gut gegen alles

liebe lesterschwester,

find ich ja äußerst passend dass du deine „one does not simply“ entgegnung mit „gut gegen orks“ getitelt hast, wo ich zu diesem zeitpunkt gerade erst „gut gegen mölzer“ ausgelesen hatte – dem schaurig-schönen streitgespräch mit rechts-außen des SOS mitmensch sprechers alexander pollak. schaurig, weil der rechte chefideologe mit gesellschaftspolitischem nonsense durch die gassen dampft, dass es nur so raucht. schön, weil alexander erstens den mut hatte, sich auf die one-on-one konfrontation einzulassen, und andererseits nie die contenance verliert.

gut gegen mölzer

das gespräch hat mich fatal an eine textzeile der von W. & mir so hochgeschätzten deutschen hip hop connaisseure kinderzimmer productions aus „twoinonetwo“ erinnert:

ich nehm euch nur auf tape auf
ihr disst euch von alleine

dazu ist seit nun auch die dazugehörige buchrezension meiner wenigkeit am österreichischen politik- & wahljournal neuwal.com online gegangen – dank facebook-vermittlung via herrn D.

bei der autorinnen-vorstellung meiner selbst (im team-bereich ganz unten) hab ich ziemlich lang überlegt ob ich unseren blog reinnehmen soll, hab mich dann aber dafür entschieden – weil ja auch publizistische tätigkeit! noch dazu in mengen ;-)

unser CSA-artikel ist auch schon fertig, höchst erfreulich wenn auch in selbstorganisierten strukturen manche dinge erstaunlich schnell gehen – inklusive einer ordentlichen portion wertschätzung für persönliches engagement, ob auf autorinnen-seite oder in der rolle der feedback-gebenden. neuwal basiert auch auf ehrenamt so weit ich weiß, und auch hier hat der ressortchef der booklewal-rezensionen superflink reagiert und war äußerst hilfsbereit. wäre doch schön wenn alle so arbeiten könnten, an projekten die einem selbst und der community etwas geben, frei von erwerbsdruck und in euros gemessener wertschätzung. dafür gibt’s ja sogar ein tool: das bedingungslose grundeinkommen… aber dazu ein ander mal mehr ;-) inzwischen kann man schon mal die EU-petition für’s BGE unterzeichnen zur „Erforschung eines Weges zu emanzipatorischen sozialstaatlichen Rahmenbedingungen in der EU“!

motiviert,
hanna

vegan – go for it!

liebe hanna,

die kinder, speziell deine nichte S. waren in der tat sehr angetan von der radparade. sicher auch deshalb, weil gänge und bremsen ihrer räder wieder funktionieren. jetzt müssen hp und ich nur noch zwei unserer sieben familienräder frühlingsfit machen (lassen). vielleicht wär das mal ein DIY projekt? du hast doch mal so einen ich.mach-das-alles-selber-kurs zum thema fahrrad im wuk gemacht, oder? vielleicht führ ich mir den auch mal zu gemüte, den die service- und reparaturkosten gehen doch in die hunderten, bei dieser anzahl an rädern. außerdem wäre es wahrscheinlich nicht das blödeste, wenn auch die kinder früher oder später lernen ihre räder selber zu fixen. ich bin bisher übers patschen picken nicht hinausgekommen.

a propos kinder: ich hab letzte woche ein recht unterhaltsames buch gelesen: mami, ist das vegan? von jumana mattukat. es ist ein erfahrungsbericht über die umstellung auf vegan in einer familie mit zwei kindern, wo der vater aber fleischfresser bleibt. die situation ist also ähnlich wie bei uns, die andern elternteile unserer kinder sind ja auch fast alle fleischfresser. lustiger weise war bei der autorin, genau wie bei hp und mir, das rüdiger dahlke buch peace food einer der auslöser um umzusteigen.

es ist interessant, dass jumana auslösermäßig aus der tierleid-ecke kommt, aber dann ziemlich schnell die gesundheitlichen aspekte wichtiger werden. bei mir war es ja umgekehrt. ursprünglich ging es um die gesundheit, aber wenn man vegan wird kommt es automatisch zur konfrontation mit massentierhaltung und der industrie, die dahinter steckt. und spätestens dann vergeht es einem eh endgültig. ich denk jetzt daran, dass ich früher manchmal an PETA infotischen vorbeigegangen bin, und die fotos von den geschundenen tieren nicht wirklich mit dem schnitzel auf meinem teller in zusammenhang gebracht hab. die menschlichen verdrängungsmechanismen sind schon ein hammer.

