wien, wien nur du allein

liebe hanna,

ich fühle mit dir und ja, du sagst es. radicchio. da muss man schon in stimmung sein. für mich quasi der negroni unter den salaten und nur in kombination mit banane, sojajoghurt und viel gutem willen (und das sag ich als campari befürworterin) vertretbar. auch fein passt dazu der rosenessig, den muttern und jungkind fabriziert haben. grundsätzlich ist der einserschmäh bei bittersalaten aller art, sie vor dem verzehr lauwarm zu waschen und dann 10 minuten oder auch länger in kaltem wasser einzulegen. dadurch löst sich ein teil der bitterstoffe.

ich hab übrigens die palette meiner ich-will-nicht-kochen-gerichte um eines erweitert. ich ernähre mich fürderhin zusätzlich von baba ganoush. aber nicht in der altbekannten zubereitungsart deiner geschätzten E., sondern nach der faule-sau-methode. eine schattenseite hat das ganze allerdings. wenn man die melanzanis zu lange im rohr läßt werden sie ein bissel radiccio-style, sprich bitter.

baba ganoush reloaded

collage_baba

4 große melanzani
1/2 bund petersilie, gehackt
1-4 zehen knoblauch, gehackt
salz, pfeffer
optional olivenöl

melanzani halbieren, mit der schnittseite nach unten auf ein beschichtetes blech legen (oder backpapier) und bei 200-220 grad ca. 40 minuten grillen, bis sie oben schwarz und blasig sind (aber nicht zu sehr). abkühlen lassen, das fruchtfleisch mit einem löffel herauslösen und zerdrücken. mit petersilie, knoblauch salz und pfeffer abschmecken. olivenöl ist natürlich auch noch gut dazu, aber das ist gerade aus und ich bin zu faul in die food coop zu fahren. das ganze ist sehr bekommlich, geht als brotaufstrich, hauptgericht oder beilage und ist vielseitig kompinierbar. zum beispiel mit frischen tomaten, oder mit gegrilleten paprika und zucchini oder mit räuchertofu.

nachdem ich ja gerade kaum koche hab ich umso mehr zeit für andere sinnvolle sachen, wie zum beispiel abhängen vor dem rechner, serien glotzen und schauen, wer eigentlich so unsere follower sind. da sind mir zwei leute mit ihren blogs aufgefallen, wobei nur eines davon ein foodblog ist. das ist jetzt zwar nur bedingt blog-fokus-kompatibel, aber erstens sind beides veganerInnen und zweitens, eh wurscht. das erste ist der blog imperialistischer konjunktiv, der allein schon wegen der serientipps im nachbericht zum femcamp interessant für mich ist. und der zweite ist muma’s kitchen. eben eh ein foodblog, und dort hab ich ein caramel-toffee rezept entdeckt, dass ich garantiert beim nächsten küchen-motivationsschub ausprobieren werde.

und jetzt noch eine ganz andere geschichte. das fahrrad vom großen sieht seit ein paar tagen so aus.

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ja, wir haben auch nicht schlecht gestaunt. versehen war das ganze mit einem zettelchen, man möge doch bitte bei tür drei läuten. nein, es war nicht christo, der eben mal vorbei geschaut hat und auch nicht, wie zuerst vermutet, ein vandalistischer akt angfressener nachbarn. ganz im gegenteil, die nachbarin hat, meint sie, beobachtet, wie eine hausfremde person am radel und am schloss herumgewerkt hat, und darauf hin die person verscheucht und das radl mit klebeband gesichert um „es dem dieb wenigstens möglichst schwer zu machen, falls er wieder kommt.“ das ist nachbarschaftshilfe auf wienerisch.

so long,

die schwester

bitterböse

liebe kati,

heads up, schwesterherz – dein strohwitwendasein ist ohnehin bald vorbei, und ich hab da auch ein ganz tolles rezept für dich, dass du deinem heimkehrer am besten nicht kredenzt.

es gibt ja viele gute gründe dafür, dass ein gericht fulminant misslingt: teilweise oder gänzlich fehlende mengenangaben, unleserliche handschriften früherer generationen, unlautere würzmethoden, falsche mengenverhältnisse, temperatürliche verirrungen oder auch mal schlichtweg dumm gelaufen.

