red’s ned so deppert

liebe hanna,

nachdem ich wie berichtet kameramäßig gerade am trockenen sitze, nutze ich die gelegenheit, um mal meinem meta-ebenen-unmut luft zu lassen und einen blogpost im stil der beginnzeit (du erinnerst dich – 90er-jahre-antifaflugblatt) zu schreiben.

wir lesterschweine sind ja nun wirklich bekannt dafür einen undogmatischen zugang in sachen vegan zu pflegen. manchmal uns selbst gegenüber (ja, ja, silvester) und immer anderen gegenüber. jede und jeder soll selber entscheiden, was sie oder er isst. ohne jegliches gestänkere lassen wir uns an tischen (und picknickdecken) nieder auf denen fleisch und wurst serviert wird und wir halten auch niemandem vorträge über geschredderte küken, während er oder sie gerade das frühstücksei verdrückt. nein, wir nicht.

umsomehr stört es mich, wenn man mich nicht in ruhe läßt, sondern mein nervenkostüm mit komischen ansagen strapaziert. ich würd mich wirklich freuen, wenn man mir folgende sätze in zukunft ersparte.

soja essen ist aber schon ein bissel unverantwortlich. da wird doch voll viel regenwald dafür abgeholzt.

das genmanipulierte regenwaldsoja, liebe leute, landet mitnichten in meinem magen. damit werden in erster linie tiere gefüttert, die dann auf den tellern von omnivoren landen. die sojabohnen von meiner sojamilch und meiner sojasahne stammen aus österreich, ich kauf das nämlich von der firma joya. die sojabohnen von den vantastic-foods medallions sind zwar nicht ganz so regional, aber auch zu 100% aus der EU. nix also, mit regenwald.
quelle: http://niemblog.de/der-soja-irrtum/

fleischersatz, das ist doch pervers.

wie ich meine pflanzen zubereite und würze ist bitteschön meine sache. wer glaubt, das gulasch sei so lecker wegen des rindfleischs, der irrt. die vielen zwiebeln, der majoran, der lorbeer, der paprika – die machen den geschmack. aber nachdem in unseren breitengraden noch immer das fleischessen als das normale gilt, werden dann pflanzenprodukte angeboten die „wie rind“ oder „wie ente“ schmecken. ich wünsch mir, irgendwann in einer welt zu leben, wo es nur ein paar wenige lokale gibt, die fleischgeriche anbieten. und dann wird man sagen: das essen da mit der toten kuh drin, das schmeckt wie erdäpfelgulasch. aber ein bissel pervers ist es schon.

weißt eh, du musst schon aufpassen wegen mangelerscheinungen.

ich hatte zeiten in meinem leben, da hab ich mich praktisch von energydrinks und milchschnitten ernährt. und ich hatte andere zeiten, da war es schinken-käse-tost. und ganz am anfang, als ich nach wien gekommen bin, war es leberwurstbrot und schokokekse. ich hab tatsächlich wochenlang nichts anderes gegessen. nie ist irgendwer auf die idee gekommen, mich vor mangelerscheinungen zu warnen, nicht mal in meinen schwangerschaften. aber kaum ess ich kiloweise gemüse und hülsenfrüchte und koch jeden tag was frisches regnet es besorgte kommentare, ob das wohl gesund sei. drum nochmal, langsam und zum mitlesen – ich war nie gesünder, es ging mir nie besser.

so, das musste mal gesagt werden. und ein bissel rumschimpfen ist gut für die psychohygiene. da fühl ich mich gleich entspannter.

und um das ganze abzurunden hier noch das ulimativ geile gulaschrezept. dazu hab ich sogar ein foto von der famosen fotographin T.

gulasch mit semmelknödeln

gulasch_21_klein_blog

(c) truc phan

 

1 kg zwiebeln, geschnippelt
öl zum anbraten
1/2-1l gemüsebrühe
2 el tomatenmark
1 el paprikapulver
1/8 rotwein
2 el sojasauce
1 el majoran
2 lorbeerblätter
3 wacholderbeeren
2 el gurkerlsud
salz, pfeffer