jumana beschreibt auch deckungsgleich die erfahrung, dass es am anfang unangenehm ist „der mühsame gast“ zu sein, und man immer wieder ausnahmen macht, um nicht zugeben zu müssen, dass man vegan is(s)t. diskussionen sind sonst vorprogrammiert, und damit muss man eben erst umgehen lernen. gestern bei der nabum-probe hab ich mal wieder die erfahrung gemacht, dass rundherum eine diskussion ums vegan essen entsteht, auch wenn ich sie gar nicht angezettelt hab. allein ein vegan essender mensch im umfeld wirft fragen auf. ziemlich originell war das argument von G., dass ich als quasi luxuspupperl aus einem industrialisierten land, mir vegane ernährung leisten kann, während leute in ärmeren ländern darauf angeweisen sind fleisch zu essen. das mag in gewissen situationen sogar stimmen. aber dass unsere tiere andern menschen das getreide wegfressen unterschlagen wir lieber mal. genauso, dass es genug menschen in der welt gibt, die sich fleisch gar nicht leisten können. trotzdem argumentier ich lieber mit den haltungsbedingungen der tiere, denn dass es massentierhaltung gibt streitet heute keiner mehr ab. allerdings sind immer wieder menschen, so auch G., überrascht, dass bio-fleisch im wesentlichen anders gefüttert, aber nicht anders gehalten wird, als konventionell produziertes fleisch. von der schlachtung ganz zu schweigen. es geht eben hier, wie da um produkte, und nicht um lebewesen.

n. diskutiert auch immer wieder noch mit mir rum, aber auch in ihm gehen veränderungen vor. er isst jetzt wieder schwammerlsauce. außerdem hab ich mir von jedem kind drei gemüsesorten sagen lassen, die es isst, weil in letzter zeit das seperate kochen bei uns eingerissen ist, und mir das ziemlich am socken geht. was aber immer funktioniert ist ofengemüse, weil sich da jedeR rausnehmen kann was ihm oder ihr schmeckt.

so gibt es in jumanas buch ganz viele erfahrungen, die sich mit dem decken was bei mir (supermarktregale die wegfallen) und bei uns (motzende kinder beim mittagstisch) grad so los ist. bei der rettung von stechmücken steig ich gedanklich zwar aus, aber alles in allem ist das buch auf jeden fall eine empfehlung für alle familien am weg zur veganisierung. was ich übrigens einen super tipp fand, war in nicht-vegetarischen lokalen, wenn kein passendes gericht aht der karte ist, direkt mit dem koch bzw. der köchin zu reden.

und jetzt noch zum drüberstreuen ein super thai-curry rezept:

thai-curry mit mango

500g buntes gemüse (karotten, brokkoli, zucchini, paprika,…), geschnitten
1 mango, geschält und geschnitten
gelbe curry-paste aus dem asialaden oder selbst gemacht (siehe unten)
1 dose kokosmilch
öl

curry-paste anbraten, mit kokosmilch aufgießen und kochen bis ein ölfilm entsteht (manchmel entsteht er nicht, ist auch egal, einfach ein paar minuten kochen). daneben in einer pfanne das gemüse ein paar minuten anbraten, zur currysauce dazugeben und dann nich die mange beifügen. nochmal ein paar minuten kochen. dazu passt reis.