aber der absolute garant dafür, dass mir mein eigenes gekoche nicht schmeckt, ist, wenn das ergebnis richtig, richtig bitter ist – und alle geschmacksnerven bitterböse. dementsprechend war es ein äußerst gewitzter akt der selbstsabotage, ausgerechnet das radicchio-rezept der 365 vegan-reihe auf derstandard.at auszuprobieren.

dabei fing es so gut an: „knusprige polentaschnitten“, steht da. also heißes wasser aufgestellt, suppenwürze dazu, polenta nach gefühl einrühren bis es eine sämig-dick blubbernde masse wird, in eine rechteckige form, abkühlen lassen. milch, muskat und lavendel hab ich teils unwissentlich, teils bei vollem bewusstsein weggelassen, das in olivenöl herausgebrutzelte resultat war jedenfalls geschmacklich nice und (!) ästhetisch:

polentaschnitten

doch dann nahm das unheil seinen lauf:

Radicchio in 1 cm breite Streifen schneiden. Knoblauch und Rosmarinzweig im Olivenöl leicht anbraten, mit 1 TL Zucker bestreuen und kurz durchmengen. Zuerst die weißen, dann die roten Teile des Radicchios in die Pfanne geben und unter ständigem Schwenken bei kleiner Hitze braten.

rosmarin war aus, also thymian stattdessen, knoblauch hab ich auch vergessen und dann panikartig noch kurz vorm schluss dazugeleert. auch in der reihenfolge hat’s mich ein bisserl durcheinandergewürfelt, bei 3 schritten die hälfte falsch zu machen ist schon per se eine leistung. aber das ergebnis war dann fast schon dem darwin-award würdig: verkohlte, ehemals knackig-violette blatt-dinger in unerkenntlicher konsistenz mit einer durchdringlichen, unfasslichen bitterkeit. what the… ?

im endeffekt also polentaschnitten mit grünem salat und viel kürbiskernöl, und der abend sieht wieder etwas freundlicher aus.

und…

naja, eine der übrigen 3 flaschen rotkäppchen-sekt von musikfreund T. (als quasi-provision für die wohnungsvermittlung des A.&O.) hat vielleicht auch geholfen ;-)

da stellt sich mir die frage, kann man überhaupt irgendwas mit bitterem blattwerk machen, damit es nachher nicht mehr bitter oder wenigstens halbwegs genießbar ist? von V.’s kürzlich vorgestelltem sprossen-partysnack bevorzuge ich nämlich ehrlich gesagt auch die kopfsalat-variante (jaja, weichei, ich!).

however: prost!

(und bis bald?)
hanna

a runde g’schicht

liebe hanna,

voll der guten vorsätze bin ich vom fasten zurückgekehrt. ur gesund werd ich kochen die ganze zeit, viele tolle neue rezepte ausprobieren und dann regelmäßig spannende blogposts schreiben.

statt dessen ernähr ich mich fast ausschließlich von abruzzischen abendbrot und tofuspeis, glotz serien und hab die nase voll (im wahrsten sinn des wortes). das wär ja an sich nicht so schlimm. aber es gibt zwei sachen, die mich fix grantig machen. erstens: nicht regelmäßig musik machen. zweitens: nicht regelmäßig schreiben. natürlich sollte hier jetzt stehen: allererstens: nicht regelmäßig kochen. aber ich muss gestehen, mein strohwitwendasein mit achtlos eingenommenen mahlzeiten vor dem bildschirm ist zwar nicht der erstrebte zustand für immer, momentan find ichs aber ganz famos.

aber – zum glück gibts die familie und shirins oma M. hat mich ins tewa am karmelitermarkt zum frühstück ausgeführt. das war doppelt super, weil einerseits lecker essen ohne selber kochen und andererseits lecker bloggen ohne selber kochen.

