Über kati

ist oft hungrig und wundert sich in der fremde, vor allem über sich.

die normative kraft des faktischen oder: einen scheiß müssen wir

liebes lesterschwein,

nach zwei monaten funkstille sehen wir nun also den tatsachen ins auge. bloggen ist eine super sache, aber bloggen über dinge die schon urlange her sind unsere sache nicht. (ewig her. eeeewig. fast ein halbes jahr schon.)
und du hast mir geschrieben „ich möchte es nicht als halb-lebendigen content-zombie dahinvegetieren lassen…“
damit hast du völlig recht und ich hab wieder was gelernt. es gibt für alles den richtigen zeitpunkt und wenn der vorbei ist, ist er eben vorbei.

die gute nachricht ist: wir sind viel buddistischer als ich dachte. ganz im hier und jetzt, wer hätte das gedacht. total zen ey.

also: sollten wir jemals einen reiseblog machen, dann eben wenn wir auf reisen sind.

nichtsdestotrotz werde ich meine kleine geschichte hier fertigerzählen. als alter serienjunkie weiß ich schließlich, dass es nichts blöderes gibt als eine begonnene geschichte ohne ende.

wo war ich stehengeblieben? ach ja, agdz.

denn die radgeschichte beginnt ja erst hier.

agdz – zagora

in agdz haben wir auf einem superidyllischen campingplatz die nacht verbracht und eine einladung zum essen viele gute tipps von dem weitgereisten deutschen paar bekommen. ich sag nur: 40 jahre marokko. „weißt du“, hat der alte gesagt, eingehüllt in seinen wollmantel, „ich hab in frankfurt eine schöne wohnung, 180 quadratmeter. aber wenn du mich fragst wo ich mehr happy bin, hier auf meinen 4 quadratmetern oder dort, dann sag ich dir hier bin ich mehr happy.“ und die wüste, ja die wüste, die muss man einfach erlebt haben.

agdz camping

interessiert haben uns die beiden gefragt ob wir denn schon mal in der wüste waren. nein, waren wir nicht. nein, wir waren noch nie in marokko. nein, wir haben keine prepaid-card die hier funktioniert. nein, straßenkarten haben wir auch keine.
wir sind uns eigentlich ziemlich gut ausgerüstet vorgekommen. aber die beiden haben viel gelacht über uns und nur fassungslos den kopf geschüttelt, als sie gehört haben wo wir fahren wollen. mit dem fahrrad die wüste entlang!?! die spinnen doch.
so haben wir kurzerhand unseren routenplan umgeschmissen und beschlossen erst mal das draatal richtung zagora zu fahren. am nächsten morgen ist uns erst so langsam gedämmert worauf wir uns hier eigentlich einlassen. „hans-peter“, hab ich gesagt, „das ist alles so surreal da. was machen wir hier eigentlich?“ „geht mir genauso,“ hat er gesagt. na immerhin.

agdz_1

drum waren wir auch gar nicht böse, als uns wenige kilometer später el-hussain von der straße gepflückt hat. „hey, ich hab da ein projekt, kommt in meinen garten, trinken wir tee.“ na, da lassen wir uns nicht zweimal bitte. und im garten war es so schön, dass wir gleich beschlossen haben erst mal zu bleiben. außerdem hat uns el-hussain verraten, dass er als nomade in der wüste aufgewachsen ist. „kann ich euch schon zeigen. die wüste, ja die wüste, die muss man einfach erlebt haben.“

la ferme ecologe

also haben wir die nächsten zwei tage einen roadtrip mit el-hussain und seinem companion rashid unternommen. mit seinem kleinen weißen renault. ja, zweirad-antrieb. in diesen zwei tagen haben wir richtig, richtig viel gelernt.

wie wissen jetzt wieviel wasser man für einen tag in der wüste braucht (5l pro kopf), wie man ein auto aus dem sand ausbuddelt wenn es stecken bleibt, wie man ein rad am auto wechselt und wie ein wagenheber funktioniert.