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gelbe curry paste 

3 rote chilischoten, getrocknet und entkernt
5 schalotten, geröstete
10 knoblauchzehen, geröstet
1 tl galgantwurzel
1 tl ingwer, dünn geschnitten und geröstet
1 el zitronengras, geschnitten
1 el koriander, gerösteter
1 tl kreuzkümmel, gerösteter
2 tL currypulver
etwas muskatnuss
1 tl curcuma
ev. ein paar kafir limetten blätter
1 tL salz

alle zutaten mörsern oder pürrieren

alles liebe, dein schwesterlein

guerilla cooking

liebe hanna,

die lieferküchen-idee nimmt langsam form an, und es schaut ganz danach aus, dass das systematische kochen für andere ab nächsten herbst gestalt annimmt. im zuge der recherchen übers kochen zu hause bin ich über diverse guerilla cooking modelle gestolpert, darunter der supper club. coole sache das, denk ich mir, das mach ich auch. zumal es in wien zwar einige sehr sympathische geschichten gibt, wie z.b. die drei schwestern(!) von der guerilla bakery, aber vegan war da in wien nichts zu finden. supper club scheint ein relativ altes konzept zu sein, dass in den letzten jahren wieder populär geworden ist. grundidee ist, dass jemand zu hause für andere kocht, also sozusagen das öffentliche im privaten. aufgefallen ist mir allerdings, das einiges, das ich diesbezüglich im deutschsprachigen raum gefunden hab, für meinen geschmack ein bisschen abgehoben aussieht. vielleicht sind das aber auch nur meine vorurteile, als besitzerin zerkratzter teller und zusammengewürfelten bestecks. außerdem bin ich eben auch nicht so die freundin der kleinen kunstwerke auf großen tellern, sondern eher der großen töpfe. grundsätzlich gibts es aber viel verschiedene angebote, die stadtspionin hat hier einige zusammengetragen. alles in allem schwingen von bolivien bis wien foodmaniacs für andere den kochlöffel.

kati’s vegan supper club

das will ich auch! also würd ich gern dich, liebe lesterschwester, und bis zu sechs andere personen am 20.4. im rahmen eines supper club versuchs nach dem pay-as-you-wish-prinzip bekochen. anmeldung, liebe leutchen da draußen, über lesterschwein (at) gmx (dot) net! falls ihr am 20.4. keine zeit habt, aber interesse an folgeterminen, dann schreibt mir ebenfalls ein mail.

geben wirds diesmal eine indische reistafel mit lauter netten schweinerein, wie z.b. kichererbsen curry, palak paneer, shahi paneer (jeweils ohne paneer, sprich käse, natürlich) und diversem anderen zubehör. das shahi ist sowieso immer der partyburner, wie auch bei unserer letzten geschwisterlichen LEGEPS-sause. drum hier endlich das rezept:

shahi paneer vegan (adaptiert aus chefkoch.de)

2 zwiebeln, geschnippelt
3el öl
1 dose tomaten
3 zehen knoblauch, geschnippelt
1el frischer ingwer, gehackt
1el kreuzkümmel
1el korianderpulver
1el garam masala
1el agavendicksaft oder zucker
1/2-1 tasse mandeln (oder andere nüsse)
1 tasse pflanzendrink
wasser nach bedarf
ev. 1-2 chilischoten

die mandeln in der pflanzenmilch einweichen, zwiebeln im öl gold anbraten, alle gewürze dazugeben und ca. 2 minuten mitrösten, den knoblauch dazu und nochmal 2 minuten rösten, agavendicksaft dazu umrühren und dann die tomaten beifügen und mit ca. einer halben tasse wasser aufgießen. mandeln mit der pflanzenmilch pürrieren und beifügen, mit salz abschmecken und falls das ganze noch sehr dick ist nochmal etwas wasser beifügen. es sollte aber auf jeden fall eine breiige und keine suppige konsistenz haben.

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alle anderen indischen rezepte werden bei gelegenheit auch noch folgen.

vorfreudig!

deine kati

p.s. das mousse au chocolatrezept hier aber auch noch schnell

mousse au chocolat

200ml schlagbare sojaschlagsahne mit sahnefest aufschlagen
140g dunkle schoko über dem wasserbad schmelzen, 15 min auskühlen lassen und unter die sajasahne ziehen. über nacht kalt stellen.

 

gefunden hab ich das rezept so ähnlich in „vegan für genießer“ von jean-christian jury. was mich bei diesem buch ein bisschen stört ist, das gar so viele fleischersatz-rezepte drin sind, aber das eine oder andere werd ich sicher noch ausprobieren.