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das tewa ist auf den ersten blick gar nicht so unbedingt ein veganer lokal. extra als vegan gekennzeichnete speisen gibts nicht und die auswahl ist auch nicht grad riesig. aber ich hab schon bei anderer gelegenheit den falafelsandwich verspeist, der wirklich gut ist und ein ausgezeichnetes preis-leistungs-verhältnis bietet und diesmal gabs das orientalische frühstück mit viel hummus und bohnen, dazu ein warmes pitabrot. feine sache. alles zusammen einfach a runde g’schicht.

alles liebe,

deine kati

hippies lieben chicoree!

liebe kati,

ich hab ja eine neue arbeitskollegin: die liebe V. stammt ursprünglich aus belgien, ist kürzlich nach wien übersiedelt und hat ihre homebase in frankreich – und rund um den globus. namliche V. glänzt nicht nur durch geschichten & bunte kleidungsstücke aus allen erdteilen, ein herzliches lächeln und kleine mitbringsel von ihren reisen, sondern macht auch kulinarisch auf sich aufmerksam – zum beispiel mal zwischendurch mit einem teller urguter brownies…

neulich hat sie bei ihrer flat-warming-party (das hippie-motto ist immer eine willkommene gelegenheit, die badezimmer-deko abzumontieren und als plastikblumenkranz zweckzuentfremden) einen formidablen fingerfood-snack gereicht, von dem ich nicht nur vor ort in der kuchl instant alles wegmampfen hätte können, sondern auch sofort das rezept eingefordert habe. bitterer salat-wrap trifft auf süß-sauer-spicy füllung mit frischen sprossen, oh yeah!

here we go: V.’s veganisiertes hippie-party-fingerfood!

spicy sprossen-snack (a.k.a. „curry & belgian endives“)

chicoree_01

kleine blätter (chicoree, endivien, radicchio, kopfsalat – whatever!)
pilze und/oder tofu natur
sellerie-stangen
frische sprossen (soja, mungobohnen, oä)
eine handvoll rosinen
1/2 becher bzw. 250ml soja-joghurt
optional 1 EL pflanzliche mayonnaise (siehe katis rezept)
2 EL chutney (selbstgemacht, fairtrade oder auf anfrage regional)
frischer ingwer
kreuzkümmel, curry, chilli/cayennepfeffer
salz, pfeffer
optional frischen koriander, petersilie oder schnittlauch

chicoree_02

  1. rosinen für 15 min. in heißem wasser einlegen
  2. tofu und/oder pilze klein schneiden
  3. sellerie-stangen in kleine scheiben schneiden
  4. joghurt mit chutney verrühren (oder mit 2 EL honig, agavensirup oder ähnlichem süßungsmittel) plus 1 EL mayonnaise (bzw. habe ich einfach etwas öl von eingelegten artischocken eingerührt)
  5. salz, pfeffer, kreuzkümmel & curry („a lot!!!“) dazu
  6. chilli-pulver oder cayennepfeffer nach geschmack
  7. frischen ingwer dazu, alles mit einem löffel durchrühren, bei bedarf nachwürzen
  8. rosinen (ohne wasser), tofu/pilze, sellerie und sprossen dazu, alles verrühren
  9. für ca. 1 stunde im kühlschrank rasten lassen („for the ingredients to soak up the spices!“)
  10. auf endivien- oder chicoree- oder sonstigem blattgrün anrichten und mit koriander, petersilie oder schnittlauch garnieren
  11. „bon appétit! :-)“

auch die testpersonen, der musikfreund T. und S.&O. in zufälliger namensgleichheit mit dem A.&O. waren positiv angetan. die aufteilung in bitterbösebitteren radicchio (für die hartgesottenen!) und kopfsalat (lieblich-frischer) ist auch nicht nur geschmacklich abwechselnd, sondern auch dekorativ. ich hab mit dem mangochutney aus swasiland nicht gespart, das ganze war mui spicy indeed. und lecker.

so viel zu den sonntagsnachrichten!

guten wochenstart dir & bis bald,
le hippiesista

ente paniert und mango püriert

liebe kati,

heut war ich mit V. im vegetasia vegane ente futtern, was für ein fest für fake-fleisch-fetischistInnen wie unsereiner. und dann gab’s sogar noch flambiertes eis, oho!!

vegetasia

dabei haben wir ganz nebenbei diverse blattgemüse-verkochungs-varianten diskutiert (indisch! persisch! mit molekularküchenreifen pomodori secchi! oder überhaupt!), weil V. ist nämlich jetzt auch CSA-ernteanteilsinhaber, pardauz!