100g sojamedallions
1/2 l gemüsebrühe
1 el paprikapulver
1 el sojasauce
ev. etwas grillgewürz
öl zum anbraten

250g knödelbrot
1 zwiebel
1/2 bund petersilie, gehackt
ca. 200 ml sojamilch
reichlich muskatnuss
salz, pfeffer

für das gulasch wedren die zwiebeln in öl kräftig angebraten, dann kommt das tomatenmark dazu und wird einige minuten mitgeröstet. den paprikazugeben, gut durchrühren, mit sojasauce und rotwein löschen, mir der brühe aufgießen, dass alles gut bedeckt ist. alle anderen gewürze zugeben und mindestens eine stunde bei geschlössenem deckel köcheln lassen. je länger, je besser, dann braucht aber auch etwas mehr flüssigkeit. zum schluss mit gurkerlsud, salz und pfeffer abschmecken.

die sojamedallions mit der kochenden brühe und den gewürzen mindestens 15 minuten einweichen, danach gut auspressen und im öl hellbraun anbrutzeln. zum gulasch dazugeben und mindestens 15 minuten mitköcheln lassen. natürlich kann man stattdessen auch von anfang an geschälte geschnippelte kartoffeln mitkochen. wenn man will, kann man am ende zwei esslöffel joya-cremesse einrühren, dann hat wird es ein rahmgulasch.

für die knödel alles zutaten vermischen und den teig 10 minuten rasten lassen. er sollte feucht, aber nicht nass sein. mit feuchten händen kleine knödel formen und in wallendem salzwasser je nach größe 10-15 minuten ziehen lassen. wenn die knödel „tanzen“ sind sie fertig. wenn man die knödel mit ordentlich händedruck verarbeitet braucht es keine bindemittel wie sojamehl.

 

ich geh jetzt bärlauch pflücken. der schmeckt in den knödeln wahrscheinlich auch nicht schlecht. freu mich wenn ich dich am abend seh!

alles liebe,

dein lesterschwein

liebster schwester!

fräulein M. von vegold.wordpress.com hat uns für den liebster-award nominiert. da freuen wir uns sehr und machen auch gleich mit:

liebsteraward ich hab ja bis dato noch nix davon gehört gehabt, aber die sache ist recht schnell erklärt – Fräulein M. schreibt:

Ziel dieses Awards ist, neue Blogs kennen zu lernen und sich besser zu vernetzen. Es gibt dazu auch folgende kleine “Spielregeln”:

  1. Verlinke die Person, die Dich/Euch verlinkt hat
  2. Beantworte die unten stehenden 11 Fragen
  3. Finde weitere 11 Blogger, die jeweils unter 200 Follower haben und nominiere sie
  4. Denke dir 11 neue Fragen für diese Blogger aus

als ich das gelesen hab ist mir gleich ganz romantisch geworden, denn das ganze erinnert mich fatal an die pyramidenspiele meiner kindheit. die gingen so nach dem motto: hier hast du fünf namen mit adressen,
punkt 1: schick der obersten person eine tafel schokolade
punkt 2: schick 5 personen die anderen adressen und schreib deine unten dran. dann kriegt du irgendwann gaaanz viel schokolade.
also bei mir ist ja nie schokolade angekommen, aber das lag wahrscheinlich daran, dass ein nicht unwesentlicher teil der teilnehmerInnen punkt 1 übersprungen hat und gleich mit punkt 2 gestartet hat. gab es das zu deiner zeit auch noch?

wie auch immer, der liebster-award ist da natürlich anders und wir werden auch fast alle regeln befolgen. nur blogs mit weniger als 200 follower werden es nicht werden. ein paar von denen sind echt super, es hat einen grund warum die so viele follower haben. ich muss da aber zu meiner entschuldigung sagen: wie ich blogs gesucht habe war ich ausschließlich im food-bereich unterwegs, weil ich der irrigen annahme war es handelt sich hier wieder um eine food-blogger geschichte.