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fleiß verdirbt den charakter

liebe hanna,

morgen gehts wieder los mit der traditionellen ostersause und so jagt ein family-feier-event den nächsten. dazwischen bleibt mir aber noch immer jede menge zeit dem müßiggang zu fröhnen – auszeit, baby! das mit dem müßiggang will aber gelernt sein, und sich aus dem täglichen hamsterrad zu befreien klingt leichter als es ist. mir ist schon klar, das ist jammern auf allerhöchstem niveau, aber es ist schon spannend wie sehr wir darauf getrimmt sind „etwas weiter zu bringen“, „unsere pflicht zu erfüllen“ und uns am ende des tages sagen zu können, dass wir etwas nützliches vollbracht haben. ich für meine teil muss mir immer wieder in erinnerung holen, dass die pause, das ziellose herumtreiben erst den raum entstehen läßt um einerseits bei mir selber zu landen und andererseits neue ideen und perspektiven entstehen zu lassen.

kinder!

bei kindern ist ja oft dieses phänomen beobachtbar: sie hängen gelangweilt in der gegend rum und wissen nichts mit sich anzufangen. falls sie das glück haben, dann nicht von übermotivierten eltern mit angeboten überschüttet oder von betreuerInnen bespielt zu werden, kommen ihnen dann oft gerade in diesem vakuum die besten ideen. bei mir ist es nicht anders. ich hätte mich garantiert nicht auf das vegan-experiment eingelassen, wenn ich nicht gerade reichlich zeit und lust gehabt hätte beim kochen und essen mal über den eigenen tellerrand hinauszuschauen. und es hat nochmal monate gebraucht, bis ich mir ernsthaft vorstellen konnte überhaupt in erwägung zu ziehen ein eigenes business daraus zu machen. jetzt bin ich schon sehr neugierig wo mich all diese überlegungen und ideen noch hinführen werden. was werde ich verwirklichen und was landet wieder in der mottenkiste? ich weiß es noch nicht und ich muss es auch nicht wissen. die gedanken fließen auf jeden fall freier, wenn sie nicht immer in vorgezeichnete bahnen gelenkt werden und vor allem, wenn sie nicht gleich zwangsläufig zu einem ziel, einer entscheidung oder einem ergebniss führen müssen.

bücher!

trotz all dieser überlegungen passiert es mir immer wieder, z.b. vorgestern, dass ich am nachmittag mit einem buch im bett herumgammel und vor meinem geistigen auge den bisherigen tag vorüberziehen lasse.  Frühstück um 10, dann die letzten partyspuren aus der wohnung beseitigt. ein paar mails gelesen, spaziergang in die bücherei und mit dem neuen buch zurück ins bett. „wohin soll das führen?“ frag ich mich dann. wenn ich so weiter mach wird noch ein fauler sack aus mir. und wenn ich schon rum lieg und les, können es dann nicht wenigstens geistreiche bücher sein? ich wollte längst c.g.jung oder foucault lesen, und statt dessen halt ich einen kaminer in der hand. bezeichnender weise „mein leben im schrebergarten“. und in mitten dieser überlegungen – manchmal passierts mir nämlich dass ich lese und denke gleichzeitig – stolpere ich in seinem buch über folgende passage:

henry thoreau hatte sicher mehr ausdauer und entschlossenheit als ich. er war aber auch ziemlich durchgeknallt – verbrachte sein leben ohne wein und frauen, predigte enthaltsamkeit und bezeichnet faule menschen als unreine wesen. ich bin dagegen der meinung, dass der faule manchmal mehr erkennt, während sich der fleißige in seinem ständigen tun bloß untergräbt. außerdem sind fleißige menschen dauernd schlecht gelaunt, weil sie glauben, unterfinanziert zu sein. die fleißigen haben in der regel einen überempfindlichen sinn für gerechtigkeit. das macht sie zu schwierigen menschen. sie haben ständig das gefühl, von anderen hintergagen zu werden, die viel weniger arbeiten oder gar nichts tun und trotzdem mehr kriegen. fleiß verdirbt den charakter.

war natürlich passend wie die faust aufs aug und auf einmal war ich doch der meinung, das richtige buch in händen zu halten. was für mich aber wirklich der springende punkt ist, ist die tatsache, dass einige leute in meinem umfeld erst in zeiten des rückzugs und nichtstuns für sich herausfunden haben wohin sie gehen und was sie tun wollen. und das gerade auch dann, wenn sie die auszeit an sich subjektiv als totale stagnation erlabt haben.