neben mangold, chicoree und zuckerhüten tingeln uns da derzeit auch kürbis, karotte, rote rübe (totally herbstgemüse… wächst des sommers auch nicht auf der ökoparzelle, neinnein!) & konsorten munter in die töpfe. mir war dann ob dem ganzen wurzelkram etwas unkreativ zu mute, aber das gute an wohnungszusammenlegungen sind ja unter anderem die völlig neue bestückung des kochbuchregals. im test also diesmal: „pappardelle mit roter bete“, unserem fall schlichtweg „herbstpasta“. der besondere wow-effekt dabei ist das intensive aroma von herbes de provence, das gleich eine intensive „coq au vin“-assoziation aufkommen lässt… ich sehe den römertopf von muttern quasi vor mir!

herbstpastaherbstpasta

4 karotten
3 kleine rote rüben oder 1/2 sehr große rübe
1-2 handvoll zwiebeln (schalotten oder rote zwiebeln, zB)
thymian (frisch oder getrocknet)
zucker
weißwein
gemüsebrühe (ca. 100ml, sagt das rezept)
nudeln
olivenöl
salz
frisch gemahlener pfeffer

karotten und rote rüben schälen und schräg in schmale streifen, spalten oder stifte säbeln. einen topf mit salzwasser zum kochen bringen, karotten darin ca. 2 min. blanchieren. karotten rausschöpfen, im wasser rote rüben ca. 12-15 min. kochen, dann abgießen.

zwiebeln schälen und in spalten schneiden, in etwas olivenöl in der pfanne anbraten. karotten und rüben dazu, mitrösten. thymian dazu, dann mit zucker leicht karamellisieren und mit wein ablöschen. suppenbrühe dazu und etwas schmoren.

inzwischen nudeln kochen, dann unter das gemüse mischen und mit salz & pfeffer abschmecken.

geheimtipp: 1-2 EL soja-joghurt oder pflanzliches creme fraiche direkt am teller drunter rühren, oh la la!

 

ebenfalls sehr herbstlich sind die diversen suppengelüste vom A.&O., einen besonders leiwanden möchte ich dir & der wohlgewogenen leserInnenschaft nicht vorenthalten: feurig, fruchtig, sättigend, oberlecker!

polentasuppe_web

polentasuppe mit mango

1 zwiebel
1 mango
3-4 EL polenta
zitronengras (frische stängel oder pulver)
currypulver
etwas weißwein
1/2 liter (oder etwas mehr) gemüsebrühe
olivenöl
salz

zwiebel schälen und würfeln. in etwas olivenöl andünsten, mit currypulver bestäuben und wein ablöschen. brühe dazugießen und aufkochen lassen.

mango schälen, fruchtfleisch vom stein schneiden. mangostücke und zitronengras in die suppe geben. polenta unter rühren einstreuen, etwas kochen lassen, bis sie zu quellen beginnt. suppe vom herd nehmen und ein paar minuten zugedeckt ruhen lassen. nochmals aufkochen, etwaige zitronengras-stangel entfernen (falls pulver: wurscht), suppe pürieren.

 

so long,
die lesterschwester

 

ahoi in linz

ahoi schwesterherz!

was haben wien, graz, krems, berlin, cesky krumlov und prag gemeinsam? aus all diesen städten haben wir bereits vegan-kompatible gastro-tipps in unserem lokalkolorit versammelt. und was fehlt? eindeutig: linz!

nachdem auch das A.&O. auf seiner reisekarte die oberösterreichische hauptstadt in seinem bisherigen jungen leben ausgelassen hat, haben wir das vergangene wochenende gleich für einen entspannten urlaubs-ausklang und ein gebührendes finale der diesjährigen festival-saison genutzt samt WG-surfing bei S.: und zwar in form eines ausflugs zur ars eletronica inklusive erster erkundungen der vegetarisch-veganen gastronomie zwischen hauptbahnhof und ars electronica center.

jetzt schon ein highlight: ein schwimmender wohlfühlort am urfahrschen donauufer, das salonschiff fräulein florentine (zu finden auf facebook oder auch bei den frühstückerinnen).

salonschiff_linz

famoses frühstück bei fräulein florentine!

