one-pot-pasta und die lieben haters

liebe lesterschwester,

es gibt einen neuen cooking-hype im internetz: die one-pot-pasta, zu deutsch ein-topf-nudeln.

die simple, zeitsparende und angeblich totally delicious idee besteht darin, rohe nudeln samt sämtlichen rohen zutaten und gewürzen in einen topf zu schmeißen und ca. 10 min. zu kochen – voilá, pasta mit sauce!

You end up with a totally delicious dinner, and a party trick.

das ganze ist angeblich seit einer kochsendung von martha stewart (wer?) von vor genau einem jahr, die diesen schmäh in puglia entdeckt hat, der heiße scheiß. auf pinterest gibt’s jede menge bunte topf-arrangements zu bewundern, und ich koch-hype-technischer late adpoter hab’s vor 2 wochen beim SPiNNWERK entdeckt:

spinnwerk_pasta

ober-SPiNNer R. kocht content – hier eine one-pot-pasta mit grünem spargel und schwammerls! (c) SPiNNWERK

das ganze gibt’s naheliegender weise in sämtlichen variationen, und sehr viel auch vegan: der spinat-artischocken-wonderpot (von einem sympathischen low-cost blog namens „budget bytes“), die one-pot vegan pasta mit melanzani und orrecchiette, eine puttanesca-version mit kichererbsen und die ursprüngliche version á la caprese mit tomaten, zwiebeln und ordentlich basilikum bei lottie+doof. dort sind dann in guter alter web-manier die trolle über den neuen super-simple-zugang hergefallen – von „welch ein affront gegen die italienische küche!!“ bis zu „das ist ja überhaupt nicht KOCHEN!“ und „das ist nur was für saudumme und faule leute.“. nun ja – haters gonna hate.

ich find zeitsparend, geschirr-&abwasch-freundlich plus lecker jedenfalls super, und hab’s einfach mal ausprobiert – ich hab auch extra ounces in gramm für die halbe menge umgerechnet, damit ich das verhältnis von ingredients zu wasser nicht vermassle:

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one-pot-pasta á la puglia

170g spaghetti
170g tomaten (im original sind es cocktailtomaten, ich habe 2-3 mittelgroße dattel-tomaten genommen)
1 zwiebel, fein geschnitten
3 zehen knoblauch, fein geschnitten oder gepresst
eine prise chilli-flocken
eine handvoll basilikum, gehackt
olivenöl
salz, frisch gemahlener pfeffer
2 tassen wasser

alles in einen topf werfen. aufkochen, mit viel hitze ca. 10 min. köcheln lassen, immer wieder umrühren. sobald die pasta al dente ist und das wasser fast verdampft ist, vom herd nehmen und fertig!

mampf. bei mir war’s dann doch ein bisserl flüssig-gatschig, vielleicht muss man wirklich linguine statt spaghetti nehmen – oder bei spaghetti, die weniger flüssigkeit aufnehmen, einfach weniger wasser. gerochen hat’s jedenfalls famos, und geschmeckt ebenfalls! die nudeln werden wirklich total aromatisch, weil die direkt in der „sauce“ kochen. und mit dem chili hab ich nicht gespart, daher war’s *echt* spicy.

und noch ein hinweis der chefica:

Salt is your friend in this dish, don’t skimp!

recht hat sie! und ich werd in diesem metier noch fleißig weitertesten… faule anti-köchin die ich bin ;-)

natürlich gibt’s neben pasta logischer weise auch eine bunte weitere abordnung von „one-pot-meals“, zB mexikanische quinoa-casserole oder westafrikanische erdnuss-suppe. auch eine art amaranth-sommer-eintopf, den ich kürzlich – wenn auch in der pfanne, nicht im pot – gebaut habe. passt da wohl dazu (auch wenn man den amaranth vorkochen muss… mit couscous oder bulgur könnte man das wirklich one-pot-mäßig machen). weil aber der gekochte amaranth nicht mehr viel flüssigkeit aufnimmt, wird das ganze sehr feucht – bei saftigen tomaten fast schon suppig, daher erinnert mich es an gazpacho:

amaranth_gazpacho_web

amaranth-gazpacho

1 tasse amaranth, in selber menge wasser gekocht
1 zwiebel
2-3 zehen knoblauch
1 zucchini
1 grüner paprika
2-3 tomaten
1 gurke
schwarze kalamata-oliven
pomodori secchi nach wunsch
eine handvoll frischen basilikum
salz, pfeffer, arrabiata-gewürzmischung
olivenöl

amaranth kochen, inzwischen alles gemüse klein schneiden. zwiebeln in olivenöl anschwitzen, zucchini mitbraten, grünen paprika dazu, kräftig rösten. dann gekochten amaranth dazu und mitrösten, dann tomaten unterheben und noch etwas brutzen. würzen, geschnittene oliven & pomodri dazu, mit frischem basilikum pimpen. sobald mischung etwas ausgekühlt, eine klein geschnittene gurke dazu – macht das ganze besonders sommerlich-erfrischend!

