallen sind wir trotzdem wie die bunten hunde. zumindest hat es sich so angefühlt.

hoher atlas bus

ursprünglich wollten wir ab ourzazate losrollen, haben uns dann aber doch für eine weiterfahrt bis agdz entschieden. guter plan! auslöser war wieder einmal meine (unbegründete) angst vor dem verkehr. in der realität war zwischen ourzazate und agdz kaum verkehr, dafür eine wirklich reizlose steinwüste, sonne die gnadenlos vom himmel knüppelt und weit und breit kein schatten. hp und mir ist dezent das herz in die hose gesunken. hm, auf fotos hat das alles sehr spannend ausgeschaut, aber im echten leben kommt die landschaft ein bisserl bedrohlich rüber, so aus radfahrerInnensicht.

agdz jedoch ist eine charmante kleinstadt auf 940m seehöhe. wie großarl, sagt hp. wahrscheinlich ist es eine unsitte alles nach „wie zu hause“ und „nicht wie zu hause“ zu unterscheiden. aber was soll ich sagen, drei wochen marokko machen noch keine kosmopolitInnen aus uns, soviel ist mal fix. zumindest weiß ich, welche brille auf meiner nase sitzt, das ist ja auch schon was wert, oder?

a propos kosmopolitInnen: in agdz haben wir einen marrokaner getroffen, der in deutschland gearbeitet hat und deutsche, die seit 40 jahren marokko bereisen, aber davon mehr das nächste mal.

bussi und bis bald, deine kati

 

i give you very good price

liebe hanna,

ja, ja, die „das sollt was g’scheids werden- falle“. bei mir hat es diese woche auch ein bissel gedauert, weil ich hab mir gedacht, super, packliste, da hab ich mal was echt nützliches beizusteuern. nur leider tippt die sich nicht von selber ins exel und hps und meine papier-rumstreich-version ist echt nicht blog-tauglich. also bleib ich beim plan a, lass das flugzeug aber aus (langweilig) und lande direkt bei unserem ersten tag in marrakesch. für jemanden, der noch nie wirklich weg war ist das schon saucool und gleichzeitg sauüberfordernd. und intensive lektüre über „landesübliche sitten“ ist nur bedingt hilfreich, das kann ich dir sagen. (ich frag mich ja, was man so liest wenn man sich über die landesüblichen sitten in österreich einliest…und ob touristen von mir wohl landestypische raktionen zu erwarten haben, a la, die wiener sind ja sowas von grantig…) wie auch immer, ich hab gelesen man möge sich als frau, gerade als radreisende dezent geben, langärmlig, kopfbedeckung ist auch nicht schlecht, und direkter augenkontakt mit männern sei zu vermeiden. nachdem ich aber diejenige von uns beiden bin die französich spricht und, wenig überreaschend, keiner von uns arabisch oder berber, war klar, dass ich, dezent im vordergrund, den löwenanteil der konversation übernehmen würde.

aus dem flughafen raus, gleich verfahren, eh klar. nach dreimal hin und her, dem ersten (und garantiert nicht letzten) versagen des gps-geräts und ratlosem umhertaumeln kommt uns ein älterer herr entgegen. hp: den frag ma jetzt. ich: voll gehemmt. frag ich den? und wenn ja, schau ich ihn dann nicht an? ist das nicht voll komisch? oder redet hp ihn an und ich frag? grübelgrübel, schwitzschwitz. im endeffekt hab ich höchst nervös etwas dahergestottert und der herr hat freundlich und entspannt auskunft gegeben und war null überrascht, dass ich ihn anrede.

entspannung setzt ein, wir sind im grunde ja sowieso alle menschen und gar nicht so verschieden, oder? also reingeradelt in die medina, verkehr ist volle anders aber irgendwie auch volle lustig und wir finden in der überfüllten, verwinkelten altstatt sogar auf anhieb unser hotel. obwohl es winzig, und unser zimmer noch winziger ist, dürfen wir nach etwas verhandeln sogar unsere räder parken.