nichts für schwer verkaterte landratten, denn wenn ein größeres motorboot vorbeicruist, kann das deck schon mal zu schwanken beginnen. zum glück waren wir nach der OK night (mit unter anderem einem leiwanden live-set des von unserem bruderherz geschätzten wandl) nur leicht verkatert – also haben wir uns gleich mal durch die frühstückskarte gemampft.

laut menü gibt’s auf wunsch vegane modifikationen der arrangements, die vom frühmorgendlichen zungenbrecher „skorbut-prophylaxe“ mit bio-müsli und frischen früchten – in deluxe-version mit vollkornbrot und aufstrich – bis zur „tagelage“ reichen: einer orientalisch angehauchten, liebevoll angerichteten platte mit hummus, baba ghanoush, curry-gemüseaufstrich, schwarzen oliven, knackigem rohgemüse und obst, dazu mohnflesserl & semmerl. der café latte mit sojamilch ist bei den EUR 8,50 für diese kombi inkludiert, und kommt in ästhetischer vollendung mit prima schaumhauberl an deck.

leider nicht ganz so prickelnd waren die kulinarischen erkundungen im gelben krokodil – die umfangreiche vegetarische karte lockt zwar mit allerlei leckereien, darunter immerhin 2 vegan gekennzeichnete hauptgerichte: thai curry und bohnen-eintopf. letzterer kam allerdings leider recht lieblos in langweiliger tomatensauce daher. schade!

gelbes_kokrodil_hoehenrausch

im untergeschoß lauert das gelbe krokodil, dazwischen lungert das OK „offene kulturhaus“ und obenauf der höhenrausch!

zum trost ging’s dann mit linz-lady C. 5 stockwerke hinauf durch das im selben gebäude befindliche OK – offenes kulturhaus, auf dessen dach der alljährliche höhenrausch mit weitblick und erfrischungen lockt! wen treffen wir dort: grätzelnachbarin G. ;-) denn der parcour über den dächern von linz ist immer wieder einen ausflug wert – unter anderem dank schwingenden schaukeln durch elektronische wasservorhänge, hölzernem ohne-sorgen-turm in luftigen höhen und kühlen drinks im hopfenzelt.

also, vielleicht ab nächstem jahr mal zur abwechlslung ein legeps in linz statt graz? :-)

alles feine,
hanna

schief gewickelt

liebe hanna,

der herbst, der herbst, der herbst ist da, der bringt uns gemüse, so wunderbar…oder so ähnlich. bekannterweise bin ich ein große freundin von herbst- und wintergemüsen und hab mich dem entsprechend gefreut, als der solidarische spitzkohl ins haus geflattert ist. so kohlrouladen, das wäre doch mal wieder etwas. nachdem der professionelle anspruch ja steigt, hab ich befunden, jetzt mach ich die geschichte mal in ordentlich. also hab ich erstens herausgefunden, dass man den kohlkopf sinnvoller weise vor dem zerteilen eine halbe stunde kocht, damit sich die blätter schön lösen, und zweitens hab ich mich mit der professionellen wickeltechnik befasst.

anfangs hat das alles noch recht fein ausgesehen, aber beim wickeln haben mehr als die hälfte der kohlblätter den geist aufgegeben und die mitarbeit verweigert. eine rolle nach der anderen ist eingerissen und die füllung hat sich wenig erfreulich über die arbeitsfläche ergossen. nachdem der besuch schon im haus war und für aufwenidige rettungsaktionen keine zeit, hab ich kurzer hand umdisponiert. zum glück war noch ein mürbteig im kühlschrank, der vor nicht mal einem monat abgelaufen war. also mürbteig in die kasserole geklatscht, rouladenfüllung drauf verteilt, die kohlblätter feinnudelig geschnippelt und mit kümmel und salz in etwas alsan angeschwitzt und einfach drüber gestreut. halbe stunde ins rohr, fertig. das ist zugegebenermaßen optisch nicht grad der burner, aber geschmacklich war das ganze 1A. heute hab ich mich dann noch ein bisschen mit den rouladen gespielt, die inneren, etwas festeren blätter haben sich dann doch noch ganz gut verarbeiten lassen.