kinder?

vorgesehen ist es allerdings nicht, sich nach lust und laune treiben zu lassen und ziellos herumzuprobieren. wenn wir glück haben, wird uns das in der kindergartenzeit noch gestattet, aber spätestens in der schule ist schluss damit und gerade in meiner jetzigen situation find ich das zunehmend absurd. s. geht grad nicht besonders gern in die schule. sie ist zwar in einer mehrstufenklasse und ihre lehrerinnen sind sicher eher dem progressiven lager zuzuordnen, trotzdem ist ihr oft fad und es gibt nicht den raum um dann ihren eigenen impulsen zu folgen. „ich freu mich schon voll darauf wenn wir endlich dividieren lernen, aber ich darf das jetzt noch nicht machen.“ n. hingegen geht relativ gern in die schule, er verbringt gern zeit mit seinen mitschülerInnen und freunden und mag auch die meisten seine lehrerInnen, aber einiges interessiert ihn gar nicht, und zu hause was für die schule zu tun ist überhaupt völlig öd für ihn. was mach ich dann? komm ich ihm mit „pflichterfüllung“ und „streng dich an“? ist es nicht reichlich absurd, dass wir jahre damit verbringen zu lernen und uns damit abzufinden dinge zu tun die uns nicht interessieren, um dann hinterher jahre damit verbringen herauszufinden, was wir  wirklich tun wollen und womit wir uns tatsächlich zum ausdruck bringen können? muss ich das hamsterrad kennen, um aussteigen zu können?

nachdenklich,

deine lesterschwester

immer nur spinat

liebe lesterschwester,

sehr interessiert hab ich deinen feminismus-post gelesen und bin ins sinnieren gekommen was das für mich eigentlich bedeutet. der weltfrauentag ist ehrlich gesagt völlig spurlos an mir vorüber gegangen und überhaupt fühl ich mich trotz all meiner autonomiebestrebungen so weit weg von jedem feministischem diskurs. es ist allerdings auch so, dass ich mich, im unterschied zu dir, seit jahren fast ausschließlich in weiblich dominierten umfeldern bewege. sei es die sozialpädagogische ausbildung, die soziale arbeit, die elternverwalteten kindergruppen, selbst beim trommeln, immer gibt es einen weiblichen überhang und ich muss gestehen, dass das vermutlich zu einer gewissen realitätsverzerrung führt. in meinem alltäglichen tun und sein ist mir gar nicht bewußt, dass man sich wo anders noch mit solchen grundsatzthemen wie geschlechtsneutralen formulierungen herumschlegen kann. andererseits ist es natürlich auch ein vorsintflutlicher zustand, dass (schlecht bezahlte) arbeit mit kindern noch immer fest in weiblicher hand ist. vielleicht liegt es auch an eben diesen umfeld, dass sich mein wunsch frauenbanden zu bilden in grenzen hält, auch wenn ich mich gerne immer wieder mit der von der lieben e. initierten weiberrunde treffe.

der bereich, wo ich immer am ehersten das gefühl habe mich gegen geschlechtsspezifischen zuschreiben verteidigen zu müssen ist und bleibt die mutterschaft. noch immer ernte ich viel augenrollen, wenn ich die existenz des mutterinstinkts bestreite und dafür eintrete, dass väter sich genauso um ihre kinder zu kümmern haben, und zwar von anfang an. nein, ein unter drei-jähriges kind braucht nicht vor allem seine mutter. ja, ich finde es nach wie vor richtig mit den vätern meiner kinder halbe-halbe zu machen, sowohl zeitlich als auch die verantwortung betreffend. jeweils seit der trennung. da waren sowohl n., als auch s. fünf jahre später keine zwei jahre alt. kinder bauchen liebende menschen um sich, egal ob mutter oder vater. mit dieser einstellung mach ich mir aber gerade unter frauen oftmals keine freundinnen und ich muss aufpassen, nicht mit mit frauenfeindlichen väterrechtlern in einen topf geworfen zu werden.