mitnichten! nur vier clicks von vegold entfernt findet man sich schon mitten im totalen mütter-blog-wahnsinn wieder. aber damit hat der award seinen zweck auch schon erfüllt, denn ich habe definitiv blogs kennengelernt, auf die ich sonst nie gekommen wäre. und wieder einmal bin ich von tiefer dankbarkeit erfüllt, dass sich mir die fragen „wann abstillen?“ oder „was zufüttern?“ nicht mehr stellen. außerdem ist es schön zu sehen, dass eltern (aber ganz ehrlich, ich hab nur mütter gefunden) in der internierungssituation säuglingskind heutzutage zumindest mit dem computer den kontakt zur außenwelt aufrechterhalten können. das ist der psychischen gesundheit in zeiten von permanentem schlafentzug und fortwährendem angebrüllt werden sicher zuträglich.

hui, was für ein backflash. nein, mum-blog-leserin werd ich nicht.

drum bleiben wir, liebe schwester, bitte schön in unserem schubladel, nominieren ausschließlich foodblogs und stellen lauter fress-fragen. erst aber kommen unsere antworten auf die fragen von Fräulein M.

***

Was hat Dich heute glücklich gemacht?

hanna: eine freundin hat mir heute einen scan der aktuellen ausgabe des magazins biorama mit einem artikel über die CSA mogg geschickt – sie hat auf einem foto meine nichte erkannt! das bild von ihr mit einem solidarischen sellerie in der hand hatte ich bei der 1. ernteanteils-verteilung unserer CSA vor unserer food-koop gemacht. ich habe mich total über den beitrag gefreut, und dass mein foto im magazin abgedruckt wurde :-)

kati: ich bin in der früh aufgewacht und der kaffee war schon fertig. jipi!

biorama_2014-03_scan_web

hanna freut sich über foto-fame mit einer abbildung von katis jungkind in der märz-ausgabe des biorama-magazins (scan by polly tu)

Welches Kochbuch empfiehlst Du?

hanna: mein allererstes kochbuch war „vegetarisch kochen“ vom wunderbaren packpapier-verlag, handgeschrieben mit vielen zeichnungen. super sind auch auch die ox-kochbücher mit dem motto „kochen ohne knochen“, wo es zu jedem der unkomplizierten rezept die passende hörempfehlung gibt.

kati: genussvoll vegetarisch“ von ottolenghi hat leckere rezept und ist auch wirklich schön. „la veganista“ von nicole just ist allein schon wegen dem gulasch-rezept eine empfehlung.

Welches andere Buch muss ich unbedingt lesen?

hanna: tegetthoff’s „kräutermärchen„. dieses buch meiner kindheit habe ich dank meiner nichte wiederentdeckt – wir lesen uns immer gegenseitig die geschichten vor wenn sie bei mir in der hängematte übernachtet. zu jedem märchen gibt es detaillierte infos zu herkunft und verwendung jedes krautes – eine tolle inspiration, die unter anderem dazu führt, dass man beim kochen plötzlich schmunzelnd an die ein oder andere geschichte denkt…

kati: jetzt bin ich wirklich lang vor meinem bücherregal gestanden. ich muss ja gestehen, ich konsumiere bücher wie junkfood und bei der belletristik mache ich kaum lifechanging erfahrungen, denn ich schätze vor allem bücher bei denen ich mich zerkugeln kann. dabei ist slupetzky einer meiner liebesten autoren. wirklich etwas verändert für mich hat vor über zehn jahren das buch „der weg des künstlers“ von julia cameron.

Süß oder salzig?

hanna: je nach laune, aber am besten abwechselnd.

kati: im zweifelsfall salzig.

Lieblingsrestaurant?

hanna: ui das ist schwierig… es gibt in wien so viele supere restaurants! auf grund der nachbarschaft gehört auf jedenfall das harvest zu meinen favourites, wo ich immer schon von weitem mit einem „haaaalllo, lesterschwein!“ begrüßt werde ;-)

kati: das hathi am freiheitsplatz in graz. der beste inder den ich kenne.

Wohin geht Deine nächste Reise?

hanna: in den festivalsommer!

kati: campieren in tschechien.

