konsequent inkonsequent

allerliebstes lesterschwein,

hurra, we are back!! jaaaa, dattelküchlein! danke für die verkostung in den gefilden unserer foodcoop, dazu einen infinite soy latte from heaven, es war mir, echt, ein volksfest. und ich sag’s gleich, das wird jetzt länger, weil die lange blog-abstinenz anscheinend einen wort-stau gebildet hat, der jetzt erstmal rausmuss.

also!

das von dir beschriebene mit-ohne und von-da ist ein famoser grund, sich wieder gemeinsam dem essens- und ernährungsthema zu widmen. wobei so fastenzeiten (zB 40 tage ohne industriezucker und weißmehl – „scheiß lifestylekatholizismus“, wie K. meint) ja immer auch die frage aufwerfen: wie „streng“ will man das denn machen? sind das ganze 40 tage oder sind sonntage ausgenommen – kann man sich die dann beliebig aufsparen und als joker einsetzen oder wird nur am sonntag gevöllert? gilt dann honig als zuckerersatz, oder spießt sich das mit dem vegan-vorsatz? darf man bananen kaufen, wenn man eigentlich regionaler konsumieren will? und vor wem, zum geier, muss man sich überhaupt rechtfertigen?

vor sich selbst, hauptsächlich, eh. wobei man sich bei neuen vorsätzen ja gerne vornimmt, das total konsequent und jetzt-aber-wirklich durchzuziehen. das mit der konsequenz ist jedoch ein schmaler grad – zu viel davon, und man gelangt schnurstracks bei dogmen („alle omnis sind mörder!“), sekten und anderen abwegen, schließt sich einer glaubensgemeinschaft an, die „world peace“ im namen trägt, und lässt sich dort mit güldenem krönchen am kopf das gottgegebene sturmgewehr segnen, um sich gegen psychopathen zu verteidigen (oh, the irony). am anderen ende der fahnenstange lauert das „glawischen“, ein neologismus für jemanden, der/die jahrelang gegen böse machenschaften (zB glücksspielkonzerne) rittert, nur um dann nach dem politik-abgang bei einem von ebenjenen zu landen, um nachhaltigkeit zu managen. kannste nicht erfinden, das leben ist die beste satire per se, deshalb kopiert selbst dietagespresse den original-APA-text.

wo war ich?

ach ja, konsequenz. nicht alles, was hinkt, ist ein vergleich, und hier gehts ja nicht um politik, aber offensichtlich kann man es sowohl mit der konsequenz als auch der inkonsequenz übertreiben, daher halte ich es mit moderat-konsequenter inkonsequenz, oder wie ich es auf instagram zusammengefasst habe, damit mich die vegan-follower nicht beim nächsten ziegenkäste-post wieder lynchen: „mostly sugarfree. mostly vegan. 100% lesterschwein.“ 

also darf bei mir auch mal eine banane in den obstkorb (aber keine himbeeren aus peru, weil die gibt’s bei uns ja eh, nur halt zu einer anderen saison). ich versuche exotik-waren nach möglichkeit bio und fairtrade zu bekommen (kakao aus dem weltladen, trockenfrüchte aus der maßgreißlerei oder bezug über sozialprojekte wie bei den trockenmangos aus burkina faso und adoptierten datteln). manchmal gibt’s auch gröbere aussetzer (gestern hab ich vor lauter relativ unbegründetem selbstmitleid eine halbe zotter-schoko verdrückt) – well, that’s life. mich triggern halt vor allem belohnungssituationen… aber alles in allem hab ich den weißmehl-/zucker-konsum trotzdem enorm reduziert, obst- & gemüserationen sind in die höhe geschnellt und zwei ziemlich leiwande effekte festgestellt: einerseits eine sofortige, deutliche verbesserung der verdauung (das thema kommt einfach immer wieder, vom legendären flatus-referat anno 1998 über darmblogs bis zu nerdig-reizvollen vorträgen). und andererseits VIEL MEHR LUST auf kochen, entdecken, probieren, spielen, genießen!

lesterschweine_obst_gemuese_vegan

und das ganz wieder bloggend, testend, experimentierend und teilend gemeinsam zu erforschen, find ich extrem famos. daher hier meine drei aktuellen fo-küsse nach deinem vorbild zusammengefasst:

  • vegan, soweit möglich – d.h., viel selber kochen, fokus auf GEMÜSE! und alle formen von hülsenfrüchten (linsen, bohnen, kichererbsen), dazu ÖBSTER! und keimlinge (kresse, mungobohnen), ergänzt durch tofu / seitan / lupinen zwischendurch, mit verschiedenen reinen nuss…mus…äh…n? (muse? MUSEN? müsen? müses? MÜSSEN? ;-) jedenfalls: mandel, erdnuss, sesam) zum pimpen. folglich meistens eigene jause und mittagessen ins büro mitnehmen, bei anlässen mit kaffeebezug sicherheitshalber ein packerl pflanzenmilch mitnehmen, im restaurant soy-/oat-latte oder auch mal eine frühstücksbowl mit pflanzenmilch statt kuhjoghurt bestellen, geht meistens. bei sozialen zusammenkünften, v.a. am land (käääärntähn), auch mal ausnahmen richtung vegetarisch. alsan find ich übrigens mittlerweile blöd (palm ehschowissen), also koch ich hauptsächlich mit verschiedenen ölen (sonnenblume, olive, kürbiskern).
  • kein weißmehl, stattdessen (dinkel)vollkornmehl, vollkorngriess, haferflocken, gepoppter amaranth, quinoaflakes, naturreis & co. also wiederum einfach viel selber kochen, für die ein oder andere geburtstagssause einfach selber einen vollkorn-kuchen mitbringen (da hat sich noch keine gastgeberin beschwert…). dazu tgl. ballaststoffe in form von geschroteten leinsamen.
  • kein industriezucker, soweit möglich –  für müsli & co stattdessen regionalen bio-honig, für pancakes oder kuchen verschiedene apfelmus-varianten, für die selbstgemachte schokolade kleine mengen agavendicksaft. als energieboost dazwischen trockenfrüchte (rosinen, datteln, feigen, zwetschken, mangos) oder rohkostriegel.

zum experimentiren und entdecken kommt natürlich eine diebische freude, wenn man mit dem zuckerlosen vollkorn-schoko-kuchen bei einer party antanzt und die runde beim verkosten verstellt, dass der ja gar nicht „ökig“ oder staubig schmeckt, sondern dann eigentlich bis auf 1 stück ratzfatz weggemampft wurde ;-) hier das rezept frei nach mrs. flury, jedoch mit weniger kakao und weniger süßungsmittel sowie billigeren zutaten (simples mehl, backöl statt kokosöl, hafermilch statt mandel, etc.) und haselnüssen statt mandeln, weil ich den eigengeschmack gerösteter haselnüsse so gern mag :-)

lesterschweine_schokokuchen_zuckerfrei

schokokuchen mit schokoglasur, zuckerfrei

100g vollkornmehl
50g gemahlene haselnüsse (oder andere nüsse)
30g kakao (der stark entölte bio-fairtrade aus dem EZA-weltladen ist sehr nice)
1-2 TL backpulver
prise salz
120-150ml hafermilch (oder sonstige pflanzenmilch)
100g apfelmus
70g honig (hat etwas eigengeschmack – sonst reis-/agaven-/sonstigen sirup)
70g öl

glasur = ca. 1/3 von dieser DIY-schokolade

  1. haselnüsse in einer beschichteten pfanne kurz ohne fett anrösten, dann mit allen trockenen zutaten mischen.
  2. feuchte zutaten mischen (optional milch etwas anwärmen damit sich zB der honig auflöst), unter die trockenen rühren. in eine gefettete, gemehlte springform leeren.
  3. im vorgeheizten backrohr auf 180° ca. 30 min. backen. abkühlen lassen, optional glasieren.

apropos wegmampfen: kürzlich hab ich heißhungrig im „vegan for fit“ geblättert und beim überfliegen der markierten rezepte festgstellt, dass die zucchini-carbonara mit erstaunlich wenig aufwand auskommt. tatsächlich ist das ein wahnwitzig schnelles essen ohne bös-kram (sogar das bio-mandelmus ist aus der EU, wenigstens keine pestizidversuchten, wasservernichtenden kalifornischen bienentöter im besitz von investmentbankern). daher hier eine vereinfachte und leicht modifizierte version nach attila hildmann.

übrigens, mit einer kleinen zucchini werd ich supersatt, laut originalrezept braucht man 500g pro person (!), up to you… das mandelmus ist außerdem extrem reichhaltig (besteht schließlich zur hälfte aus fett), kann man auch etwas reduzieren, find ich.

lesterschweine_zucchini_carbonara_vegan

carbonara vegana
(für 1 person)

1 zucchini (ca. 200g)
1 kl. zwiebel
2 knoblauchzehen
1/4 ziegel räuchertofu (ca. 5cm)
2 EL mandelmus weiß (ca. 30g)
150ml wasser
eine handvoll petersilie
etwas olivenöl
viel schwarzer pfeffer, frisch gemahlen
salz
optional etwas geriebene zitronenschale