wüste in marokko_zagora
außerdem wissen wir jetzt ganz genau wie man jemanden beleidigt. das geht ganz einfach. man gibt jemanden ein trinkgeld. nicht, das trinkgelder nicht gern gesehen wären. aber trinkgeld pflückt man nonchalant aus der hosentasche und drück es dem gegenüber so nebenher in die hand und auf keinen fall sieht man dem andern dabei in die augen. wenn man die geldbörse zückt und dann vielleicht noch das wort „pay“ in den mund nimmt dann verteilt man als tourist besser ordentlich geld und keine trinkgelder. zum glück waren el-hussain und rashid sehr freundliche, geduldige und aufgeschlossene leute, die uns über die fettnäpfchen aufgeklärt haben in die wir so getreten sind und dem entsprechend sind wir wenige tage später um einiges schlauer mit dem radl in zagora gelandet.

zagora – tata

die nächsten paar tage haben wir damit verbracht früh aufzustehen und zu schwitzen. für diese region von marokko ist april nicht die richtige reisezeit, schon gar nicht mit dem rad. die meisten radfahrerInnen sind im februar unterwegs und das aus gutem grund. wir haben das gelöst, indem wir um halb6 aufgestanden sind, geradelt sind bis 10 oder halb11, dann pause im schatten bis mindestens halb6 und dann ev. noch ein bisschen fahren. belohnt wurden wir mit einer fantastischen, spektakulären landschaft und fast leeren, aber erstaunlich gut asphaltierten straßen.

foum-zguid

die dörfer und ortschaften, durch die wir gekommen sind, waren klein und ländlich. auffallend war, dass es in den etwas wohlhabenderen orten einen trend gibt aus den alten lehmhäusern auszuziehen und in betonhäuser umzuziehen. und in den lokalen bzw. auf der straße nach einbruch der dunkelheit sieht man praktisch keine frauen. das ist natürlich wenn man ein wenig nachdenkt nicht sehr überraschend. ich hab aber festgestellt, dass das für mich durchaus ungewohnt war immer wieder die eizige frau zu sein. ich hab aber überall tee oder etwas zu essen bekommen. nachdem das thermometer täglich deutlich über die 40 grad hinausgeklettert ist haben wir in tata beschlossen wieder einmal in den bus zu steigen und uns noch ein bisschen die atlantikküste anzusehen.

agadir-essaouira

eines der überraschendste erlebnisse hatten wir kurz nach agadir. die atlantikküste ist in dieser region sehr touristisch und die strände sind bevölkert mit deutschen und französischen rentnerInnen. darum haben wir nicht schlecht gestaunt, als wir ausgerechnet hier die erfahrung gemacht haben in einem lokal nicht bedient zu werden. vermutlich lag es am zwar sauberen, aber leicht ramponierten gewand. die freundliche wache am parkplatz hat uns dann verraten wo wir gut und günstig essen können.

meer

die nächste woche sind wir zum großteil im hinterland herumgeradelt. das hat uns, nicht nur auf grund der hügel, ziemlich ans waldviertel erinnert. die touristInnen halten sich lustigerweise tatsächlich nur an den stränden auf. unterwegs haben wir dann hassan getroffen.

hassan_taouline

hassan kam aus taoulin und war auf der suche nach arbeit. zu hause hatte er frau und drei kinder und von beruf war er schlosser. er hat ein ganzes weilchen gedauert bis wir diese infos beisammen hatten, denn er sprach fast nicht französisch und wir gar nicht arabisch. man muss dazusagen, hassan war gleich schnell wie wir unterwegs, mit einem deutlich simpleren rad. allerdings hatte er auch leichteres gepäck. ein schlafsack, ein gebetsteppich, eine wasserflasche. das beeindruckendste war aber, dass er mit einem blütenweißen hemd unterwegs war. wie er das geschafft hat, bei dem verkehr, ist uns bis heute schleierhaft.