im moment bin ich ja auszeitbedingt zu hause und befass mich gar nicht wenig mit kochen. das ist ja unter allem was eine frau so tun kann nicht unbedingt das progressivste auf der welt. und gerade deshalb hat mir das zitat das du gepostet hast so gefallen. nämlich das wir gesagt bekommen haben wir können alles sein und gehört haben wir müssen alles sein. ich find es wunderbar mir immer wieder dessen bewußt zu werden, dass ich mein leben so gestalten kann und darf wie ich es will. kinder kriegen hat nichts progressives an sich, neue wohn- und familienformen auszuprobieren schon. auch kochen ist nichts neues, vegan kochen  (für mich) schon. und mit kindern zu arbeiten ist auch ein weiblicher klassiker, selbstverwaltete strukturen zu erleben und mitzugestalten aber definitiv ein abenteuer.

deswegen ist es ein segen, gerade von dir, der bewundernswerten tausendsassa-schwester, immer wieder ermutigung zu werden den weg zu gehen der sich richtig anfühlt und der mir entspricht.

so das war das wort zum sonntag. und jetzt noch was zur kocherei: heute mittag waren s. und p. mit ihren drei kleinen jungs bei uns auf besuch und es gab eine feine indische reistafel. hab ich fotos gemacht? nein, mal wieder nicht. aber nachdem ich das ja des öfteren koche wird es bei nächster gelegenheit (hoffentlich) fotos und rezepte geben. heute abend hab ich ein rezept aus vegan kochen – genussvoll durch den tag von roland rauter ausprobiert. geiles kochbuch das, nicht alles, aber viel auch mit regionalen zutaten. übrigens hat hp das buch in der bücherei gefunden und die mitarbeiterin dort hat gesagt, sie haben voll viele vegane kochbücher, aber alle anderen waren ausgeborgt. veganes wien mal wieder… s. hat beim kochen tatkräftig mitgeholfen und das ergebnis war absolut essenswert.

collage_spinatspaetzle

bitte beachte, ich kann jetzt auch pixlr :-)

spinatspätzle

die spätzle

450g mehl (weiß oder gemischt mit vollkorn)
60 g sojamehl (hatte ich nicht, geht auch ohne)
150g gekochter passierter spinat
100ml pflanzendrink oder wasser (ich hab mindestens das doppelte gebraucht)
salz, pfeffer
muskatnuss, gerieben

alles mischen, flüssigkeit zugeben bis ein sehr zäher teig entsteht. den teig mit dem spätzlehobel oder ähnlichem ins kochende salzwasser reiben, einmal aufkochen lassen und dann abgießen.

die sauce

250 g blattspinat
60 g scharlotten oder eine zwiebel, geschnippelt
40 g getrocknete tomaten (hat ich auch nicht)
200 ml gemüsebrühe
200ml hafer- oder sojacuisine
1 gehackte chilischote
2 gehackte knoblauchzehen
3 el vagane butter oder alsan
2 el mehl
muskatnuss, gerieben
salz, pfeffer

spinat in salzwasser blanchieren und abgießen, kalt abschrecken. scharlotte bzw. zwiebel mit chili, knoblauch und tomaten in der butter anschwitzen, mit mehl stauben, mit brühe ablöschen, soja cuisine dazu und 10 minuten köcheln lassen. spinat dazu und mit den gewürzen abschmecken.

die röstzwiebeln

250g zwiebeln, in ringe geschnippelt
5 el mehl
1 tl paprikapulver
öl zum ausbacken

zwiebeln mit mehl und paprikapulver mischen. überschüssiges mehl abschütteln und in reichlioch heißem öl unter ständigem rühren goldbraun herausbacken. mit schaumlöffel oder zwei gabeln die ringe herausfischen und auf küchenkrepp abtropfen lassen.

das ist zwar alles miteinander eher aufwendig, aber es lohnt sich!

und zu guter letzt noch der passende anti-song zum rezept. vielleicht nicht protestsongkontest at it`s best, aber definitiv protestsongkontest.