  1. die rohe zucchini mit einem spiralschneider in dünne spaghetti schneiden, reste fein würfeln
  2. zwiebel und knoblauch fein schnippeln, räuchertofu würfeln, petersilie waschen und hacken.
  3. mandelmus mit einem schneebesen mit dem wasser verrühren. salz, pfeffer, petersilie, zitronenzeste dazu.
  4. olivenöl in einer pfanne erhitzen, räuchertofu knusprig braten. zwiebel/knoblauch mitbraten bis sie schön bräunlich geröstet sind. die mandelmus-carbonara-soße darüberleeren, hitze reduzieren, kurz eindicken lassen (geht voll schnell!). zucchini unterheben, kurz mitbraten und pfanne vom herd nehmen.
  5. pasta anrichten, mit petersilie garnieren und wegmampfen.

puh, sodalla! endlich wieder schreiben, das macht freude!! danke auch nochmal für’s feine spazieren, plaudern, pralinen verkosten & rote-rübe-humms-verjausnen heute, und bis bald :-)

bussi,
dein schwesterlein

niemals mit ohne mein lesterschwein

liebe hanna,

huhu. huuuhuuuu. da bin ich wieder:-)

vor ziemlich genau drei jahren hab ich veganblogmäßig, leicht entnervt von meiner eigenen unentschlossenheit, das handtuch geworfen. ich hab mir einfach gedacht, dass ich nicht mehr vegan genug für einen veganblog bin. grad hab ich mir meinen abschiedspost durchgelesen (also, hüstel, den einen abschiedspost, da gar es ja mehrere…) und was da steht stimmt heute noch genauso. ich hab es in den letzten drei jahren auch mehrfach überprüft. ich find ersatzprodukte noch immer zum größten teil gaga, ich mag noch immer kein palmöl essen und schnitzel liegen mir noch immer im magen, auch wenn ich das dazwischen einige zeit nicht so recht wahrhaben wollte. es gibt einfach kein zurück. wenn man sich eine zeitlang damit befasst hat, was in einem schlachthof so abgeht, dann wird man das unbehagen beim 08/15 fleisch einfach nicht mehr los. und dass das supermarkt-bio eine einzige verarsche ist, kann ich auch nicht mehr vergessen. ich geb aber zu, dass es, so kathegorisierungsmäßig, dann doch etwas über das ziel hinausschießt, wenn HP sagt, „he hanna, wir leben wieder vegan, außer das fleisch aus der foodcoop, das essen wir.“ also ich korrigiere, wir leben weiterhin nicht vegan, aber vegan…-ish. haha. und in letzter zeit haben sich zwei neue fokusse herauskristallisiert. (ja echt, fokusse, nicht foken oder foki – obwohl, ich fänd foküsse ja cooler) einerseits „mit ohne“ und andererseits „von da“. es gibt also wieder etwas zu erzählen.

mit ohne

was als gesund gilt, da gehen die meinung ja sehr weit auseinander. wir können ein lied davon singen, was einem alles an mangelerscheinungen, unterernährtheit und überhaupt ganz allgemeiner lustfeindlichkeit unterstellt wird, wenn man vegan isst. aber auch sonst gibt es ein breites spektrum an ansichten, was denn nun gesund sei. die einen meinen, gekocht ist ganz übel, die anderen sagen roh ist blöd. wie ich in der energiewoche mit den kindern bei der tant‘ schifahren war, hat die mir im brustton der überzeugung erklärt, dass die kinder von milch zum frühstück wesentlich mehr haben als von tee. am kindergruppenplenum wiederum hätte ein solcher sager ziemliche empörung ausgelöst, zumindest beim einen teil der eltern. der andere teil hätte wahrscheinlich zugestimmt. es bleibt einem nichts anderes übrig, als selbst ausprobieren was einem gut tut und was nicht. auf jeden fall ist mir das thema gesunde ernährung zeit meines lebens immer wieder begegnet, beginnend mit der ersten körndlphase unserer mutter in den späten 80ern.
aber das einzige, was sich immer, also wirklich bei allen durchzieht, ist die meinung, dass weißer industriezucker und weißes industriemehl nicht gut für uns sind. auch hier gilt, wie wahrscheinlich bei allem, die menge macht das gift. aber nachdem ich nach dem letzten advent zuckermäßig in einem ausmaß hochdosiert war, wie das letzte mal in meinen frühen 20ern, war es jetzt an der zeit, mich einmal mit alternativen zu befassen. und darum koche und backe ich zur zeit „mit ohne“ industriezucker und weizenmehl.