ungefähr auf halber strecke zwischen agadir und essaouire, in tamanar, wollten wir auf den campingplatz oder ein zimmer nehmen. gab es aber beides nicht, obwohl tamanar immerhin 10.000 einwohner und einen großen markt hat. wir sind also weitergeradelt und haben beschlossen wieder an die küste zu fahren, weil es dort eher eine unterkunft gibt. nach vielen, vielen hügeln sind wir auf einer schotterpiste gelandet. rundum landwirtschaft, eben wie im waldviertel, aber alles von hand bearbeitet. wirklich alles. kein traktor weit und breit. vor einem der kleinen steinhäuser hat uns eine frau aufgehalten, weil sie kleidung für ihren kleinen sohn gebraucht hat. hatten wir nicht, aber mit dem kilo datteln aus dem draatal konnten wir ihr echt eine freude machen. man stelle sich also unsere überraschung vor, als wir in dieser umgebung auf einmal in einer schicken absteige mit loungemusik landen, wo frauen aus der schweiz auf der terasse yoga machen und uns der kellner valentin aus wien einen spritzer anbietet. die unterkunft war so schick, das wir uns eh kein zimmer leisten konnten, aber wir haben am strand gezeltet (zumindest bis uns der sturm das zelt ruiniert hat) und die duschen mitbenutzt. auch nicht schlecht.

l'ane vert_1

von dort gings nach essaouira und dann mit dem bus zurück nach marrakesch. und hastduesnichtgesehen saßen wir schon wieder im flieger nach wien.

das war sie also, die kurzfassung der marokkanischen geschichte.

baba und bis zum nächsten mal, meine liebe,

deine kati

 

 

in die berg‘ bin i gern

liebe hanna,

jaja, öffentlicher transport und seine konsequenzen sind immer wieder eine geschichte wert. drum haben hp und ich uns im vorfeld auch ordentlich sorgen gemacht, wie das wohl gehen wird, mit dem räder im bus mitnehmen. freundin N. war vor wenigen jahren in marrokko und hatte lustige schwänke vom  busfahren zu erzählen. vom gebuchten 1. klasse bus, der sich dann als altes beinahe-wrack mit offenem motor herausgestellt hat. vom gedränge beim einsteigen (ellbogen einsetzen!), und wie sie sich ohne rücksicht auf verluste über zwei sitze geworfen hat während der partner das gepäck versorget hat. dass dreimal abkassiert wurde und man überhaupt aufpassen muss, dass man nicht übers ohr gehaut wird. es war mir ehrlich gesagt schleierhaft wie es funktionieren soll, dass hp 2 fahrräder, 8 fahradtaschen und 1 zelt allein im gepäckraum verstaut während ich um sitzplätze kämpfe. also sind wir am tag vor unserer abfahrt zum ctm-bahnhof (busbahnhof) gedackelt und haben tickets gekauft und die lage gepeilt. überrascht haben wir festgestellt, dass alles busse am parkplatz gleich aussehen und von wrack keine spur. die waren deutlich schnittiger als, sagen wir mal, die schienenersatzbusse die ich letzten sommer mal wieder in niederösterreich genossen hab. es gab einen fixen fahrplan, die tickets konnten wir gleich mitnehmen und die räder und taschen sollten wir bitte morgen eine halbe stunde vor abfahrt beim gepäck check-in abgeben. wir, verdattert, echt jetzt? gepäck check-in? in wien gibts das nicht. pedale runter, lenker quer? nein, nein, alles kein problem. einfach abgeben. jedes gepäckstück bekommt ein pickerl, ihr die nummer. wir kommen uns vor wie am flughafen. spätestens da hätte uns klar sein müssen, dass das ganze system jetzt neu und durchorganisiert ist.

wir aber, man ist ja informiert, sind trotz allem am nächsten tag wie auf nadeln im warteraum gesessen. und wie unser bus angesagt wurde sind wir zur tür gestürmt (ellbogen!) und haben geschaut, drängel drängel, dass wir unter den ersten im bus sind. hab ich schon erwähnt dass alle anderen leute ganz entspannt waren? wahrscheinlich unnötig zu erzählen, dass wir im bus draufgekommen sind, auf den tickets stehen platznummern. etwas beschämt haben wir unsere plätze eingenommen und versucht uns in der folgenden viertel stunde bis zur abfahrt möglichst unauffällig zu verhalten.

hp und ich hatten von anfang an den plan von marrakesch aus den hohen atlas mit dem bus zu überqueren und erst im süden wirdklich mit dem radeln loszulegen. sonderlich trainiert sind wir nicht, und diese menge an höhenmetern hat uns dann doch abgeschreckt.