es ist früher abend, wir stromern durch die gassen, kaufen keine uhr, keine wertkarte, kein bild, keinen armreifen, lassen uns nicht wiegen und checken uns was zum abendessen. unterm strich sind wir sehr zufrieden und finden, dass wir uns echt super schlagen und, hey, ur souverän, dafür dass wir keinen tau von irgendwas haben.

es wird finster und wir machen uns quer über den djemaa el fna auf den heimweg. geschickt weichen wir fliegenden händlern und schlagenbeschwörern aus, als urplötzlich von rechts jemand meine hand schnappt, und hastduesnichtgesehen, anfängt eben diese mit henna zu bemalen. no merci! ruf ich, und will meine hand zurück ziehen, aber, wow, die frau hat einen festen griff und während sie flink weiterzeichnet kommt ein ganzer redeschwall. i like you, you are very sympatic, you give me what ever you want, you don’t have to pay, you are very sympatic, this ist symbol for good luck, this ist for good sex with your husband, what’s your name, i give you very good price. in den folgenden drei minuten passieren sehr viele dinge gleichzeitig. ich hab versucht meine hand wiederzubekommen, worauf eine zweite frau hinzugezogen wurde, hp hat versucht einen preis auszuverhandeln, was zu einem wilden schlagabtausch geführt hat. die münzen, die hp hervorgekramt hat wurden entrüstet zurückgewiesen, this is berbermoney! i don’t take berbermoney!, mein einwand, you said we pay what we want??, schnaubend vom tisch gewischt, normaly you pay 400 dirham (40 euro), you give me at least 200! i give you very good price!!!
es wurden dann noch ein obsthändler in die diskussion mit einbezogen und schließlich ist hp bei 5 euro gelandet und die beiden frauen haben sich mit einem finalen, you are not a good man!!, verabschiedet. ich war ziemlich perplex und stolz auf hp, echt wacker geschlagen. dann bin ich wie der pfitschipfeil ins hotel gesaust um den hennagatsch wieder abzuwaschen, denn in wirklichkeit war ich gar nicht scharf auf ein hennatatoo. das ergebnis war tiefschwarz. nach dem waschen. und ich hab mir nur gedacht, ganz, ganz toll. wir fahren jetzt dann fast drei wochen durch die pampa und ich hab quasi, metaphorisch gesprochen, ein schild um auf dem steht, ich bin ein doofer tourist der sich nicht abgrenzen kann. na super.

drum bin ich auch am nächsten tag in die apotheke gejappelt und hab gefragt ob sie eventuell etwas zum abschminken hätten. die junge frau hat sich fast scheckig gelacht. abschminken, muhahah, nein, nein. einfach zwei bis drei wochen warten. sonne hilft.
sonne hilft tatsächlich. nachdem wir fast ausschließlich im freien waren war das ding nach einer woche weg. die moral von der geschichte? it’s hard to make a living in marrakesh. ich hab da jobs gesehen (schattenmacher! leuteabwieger!), ich wusste gar nicht dass es die gibt. und: tourismus hat auswirkungen – deal with it. ich hab immerhin die möglichkeit einen spritzig-selbstironischen blogpost daraus zu basteln. fünf euro – very good price.

alles liebe, dein lesterschwein

p.s. ich hab tatsächlich etwas gefunden über landesübliche sitten in österreich. oida?!? das hätte ich lesen sollen bevor wir weggefahren sind. dann hätte ich das gleich alles nicht so ernst genommen…

erstens kommt es anders…

liebe hanna,

du schreibst der vorteil vom nicht mehr ganz so jungen reisen ist, dass man sich durch „weise voraussicht“ möglicherweise die eine oder andere unannehmlichkeit erspart. ich muss ganz ehrlich sagen, das kann ich so leider nicht bestätigen. ich hab versucht alles mögliche vorauszusehen, gekommen ist es dann völlig anders. im vorfeld der reise hab ich mich mit einigen dingen intensiv beschäftigt um meinen drei hauptsorgen zu begegnen die da waren:

  • hoffentlich sind die radeln noch ganz wenn wir ankommen!
  • hoffentlich verirren wir uns nicht!
  • hoffentlich kommen wir im beinharten marrokanischen straßenverkehr nicht unter die räder!

hp und ich haben also stundenlang diverse rad-flug-verpackungsmethoden studiert und festgestellt, dass es eine unmenge tipps, anregungen und vor allem youtube-videos zu dem thema gibt. im endeffekt haben wir die räder am hinflug in plastik und am rückflug gar nicht verpackt. pedale runter, lenker quer, passt schon. alles überhaupt kein probelm, den aufwand kann man sich echt sparen.

fahrad in plastikfolie

damit wir uns nicht verirren, hat hp ein nicht grad billiges gps-gerät gekauft, und ich hab intensiv base camp, das zugehörige programm gelernt. und das ist nicht selbsterklärend, das sag ich dir. auch hier wieder, youtube mein freund. ich bin sogar mit dem bubenkind mit dem gerät in der hand quer durch die stadt gelatscht um mich damit vertraut zu machen. dabei hab ich gelernt, dass ein gps-gerät in bebautem gebiet für A und F ist. aber auch das – im grunde sinnlos. bei überlandfahrten im südlichen marroko ist es praktisch unmöglich eine abzweigung zu verpassen. nur die hauptstraßen sind asphaltiert, ansonsten gibt es pisten. wir wussten also immer, solange asphalt unter unseren rädern ist sind wir richtig. außerdem sind die straßen zum teil viel besser ausgeschildert und mit wegsteinen versehen als, sagen wir mal zum beispiel im waldviertel.

Achtung Kamele, Esel, Ziegen

um dem argen marrokanischen verkehr auszuweichen haben hp und ich eine route ausgetüftelt die durch relativ wenig besiedeltes gebiet führt. wir sind mit dem bus bis agdz gefahren um von dort durch das bergland über bou azzer nach foum-zguid zu radeln. nachdem die straße von agdz nach zagora eine fette bundesstraße ist wollten wir die ürsprünglich nicht fahren, weil wir mit anstrengendem, unberechenbaren verkehr gerechnet haben. in wirklichkeit waren am land die straßen so wenig befahren, dass hp und ich die meiste zeit nebeneinander gefahren sind, wie am donauradweg. das hauptverkehrsmittel in der gegend sind esel, oder man geht zu fuß. selbst in marrakesch, wo schon viel verkehr ist, fahren alle relativ vorausschauend, auch wenn, oder vielleicht gerade weil ampeln, straßenmarkierungen und vorrangregeln nicht unbedingt gelten. ich sage dir, lesterschwein, mit dem rad in wien über die äußere mariahilferstraße zu düsen, mit diesem lächerlichen fahrradstreifen, ist dreimal stressiger als in marokko mit vollem gepäck zu fahren. und dem kasperl, der sich irgendwann den saublöden slogan „wien darf nicht chicago werden“ einfallen hat lassen kann ich nur sagen „marrakesch darf nicht wien werden“. zumindest nicht rudolfsheim-fünfhaus.

Tansikhte

auf der anderen seite: sorgen die völlig berechtigt gewesen wären, und die ich mir überhaupt nicht gemacht hab, wären da gewesen:

  • hoffentlich macht uns die hitze nicht völlig meier!
  • hoffentlich pack ich das mit den preisverhandlungen!
  • hoffentlich krieg ich nicht voll heimweh!

würd ich mich also nochmal auf die reise vorbereiten, tät ich erstens im februar fahren, nicht im april (ja, ja, das hat einen sinn warum die anderen radreisenden alle im februar unterwegs sind), zweitens tät ich jeden samstag auf den wiener flohmarkt gehen (verhandeln, eh scho wissen) und drittens, tja,…wie bereitet man sich wohl auf heimweh vor…?

so, liebes lesterschwein, soviel zu den vorbereitungen. beim nächsten blogpost sitz ich dann mental mindestens schon im flieger, schwöre!

alles liebe, deine lesterschwester