abgesehen davon, versuche ich noch immer mit wechselndem erfolg (weil wechselnder konsequenz) eher dinge „von da“ zu verwenden, als solche die von urweit her kommen. gerade bei schokoladigen süßkram gestaltet sich das aber gar nicht so leicht. drum ist der fokus für heute mal auf „mit ohne“.

schokokuchen?

kürzlich hatte ich das bedürfnis nach schoko und süss, außerdem war besuch angesagt, also hab ich gesucht und auf einem foodblog, derer gibt es ja zum glück viele, ein rezept für einen zuckerfreien schokokuchen gefunden. der war in vielerlei hinsicht gelungen. der spielfreund hat analysiert „gute kakaomenge, sehr flaumig, gerade richtig nussig, aber echt zu unsüss“. die kinder nannten es verächtlich „schokobrot“ und rollten die augen ob unseres neuen trips. das hat sie allerdings nicht daran gehindert, das ding in einem schwachen moment zwei tage später ratzefatze zusammenzufressen.

ich hab mich heute nochmal hingestellt, und bin das ganze in etwas abgewandelter (und veganisierter) form angegangen.

datteliger weizenfreier schokokuchen

1/2 tasse haselnüsse
1 tasse haferflocken
1 tasse buchweizenmehl
3 el kakao
1/2 tl salz
1/2 pkg backpulver
500g getrocknete datteln
1/2 tasse apfelmus
1/2 tasse sojaghurt
1/4 tasse wasser
1/4 tasse öl
1 el essig

die haselnüsse und die hafelflocken anrösten und mahlen. ich mach das in einer alten elektrischen kaffeemühle. sonst kann man auch gemahlene haselnüsse verwenden und die haferflocken durch die getreidemühle jagen oder einfach im ganzen verwenden.
die trockenen zutaten vermischen, die nassen zutaten mit den entkernten datteln pürieren. alles zusammenmischen und entweder in eine kuchenform füllen oder in kleine förmchen. ich hab die kleinen förmchen genommen, es sind sich 6 ausgegangen. bei 180 grad für 15 (noch ganz leicht cremig) bis 20 minuten backen. wer verwegen ist, kann den teig auch ohne backpulver und essig zusammenrühren und das dem geneigten publikum als schokocreme vorsetzen. grad kinder mögen ja oft den rohen teig lieber als den gebackenen kuchen, und das ist in diesem fall, alles pflanzlich und so, ja bedenkenlos möglich.

dattelkuchen

hat ein bissel gedauert bis mir eingefallen ist, was ich so an zutaten brauch. ich bin fast nicht mit dem fotographieren nachgekommen…

mit der dattelmenge kann man auf jeden fall experimentieren. in diesem fall entspricht ein küchlein drei datteln. mir reicht aber ein halbes kuchendings vollauf. praktischerweise muss man auch gar nichts ausschmieren. ohne mehl klebt da offenbar gar nix an.

dattel ist ja nicht gleich dattel. und ürsprünglich wollte ich irgendwelche heimischen trockenfrüchte verwenden, da bin ich aber auf die schnelle nicht fündig geworden. bloß weil rund um uns nichts als weinstöcke sind, heißt das noch lange nicht, dass man so ohne weiteres an heimische rosinen rankommt. also hab ich beim asialaden meines vertrauens zugeschlagen. das war gleich mehrfach ein erlebnis. erstens sind die datteln wirklich geil und total cremig, ganz anders als die die ich sonst so kenne. zweitens find ich es sympatisch, dass sich die im laden gar nicht scheißen, und die datteln einfach über dem tiefkühler stehen haben, wahrscheinlich der wärmste platz im ganzen shop, obwohl auf der packung steht bis maximal 4 grad lagern. und drittens fand ich es unglaublich, dass auf der packung steht 700g +/- 50g, und ich tatsächlich ein gutes kilo in der schachtel hatte. gekostet hat mich das zwei euro, weil die im geschäft zuviel bestellt haben und jetzt radikal abverkaufen um das zeug loszuwerden bevor es vergammelt.

datteln

links die cremedattel, rechts das was man sonst so findet

drum war der kuchen auch eingermaßen leistbar, obwohl diese art von süsskram ja nichts für schmale geldbörsen ist. aber andererseits back ich dann vielleicht einfach seltener und weniger, aber dafür dann was g’scheit’s. das ist ja auch kein fehler.

jetzt bin ich aber echt gespannt was sich bei dir so tut, im „mit ohne“ sektor und überhaupt. und außerdem wollt ich dich fragen, ob du vielleicht lust hast dieser tage mal vorbeizukommen und ein küchlein zu kosten? ich versteck eines vor den kindern, dann hält es auch ein paar tage :-)

bussi und bis bald,

deine kati