so viele unterschiedliche landschaften in einer busfahrt haben wir davor noch nicht erlebt. auf der nordseite viel fruchtbares land und, je weiter wir nach oben gekommen sind, berglandschaften die dann doch irgendwie an zu hause erinnern. auf der südseite wird es dann deutlich karger und es erinnert eigentlich gar nichts an zu hause. in einem bergdorf kurz nach dem pass gab es eine halbe stunde pause. außer uns war noch ein anderes weißes touristenpaar in dem bus. die beiden hatten mehr oder weniger lautstarke diskussionen auf katalanisch. möglicherweise auch deshalb, weil der mann während der ersten hälfte der busfahrt einen halben liter schnaps vernichtet hat. erstaunlich in vielerlei hinsicht. kurvige straße, nur schnaps und kein wasser, die beiden mindestens in ihren 70ern(!) und last, but not least, schnaps in marokko? wo haben sie den denn her?

in dem dorf in den bergen war gerade markttag und es hat sich uns ein bild gezeigt, dass sich auf unserer reise noch oft wiederholen sollte. viel gewusel, viele waren am boden. dubiose formen des tiertransports, männer in cafes direkt neben dem fleischer und wenige frauen auf der straße. wir wurden zum teil neugierig, aber nicht unfreundlich gemustert. wieder haben wir versucht unauffällig auszusehen, aber aufgefallen sind wir trotzdem wie die bunten hunde. zumindest hat es sich so angefühlt.

hoher atlas bus

ursprünglich wollten wir ab ourzazate losrollen, haben uns dann aber doch für eine weiterfahrt bis agdz entschieden. guter plan! auslöser war wieder einmal meine (unbegründete) angst vor dem verkehr. in der realität war zwischen ourzazate und agdz kaum verkehr, dafür eine wirklich reizlose steinwüste, sonne die gnadenlos vom himmel knüppelt und weit und breit kein schatten. hp und mir ist dezent das herz in die hose gesunken. hm, auf fotos hat das alles sehr spannend ausgeschaut, aber im echten leben kommt die landschaft ein bisserl bedrohlich rüber, so aus radfahrerInnensicht.

agdz jedoch ist eine charmante kleinstadt auf 940m seehöhe. wie großarl, sagt hp. wahrscheinlich ist es eine unsitte alles nach „wie zu hause“ und „nicht wie zu hause“ zu unterscheiden. aber was soll ich sagen, drei wochen marokko machen noch keine kosmopolitInnen aus uns, soviel ist mal fix. zumindest weiß ich, welche brille auf meiner nase sitzt, das ist ja auch schon was wert, oder?

a propos kosmopolitInnen: in agdz haben wir einen marrokaner getroffen, der in deutschland gearbeitet hat und deutsche, die seit 40 jahren marokko bereisen, aber davon mehr das nächste mal.

bussi und bis bald, deine kati

 

i give you very good price

liebe hanna,

ja, ja, die „das sollt was g’scheids werden- falle“. bei mir hat es diese woche auch ein bissel gedauert, weil ich hab mir gedacht, super, packliste, da hab ich mal was echt nützliches beizusteuern. nur leider tippt die sich nicht von selber ins exel und hps und meine papier-rumstreich-version ist echt nicht blog-tauglich. also bleib ich beim plan a, lass das flugzeug aber aus (langweilig) und lande direkt bei unserem ersten tag in marrakesch. für jemanden, der noch nie wirklich weg war ist das schon saucool und gleichzeitg sauüberfordernd. und intensive lektüre über „landesübliche sitten“ ist nur bedingt hilfreich, das kann ich dir sagen. (ich frag mich ja, was man so liest wenn man sich über die landesüblichen sitten in österreich einliest…und ob touristen von mir wohl landestypische raktionen zu erwarten haben, a la, die wiener sind ja sowas von grantig…) wie auch immer, ich hab gelesen man möge sich als frau, gerade als radreisende dezent geben, langärmlig, kopfbedeckung ist auch nicht schlecht, und direkter augenkontakt mit männern sei zu vermeiden. nachdem ich aber diejenige von uns beiden bin die französich spricht und, wenig überreaschend, keiner von uns arabisch oder berber, war klar, dass ich, dezent im vordergrund, den löwenanteil der konversation übernehmen würde.