Wieso bloggst Du?

hanna: weil mir das schreiben, fotografieren & co sowie das schwesterliche ping-pong großen spaß macht.

kati: in erster linie wegen dem spaß und der freude am kreativen ausdruck und dem tun gemeinsam mit hanna. für mich, als social media-verweigererin und online-skeptikerin aber auch ein spannender selbstversuch an der schnittstelle zwischen dem öffentlichen und dem privaten.

Welches ist dein liebstes Möbelstück?

hanna: mein palettenbett, bei dessen bau mir freunde und kati geholfen haben.

kati: auch bei mir: das bett. da bin einfach am liebsten.

Wie sieht dein perfekter Tag aus?

hanna: lang schlafen, ausgiebig brunchen, dann zu fuß oder mit dem fahrrad raus an die frische luft, lesen / vorlesen / vorgelesen bekommen, an einem blogpost basteln, „herumschildkröten“ (frei nach gerhard polt)… und abends einen sprung zu kati und ihrer familie – am besten auch mit ausgiebigem essen ;-)

kati: ein tag an dem ich koche und bekocht werde. ein tag an dem ich gar nichts muss. ein tag an dem ich ein wagnis eingegangen bin und etwas neues probiert hab. ein tag mit viel schlaf. oder mit wenig schlaf. kontraste, oida!

Welches ist Dein Lieblingsland und warum?

hanna: kanada, weil ich dort während des auslandssemesters spannende menschen und auch mich selber von einer neuen seite kennen gelernt habe. und weil aus dem damaligen reise-blog der heutige schwestern-blog entstanden ist.

kati: tschechien – wegen der hervorragenden veganen küche! nein, natürlich nicht. ich mag tschechien weil sich mir da wenige stunden von wien entfernt immer wieder eine neue welt eröffnet. ostschick, freundliche menschen, viele provisorien und ich versteh kein wort – super!

Welche Tageszeitung liest Du?

hanna: derstandard.at

kati: ich les keine tageszeitung. das brand1 magazin find ich interessant (empfehlung von hanna, eh klar :-) und das ist monate später noch immer aktuell.

***

das sind die schwesterlichen blog-nominierungen:

ziemlichschoen.wordpress.com => liebster-nominee-antworten!
ziiikocht.at
fraujupiter.blogspot.co.at
onceuponacream.at
kochtrotz.de
carokochtvegan.com
veganerkeks.wordpress.com
rotebeteblog.wordpress.com => liebster-nominee-antworten!
poetzblog.de
veggi.es
chestnutandsage.de

und hier kommen auch schon die lesterschweinischen fragen:

1. was ist gerade in deinem kühlschrank?
2. was kochst (oder isst) du heute?
3. worauf kannst du in der küche auf keinen fall verzichten?
4. was war dein lieblingsgericht als kind?
5. was ist dein lieblingsgericht heute?
6. welches lied gehört für dich zu diesem gericht?
7. woher beziehst du deine lebensmittel?
8. was war für dich im letzten jahr die größte kulinarische entdeckung?
9. was bringt dich zum lachen?
10. was findest du spannend?
11. welche frage würdest du noch gern beantworten?

wir freuen uns auf eure antworten!

liebe hanna, urgeil schauen die aus, dein bürritos, das werd ich heute abend gleich mit solidarischen „grün im schnee“ nachbauen. ich hab dafür kürzlich ein wahnsinnig geiles rahmgulasch mit semmelknödel fabriziert, mindestens so gut wie das vom harvest, da werd ich dir hier demnächst das rezept zukommen lassen. zur inspiration würd ich hier ja gern schon mal ein schönes foto reinstellen. hab ich aber keines. vielleicht kommst du nächste woche einfach zu mir zum gulasch essen? ich koch, du fotographierst. das wär doch was, oder?

alles liebe,
deine kati

p.s. der wordpress und ich, wir sind heute nicht so gute freunde. er nimmt meine absätze nicht und ich schwöre, ich werd nieniewieder etwas aus ein mail herauscopypasten.

p.p.s. liebe kati, hab das wilde html-quelltext-ungemach etwas entwirrt, jetzt klappt’s vielleicht auch mit den absätzen ;-)