leider kann ich noch ich das leiwande einfügen vom videodings – bitte zeigen! also hier nur der link: der nino aus wien – spinatsong

deine lesterschwester

p.s. passend zum thema hab ich mich entschlossen das rezept nicht mit hausmannskost sondern mit bodenständige küche zu tagen :-)

von bambus und büchern

liebe kati,

ja super, materialverschiebungszimmerrochadenaction erledigt! bin schon gespannt wie’s jetzt ausschaut wenn ich wieder bei euch vorbeihoppel.

die „wir sind ho[a]rt, kinder!“ veganargumentation ist sicher eine challenge, überhaupt wo peergrouptechnisch im teenie-umfeld schätzomativ keine-tiere-essen nicht so den hyper coolness-faktor hat. bei mir ist das auf der FH gerade groß thema, ich seh die leute ja jetzt nach über 7,5 monaten erstmals wieder fast täglich, und da werden im pausen-smalltalk naheliegender weise eher die vordergründig sichtbaren veränderungen angesprochen: piercing, tattoo, geschälte karotten im marmeladenglas und soja-latte in der kaffeepause. von „was isst du denn dann?“ über „na wenn du verhungern willst bist selber schuld“ bis „warum überhaupt?“. und beim ‚weil‘ fällt mir immer wieder auf dass ich mir schwer tu, es tatsächlich auf einen punkt zu bringen. von ernährungssouveränität fang ich dann an, und der nahrungsmittellogistik, dem schritt von veggie zu vegan und wie mir schon länger vor eiern graust (beim zwinkernd eingeworfenen hühnermenstruationshinweis bekomme ich ungläubige blicke und dann ein „aber wir menschen sind biologisch als omnivore gebaut!“), und warum ich überhaupt die milch einer anderen spezies trinken soll, ob das nicht  werbegehirnwäsche ist. aber so ganz konzise kann ich’s noch nicht artikulieren – ich werd mir nochmal dein 10 punkte manifest reinziehen (hast du eigentlich vor das mal zu veröffentlichen? fand ich superspannend…). hochgeschätzter misanthropen-kollege M. hat nach meinem geschwurbel gleich zurückgeschossen mit: „ja aber soja ist ja auch böse!“, und etwas späte klinkte sich H. ein mit „wenn du wirklich vegan wärst, müsstest du jetzt aber auch sofort deine lederschuhe ausziehen!“. mein etwas lahmes reply war dann etwas in richtung „irgendwo muss man ja anfangen…“, aber so wirklich konsistent in unserer konsumumgebung auf regional-fair-bio-gut umzusteigen ist einfach auch eine challenge, abgesehen von der legitimationsargumentation.

jedenfalls hat das dann wie die faust auf’s aug gepasst als ich gestern nach 8 stunden vorlesung am weg zu E. in 1080 an einem veganen laden vorbeigelaufen bin! und zwar dem muso koroni (inkl. schneematsch) auf der josefstädter straße:

muso koroni winter

da drin gibt’s gewand, schuhe, kosmetik, kochbücher, DVDs, und jede menge anderen zeux – wurde schon im august eröffnet. kanntest du den?

sehr cool zb: vegane schuhe. aktuell haben sie 4 paar schwarze stiefel, da werd ich mir auf jeden fall welche checken sobald meine kanadischen 3$-heilsarmee-treter das zeitliche segnen. und perfekte umsetzung des prinzips der eingeschränkten auswahl!

ich hab dort auch gleich mal nachgefragt wo ich denn meine einheitsklamotten in fair-bio-co2neutral-öko herbekommen könnte, am liebsten bambus (wie ich das ja laut meiner post-BA-liste vorhatte zu recherchieren). und die ladenfrau so: bambus eigentlich eher böse, weil die meisten dieser fabrikate aus chemisch behandelter bambus-viskose sind, und somit überhaupt nicht mehr öko. sie haben da nur 1 shirt im online-shop, aber das gab’s im laden grad nicht (höhö, online gibt’s auch ein hanna shirt, muahaha).

sie hat mir hingegen etwas aus eukalyptus-faser empfohlen (fühlt sich gut an, aber die schnitte waren alle viel zu weit), nur hab ich den hersteller vergessen -.- muss ich nochmal recherchieren.