aus dem flughafen raus, gleich verfahren, eh klar. nach dreimal hin und her, dem ersten (und garantiert nicht letzten) versagen des gps-geräts und ratlosem umhertaumeln kommt uns ein älterer herr entgegen. hp: den frag ma jetzt. ich: voll gehemmt. frag ich den? und wenn ja, schau ich ihn dann nicht an? ist das nicht voll komisch? oder redet hp ihn an und ich frag? grübelgrübel, schwitzschwitz. im endeffekt hab ich höchst nervös etwas dahergestottert und der herr hat freundlich und entspannt auskunft gegeben und war null überrascht, dass ich ihn anrede.

entspannung setzt ein, wir sind im grunde ja sowieso alle menschen und gar nicht so verschieden, oder? also reingeradelt in die medina, verkehr ist volle anders aber irgendwie auch volle lustig und wir finden in der überfüllten, verwinkelten altstatt sogar auf anhieb unser hotel. obwohl es winzig, und unser zimmer noch winziger ist, dürfen wir nach etwas verhandeln sogar unsere räder parken.

es ist früher abend, wir stromern durch die gassen, kaufen keine uhr, keine wertkarte, kein bild, keinen armreifen, lassen uns nicht wiegen und checken uns was zum abendessen. unterm strich sind wir sehr zufrieden und finden, dass wir uns echt super schlagen und, hey, ur souverän, dafür dass wir keinen tau von irgendwas haben.

es wird finster und wir machen uns quer über den djemaa el fna auf den heimweg. geschickt weichen wir fliegenden händlern und schlagenbeschwörern aus, als urplötzlich von rechts jemand meine hand schnappt, und hastduesnichtgesehen, anfängt eben diese mit henna zu bemalen. no merci! ruf ich, und will meine hand zurück ziehen, aber, wow, die frau hat einen festen griff und während sie flink weiterzeichnet kommt ein ganzer redeschwall. i like you, you are very sympatic, you give me what ever you want, you don’t have to pay, you are very sympatic, this ist symbol for good luck, this ist for good sex with your husband, what’s your name, i give you very good price. in den folgenden drei minuten passieren sehr viele dinge gleichzeitig. ich hab versucht meine hand wiederzubekommen, worauf eine zweite frau hinzugezogen wurde, hp hat versucht einen preis auszuverhandeln, was zu einem wilden schlagabtausch geführt hat. die münzen, die hp hervorgekramt hat wurden entrüstet zurückgewiesen, this is berbermoney! i don’t take berbermoney!, mein einwand, you said we pay what we want??, schnaubend vom tisch gewischt, normaly you pay 400 dirham (40 euro), you give me at least 200! i give you very good price!!!
es wurden dann noch ein obsthändler in die diskussion mit einbezogen und schließlich ist hp bei 5 euro gelandet und die beiden frauen haben sich mit einem finalen, you are not a good man!!, verabschiedet. ich war ziemlich perplex und stolz auf hp, echt wacker geschlagen. dann bin ich wie der pfitschipfeil ins hotel gesaust um den hennagatsch wieder abzuwaschen, denn in wirklichkeit war ich gar nicht scharf auf ein hennatatoo. das ergebnis war tiefschwarz. nach dem waschen. und ich hab mir nur gedacht, ganz, ganz toll. wir fahren jetzt dann fast drei wochen durch die pampa und ich hab quasi, metaphorisch gesprochen, ein schild um auf dem steht, ich bin ein doofer tourist der sich nicht abgrenzen kann. na super.

drum bin ich auch am nächsten tag in die apotheke gejappelt und hab gefragt ob sie eventuell etwas zum abschminken hätten. die junge frau hat sich fast scheckig gelacht. abschminken, muhahah, nein, nein. einfach zwei bis drei wochen warten. sonne hilft.
sonne hilft tatsächlich. nachdem wir fast ausschließlich im freien waren war das ding nach einer woche weg. die moral von der geschichte? it’s hard to make a living in marrakesh. ich hab da jobs gesehen (schattenmacher! leuteabwieger!), ich wusste gar nicht dass es die gibt. und: tourismus hat auswirkungen – deal with it. ich hab immerhin die möglichkeit einen spritzig-selbstironischen blogpost daraus zu basteln. fünf euro – very good price.