spitzkohlrouladen

1 kohlkopf (geht natürlich auch weißkraut oder wirsing)
2 el öl
300g räuchertofu
1 rote zwiebel
1 el sojasauce
1/8l rotwein
1 tl kümmel
1 el majoran
100g gekochtes getreide (reis, dinkel, hirse, bulgur,…)

den kohlkopf rund um den strunk einschneiden und eine halbe stunde in saltwasser mit kümmel kochen. herausnehmen, die dünnen außenblätter entfernen, die dickeren blätter ablösen, in eiswasser abschrecken.

die zwiebel in streifen schneiden, im öl anschwitzen, den zerbröselten tofu dazugeben und mitrösten, die gewürze beigeben, mit sojasauce und rotwein ablöschen, mit dem getreide mischen und mit salz und pfeffer abschmecken. ich mag es, wenn die füllung eher trocken als gatschig ist, aber wer das ganze als formbare masse haben will, der nimmt statt dem gekochten getreide eingeweichte semmelwürfel.

kohlblatt auflegen, strunkansatz wegschneiden, ev. das blatt mit dem nudelwalker plätten, damit die balttrippen weicher werden, füllung draufgeben und einrollen.

für die richtige rolltechnik gibt es ein schönes video von den umsteigern, auch wenn das rezept ganz anders ist. allerdings, was das schnüren betrifft ist es nur ein beispiel für „so bitte auf keinen fall!“. ich hab jedoch kein einziges schnür-tutorial gefunden, das sich mit pflanzenrouladen befasst. totes getier soweit das auge reicht. drum hab ich, ganz entgegen meiner gewohnheit, eine schritt für schritt bildanleitung gebastelt, denn so eine ordentliche schnürung ist schon echt praktisch.

schnur einmal herumwickln und mit einem doppelknopf fixieren… DSC02406_schritt1

aus dem faden mit zwei fingern ein U formen…

DSC02411_schritt2

die hand umdrehen und aus dem U ein X machen…

DSC02412_schriit3

 

die entstandene schlinge über die roulade schieben und den faden festziehen…

DSC02413_schritt4 einmal um die roulade längs herumwickeln…

DSC02414_schritt5

und mit dem anderen ende verknoten.

DSC02416_schritt 6

die fertig geschnürten rouladen werden in etwas fett von allen seiten angebrutzelt und kommen dann noch eine halbe stunde mit bratensaftbei 150 grad ins rohr. für den bratensaft hab ich ja ein sehr schönes rezept, aber es tut mir dabei  immer so leid ums gemüse. das wird da nämlich weggeschmissen. drum hab ich mir eine abwandlung überlegt.

bratensaft

2 zwiebeln
2 karotten
1 stange lauch
1 kleine sellerieknolle
1 stange lauch
2 lorbeerblätter
2 el tomatenmark
1 el mehl
1 l gemüsebrühe

die zwiebeln fein schneiden, im öl hellbraun andünsten, karotten, und sellerie schälen und klein würfeln, klein würfeln und mitrösten. den lauch grob schneiden, auch mitrösten, das tomatenmark dazugeben, rösten bis es farbe annimmt, mit mehl stauben und mit wein und brühe löschen bzw. aufgießen. lorbeer dazu und mindastens eine stunde auf kleiener flamme köcheln lassen. lorbeer und lauch entfernen, fertig.

dazu gabs erdäpfelnudeln, die hat das jundkind fabriziert und das ergebnis war tadellos fein. a propos jungkind. das hat ja nicht nur brot gebacken und erdäpfeln gequetscht, nein, mit oma wurden auch rosenessig und gewürzöl hergestellt. und das ist ein wirklich feine sache, denn das schmeckt nicht nur gut, es sieht auch fancy aus und schief gehen kann auch nichts dabei.

DSC02309_essigundöl

gewürzöl

gutes olivenöl mit frischen kräutern, chili und knoblauch ansetzten, mindestens 3 wochen ziehen lassen.

rosenessig

rosenblätter waschen und trockentupfen, mit gutem essig ansetzen, täglich wenden (damit die blätter nicht gammeln) und nach 2 oder 3 wochen abseihen. passt besonders gut zu bitteren salaten.

soviel zu den herbstküchennews,

dein lesterschwein