jedenfalls hab ich mir dort gleich ein weiteres kochbuch gecheckt, und das auch nur, weil so ein superes tiramisu-rezept drinnen ist:

vegan lecker lecker kochbuch

das andere ist übrigens mein aktueller lesestapel – E.’s ethical slut, dann ein großartiges buch über wahnsinn, geborgt vom gestrigen unerwartet großartigen lektor (es gibt sie, die ausnahmen!), sowie von einer anderen E. ein paar feministische theorien, weil ich seit berlin (wiederum mit E. nummero 1) und dem dortigen queer-feministischen body-workshop und dem darauffolgenden netzfeministischen bier in wien und den regelmäßigen skype-calls mit meinem kanadischen geek-feminist-grrrl A. mich nach langer pause wieder mehr mit dem kram auseinandersetze.

apropos kram, ein/e unbekannte/r nachbar/in hat anscheinend ordentlich das bücherregal aussortiert und unten im hauseingang die altlasten deponiert, ich hab mir da gleich jede menge unter den nagel gerissen. falls was dabei ist was auch dich interessiert, let me know!

nachbarschaftslesestoff

so, und jetzt mach ich mich mal fertig für den sonntäglichen transatlantischen skype-call mit A., hurrah!

sonntäglich,
die lesteschwester

PS: du hast ja erwähnt dass du jedes 2. wochenende an 1 tag nichts in den kalender einträgst, und ich werd das auch mal versuchen. hab mir bis zu den osterferien 1 tag pro woche im google calendar markiert wo ich nicht in der gegend rumhotte und maximal hausbesuche empfange. witziger weise hat mir M. das schon letzten sommer gesagt dass er das so macht und auch so braucht, und ich fand das damals noch irgendwie schräg… und jetzt: anti-dichtness-versuch.

PPS: A. hat – wie immer – zu jedem thema die passende quote… ;-)

Re: der erste furz

liebe kati,

geschätztes lesterschwein!

whoop, whoop – bald geht’s los! in 1 woche gehen wir online :-) kann’s kaum erwarten mit unseren veganen schweinereien loszulegen. dein zucchini-auberginen-curry heute war mal wieder der hammer.
seit 1999 bin ich ja jetzt schon veggie – aber sehr viel gesünder oder bewusster ernähre ich mich dadurch leider nicht. besonders wenn ich mir einbilde keine zeit zum kochen zu haben nehmen dann käsesemmerl und schokocroissant eine all zu vorherrschende position am speiseplan ein. not anymore! bye bye trash food, hallo vegan versuch. dein vegan-manifest hat mir da noch den finalen a***tritt verpasst.
also danke schon mal für die starthilfe, auf die smoothies und all die rezepttests freu ich mich schon! ich hab auch schon mal ein bisschen material besorgt – vergangene woche ist zB schon das veggie-mania heft vom wunderbaren packpapier verlag angekommen samt jeder menge sonnen, monden & sternen:
2013-01-16 21.28.57
ach ja, das mit dem kaffee hab ich ja schon im herbst in kanada ein bisschen ausgetestet unter dem motto „coffee substitutes“ – nach versuchen mit wässriger mandelmilchgrindiger hanfmilch, bitterer sojamilch und flockender kokosmilch bin ich immer wieder bei der billigsdorfer reismilch aus dem superstore gelandet.
wichtig ist mir da auch ein brauchbares preis-/leistungs-verhältnis: wenn ich für den liter mandelmilch mehr als EUR 3,– bezahle aber 1 liter soja-reismilch um ca. EUR 1,20, fällt dir entscheidung gleich leichter…
heute werde ich wohl mein letztes packerl kuhmilch aufbrauchen – parallel sind schon die ersten tests nach dem bestmöglichen cafe non-latte am laufen – beide unter EUR 1,50: Provamel Rice (bei denn’s Biomarkt) & Alnatura Soja-Reis-Drink (bei dm).
2013-01-24 15.10.23
beide sehr lecker, wobei die reismilch mit ihrem süßen nachgeschmack vor allen in kombination mit malzkaffee wirklich leiwand ist.
so, jetzt werd ich mich mal in die letzten vorbereitungen für meinen workshop bei der aktivistischen medieneinmischung werfen, und freu mich schon tierisch (sic!) auf nächste woche!
bisous*
hanna
PS: ja, 1.2. vormittags kochen ist gebonkt!