alles liebe, dein lesterschwein

p.s. ich hab tatsächlich etwas gefunden über landesübliche sitten in österreich. oida?!? das hätte ich lesen sollen bevor wir weggefahren sind. dann hätte ich das gleich alles nicht so ernst genommen…

erstens kommt es anders…

liebe hanna,

du schreibst der vorteil vom nicht mehr ganz so jungen reisen ist, dass man sich durch „weise voraussicht“ möglicherweise die eine oder andere unannehmlichkeit erspart. ich muss ganz ehrlich sagen, das kann ich so leider nicht bestätigen. ich hab versucht alles mögliche vorauszusehen, gekommen ist es dann völlig anders. im vorfeld der reise hab ich mich mit einigen dingen intensiv beschäftigt um meinen drei hauptsorgen zu begegnen die da waren:

  • hoffentlich sind die radeln noch ganz wenn wir ankommen!
  • hoffentlich verirren wir uns nicht!
  • hoffentlich kommen wir im beinharten marrokanischen straßenverkehr nicht unter die räder!

hp und ich haben also stundenlang diverse rad-flug-verpackungsmethoden studiert und festgestellt, dass es eine unmenge tipps, anregungen und vor allem youtube-videos zu dem thema gibt. im endeffekt haben wir die räder am hinflug in plastik und am rückflug gar nicht verpackt. pedale runter, lenker quer, passt schon. alles überhaupt kein probelm, den aufwand kann man sich echt sparen.

fahrad in plastikfolie

damit wir uns nicht verirren, hat hp ein nicht grad billiges gps-gerät gekauft, und ich hab intensiv base camp, das zugehörige programm gelernt. und das ist nicht selbsterklärend, das sag ich dir. auch hier wieder, youtube mein freund. ich bin sogar mit dem bubenkind mit dem gerät in der hand quer durch die stadt gelatscht um mich damit vertraut zu machen. dabei hab ich gelernt, dass ein gps-gerät in bebautem gebiet für A und F ist. aber auch das – im grunde sinnlos. bei überlandfahrten im südlichen marroko ist es praktisch unmöglich eine abzweigung zu verpassen. nur die hauptstraßen sind asphaltiert, ansonsten gibt es pisten. wir wussten also immer, solange asphalt unter unseren rädern ist sind wir richtig. außerdem sind die straßen zum teil viel besser ausgeschildert und mit wegsteinen versehen als, sagen wir mal zum beispiel im waldviertel.

Achtung Kamele, Esel, Ziegen

um dem argen marrokanischen verkehr auszuweichen haben hp und ich eine route ausgetüftelt die durch relativ wenig besiedeltes gebiet führt. wir sind mit dem bus bis agdz gefahren um von dort durch das bergland über bou azzer nach foum-zguid zu radeln. nachdem die straße von agdz nach zagora eine fette bundesstraße ist wollten wir die ürsprünglich nicht fahren, weil wir mit anstrengendem, unberechenbaren verkehr gerechnet haben. in wirklichkeit waren am land die straßen so wenig befahren, dass hp und ich die meiste zeit nebeneinander gefahren sind, wie am donauradweg. das hauptverkehrsmittel in der gegend sind esel, oder man geht zu fuß. selbst in marrakesch, wo schon viel verkehr ist, fahren alle relativ vorausschauend, auch wenn, oder vielleicht gerade weil ampeln, straßenmarkierungen und vorrangregeln nicht unbedingt gelten. ich sage dir, lesterschwein, mit dem rad in wien über die äußere mariahilferstraße zu düsen, mit diesem lächerlichen fahrradstreifen, ist dreimal stressiger als in marokko mit vollem gepäck zu fahren. und dem kasperl, der sich irgendwann den saublöden slogan „wien darf nicht chicago werden“ einfallen hat lassen kann ich nur sagen „marrakesch darf nicht wien werden“. zumindest nicht rudolfsheim-fünfhaus.

Tansikhte

auf der anderen seite: sorgen die völlig berechtigt gewesen wären, und die ich mir überhaupt nicht gemacht hab, wären da gewesen:

  • hoffentlich macht uns die hitze nicht völlig meier!
  • hoffentlich pack ich das mit den preisverhandlungen!
  • hoffentlich krieg ich nicht voll heimweh!

würd ich mich also nochmal auf die reise vorbereiten, tät ich erstens im februar fahren, nicht im april (ja, ja, das hat einen sinn warum die anderen radreisenden alle im februar unterwegs sind), zweitens tät ich jeden samstag auf den wiener flohmarkt gehen (verhandeln, eh scho wissen) und drittens, tja,…wie bereitet man sich wohl auf heimweh vor…?

so, liebes lesterschwein, soviel zu den vorbereitungen. beim nächsten blogpost sitz ich dann mental mindestens schon im flieger, schwöre!

alles liebe, deine lesterschwester

furzen in der fremde

liebes lesterschwein,

ich find das ganz famos, dass wir jetzt wieder beide gleichzeitig ein thema haben, dass uns so beschäftigt und gleichzeitig unseren erfahrungshorizont so erweitert, dass es sich lohnt darüber zu schreiben. dass wir zufällig im april unabhängig voneinander mehrere wochen lang neue kontinente erkundet haben (aaafrika! aaasien!), war rückblickend wohl doch kein zufall…?

in vielerlei hinsicht fühl ich mich grad an unsere gemeinsamen bloganfänge erinnert. der erste furz hat damals richtig spaß gemacht, und ich hab wieder die freudige erregung des neubeginns. es ist super dinge zu tun, die man noch nie getan hat, aber es gibt dabei auch immer ein bissel was zu stänkern, zumindest bei mir.

damals, als wir angefangen haben vegan zu kochen hab ich mir gedacht, hey, das ist einfacher als erwartet. beim reisen ging es mir ehrlich gesagt umgekehrt. es hat wahrscheinlich einen grund, dass ich bisher den kontinent nicht verlassen hatte. ich hab mich mehr als einmal gefragt, was, bitteschön, mach ich hier eigentlich und was hat mich geritten, wie ich gesagt hab: du, hp, fahr ma doch mit dem radl und dem zelt durch marokko, das könnt lustig sein.

drum bin ich auch schon ururur gespannt wie es dir so ergangen ist auf der anderen seite des globus. ob in thailand südseeträume wahr geworden sind oder auch dir das eine oder andere ordentlich gestunken hat.

bussi und bis bald,

deine kati

p.s. ich sag dir was, das mit den fotos wird nicht ganz leicht diesmal. die marokkofotos sind nämlich fast alle von hp, weil ich während der reise noch gar nicht auf die idee gekommen bin zu bloggen. normalerweise hab ich immer fotos zu den g’schichteln gemacht, jetzt brauch ich g’schichteln zu den fotos. daran muss ich mich echt erst gewöhnen. drum gibts hier jetzt auch kein foto, sondern almas morocco. quasi zum thema. und weil alma für mich wieder einmal der absolute höhepunkt des zoafestivals war. und außerdem sind wir ja jetzt ure video :-)

für meine schwester (die beste, die man sich vorstellen kann)

liebe hanna,

eine schöne sache ist das mit dem vegan kochen und eine genauso schöne sache ist das mit dem vegan bloggen. jetzt, nach genau zwei jahren (happy birthday to us, again!) ist es soweit. das geht sich nimmer ganz aus. zwar sind weiterhin 90% aller gerichte die ich koche vegan, aber ein deutlich geringerer anteil von allem was ich esse. es hat ein bissel eine wende stattgefunden bei mir. im zweifelsfall lieber regional als vegan, so könnte man es zusammenfassen.

wir haben uns ja von anfang an als undogmatisch geoutet und ungeniert von unseren ausflügen ins land der käseesser berichtet.
bei mir haben sich mittlerweile die ausflüge zum normalzustand entwickelt, und das eine oder andere fleischbrechen war auch dabei. der grrbrr hat es kürzlich auf den punkt gebracht.

eigentlich bist du wie ich.
du isst eh alles, du bist nur sau heikel.

tja, da hat er recht. zum schnitzeltiger werd ich zwar nicht mehr werden, und wenn ich mich da doch mal hinreißen lasse, dann liegt mir das hinterher in mehr als einer hinsicht gehörig im magen. zahlt sich also nicht wirklich aus. aber butter und käse sind wieder fixe bestandteile des speiseplans geworden. nicht nur, aber auch, ob des zugangs zu tollen produkten via foodcoop. und auch deshalb, weil alsan als palmöl/kokosöl produkt mich auch nicht ganz glücklich macht. von analog-käse mal ganz zu schweigen.

dazu kommt, dass ich, nach zwei jahren „essen und ernährung“ als zentralem thema meiner auseinandersetzung, jetzt gern auch mal wieder einen punkt machen will. ich hab alles gesagt, was ich (im moment) zum thema vegan zu sagen habe, ich hab viel probiert und in letzter zeit festgestellt, dass die meisten meiner „neuen“ rezepte eher abwandlungen und varianten von schon bestehenden gerichten sind.

zeit, platz zu machen, für etwas neues.

meine liebes lesterschwein, es war mir eine freude mit dir zu bloggen.
bin ich froh, dass du nicht in kanada, sondern gleich um die ecke bist!!!
ich freu mich schon darauf, dich wieder mehr zu sehen als zu lesen und bin schon jetzt neugierig auf deine/meine/unsere neuen projekte/ideen/schandtaten.

rock ’n‘ roll!

collage_rochnroll

schön, dass es dich gibt,

die große schwester

gute kastanien

liebes schwesterlein,

ich lass hier ja gern mal die kastanien-expertin raushängen, denn bekanntermaßen hab ich durch vielerlei herumprobieren, andere würden sagen „ständiges einfahren“, herausgefunden, was alles in bezug auf waschen mit kastanien nicht so gut funktioniert. höchste zeit also, einmal davon zu berichten, was alles in bezug auf essbare kastanien nicht so gut funktioniert.

maroni_hell_qu

gute kastanien! bestenfalls auch essbar. 

kastanien aus dem rohr

keine gute idee ist es, die maroni einfach so ins backrohr zu werfen. es ist nämlich zweifelsfrei erwiesen, dass dann mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit das komische pelzige häutchen und die leckere maroni eine innige umarmung eingehen, die weder der mensch, noch gott trennen können. drum empfiehlt es sich, die eingeschnittenen maroni auf dem backblech zu verteilen und danach mit einem ordentlichen glas wasser zu übergießen. die maroni lässt man dann mindestens 30 minuten bei 200 grad im rohr, und wann immer das wasser verdunstet ist, gießt man gleich das nächste glas nach. dann sind die maroni nicht nur lecker, sondern auch schälbar.

kastanien aus dem topf

die deppensichere methode maroni zuzubereiten ist sie einfach im topf zu kochen. das kostet zwar ein bissel aroma, aber sie sind dann garantiert durch und garantiert schälbar. einschneiden ist trotzdem eine gute idee und 30 minuten sollten es auch in diesem fall mindestens sein. außerdem kann man alle maroni, die oben schwimmen, kübeln – die sind nämlich entweder bewohnt, oder so vertrocknet, dass man sie gleich vergessen kann.

backup nicht vergessen

trotz aller ratschläge kann es sein, dass auch von den nichtschwimmer-maroni ein gutteil schiach oder ranzig ist, und dann ist das eine blöde geschichte, wenn man zum beispiel vor hatte, ein gericht mit maroni zuzubereiten (ich sag nur chatreuse). drum empfiehlt es sich in dem fall auf nummer sicher zu gehen und hinten im küchenkastl ein backup in form von vorgegarten, geschälten maroni zu verstecken. das ist zwar ein bissel geschwindelt, aber ich kann auch dieses mal aus eigener erfahrung, sagen, man schaut ganz schön blöd aus der wäsche, wenn mann mit einem riesen haufen schwammerl und einer halben hand voll maroni dasteht und kein backup vorhanden. wobei, zugegeben, man kann fülletechnisch zur not auch gewürfeltes brot, reis oder sonst etwas mit weniger wassergehalt als pilze hernehmen, wenn man auf der maronilinie gescheitert ist.

wie du siehst, es kann mal wieder gar nix schief gehen :-)

alles liebe,
deine kati