also: einfach mal alles in einen topf hauen ;-)

die
hanna

es raschelt im blätterwald

liebe hanna,

vor fast 10 tagen hab ich dir vom aktuellen gemüsespam berichtet, wie gesagt, hauptsächlich blätter aller art dieser tage. allerhand wurde schon in manigfaltifger weise verarbeitet, aber ganz durch bin ich noch immer nicht. die rote rüben blätter liegen seit damals fein säuberlich in ein feuchtes geschirrtuch gewickelt im kühlschrank, und werden nun zitzerlweise aufgebraucht. auch nach 10 tagen ist das blattwerk noch lecker und gar nicht vergammelt. plastikgemüseverpackung – go home!, nasser fetzen rulez.

wie versprochen hab ich allerhand in meinen augen eher zweifelhafte afrikanische rezepte ausprobiert und dabei recht unterschiedliche ergebnisse erzielt. zuerstmal gleich der erfolgstreffer:

umbido

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500g rote rüben blätter
3 (rote) zwiebeln, fein geschnitten
3 gehäutete tomaten
salz, pfeffer
öl

die zwiebeln in öl glasig andünsten, die blätter (und stengel) fein schneiden und dazugeben, die gehacketen tomaten beigeben. köcheln lassen bis die stengen durch sind, salzen und pfeffern. das ganze schmeckt erstaunlich lecker und es fehlt gar nichts. es ist aber sicher zu empfehlen ganz frsiche rote rüben blätter zu nehmen.

morogo

500g blattgemüse (spinat, rote rüben blätter, sellerieblätter, mangold, rucola,…)
3 zwiebeln, fein gehackt
salz, pfeffer
öl

zwiebeln anrösten, fein geschnittenes blattgemüse dazugeben, mit etwas wasser aufgiesen, weich dünsten, salzen, pfeffern. morogo ist scheinbar ein sammelbegriff für vermischtes grünes blattwerk und das oben ist quasi ein grundrezept. das ganze funktioniert scheinbar in kombination mit ungefähr allem. zubereitet wie oben in kombination mit gekochten erdäpfeln, diversen rüben, kürbis, tofucrumble, etc. aber auch kalt, quasi als salt mit avocado, papaye, zitrone und kreuzkümmel. aber selbst in der puren grundform: nicht weiß gott wie aufregend, aber durchaus okay.

nicht okay fand ich in der grundform:

mukusule

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500g blattgemüse (ja, schon wieder, so wie oben)
75g erdnüsse, ungesalzen
wasser
öl
salz und pfeffer

eigentlich würde man die blätter in wasser weichkochen, die erdnüsse auch in wasser weich kochen, die erdnüsse pürrieren und dann beides mischen. ich hab bei meinem asialaden um die ecke aber afrikanisches erdnussmus erstanden und hab dieses mit wasser aufgeschlagen und mit den blättern vermengt.

laaaangweilig, sag ich dir. wenn nicht mal mehr zwiebeln dabei sind, kann das gar nichts. aber: ich hab zum glück meine kochaffine nachbarin, und die hat mir eine ursuper gewürzmischung aus südafrika geschenkt. deren ursprungszweck wäre zwar das einreiben von gemüse oder diversen tieren vor dem grillen, aber da bin ich ja nicht so. rein damit, ins mukusule, und schon war das ganze unglaublich lecker.

die gewürzmischung hat eine sehr lange liste an zutaten, aber ich denke mit garam masala in kombination mit petersilie, lorbeerblatt, kümmel und etwas zucker kommt man ganz gut hin. die mischung richt irgendwie nach weihnachten, es dürfete ziemlich viel gewürznelke drin sein. und zwiebeln und knoblauch braucht es auch noch.

so, genug vom blattwerk. zum krönenden abschluss noch ein rezept, dass wirklich super erbsenrezept. hat mir ein haubenkoch verraten. okay stimmt nicht. nein, ich hab es auch nicht auf einem coolen blog gelesen, sondern in einer zeitschrift entdeckt, die ich nur inoffiziel lese. offiziel les ich nämlich das brand 1, aber mit rezepten haben die es ja nicht so.

erbsenhummus

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400g frische erbsen, ausgelöst
2 el tahina
2 zehen knoblauch
1 el cumin
1 tl garma masala
zitronensaft (mindestens 1/2 zitrone)
salz, pfeffer

erbsen fünf minuten weich dünsten, abkühlen lassen, pürrieren und mit den anderen zutaten vermischen. schmeckt echt lecker, ist ein erfrischende alternative zum bekannten kichererbsenhummus, schaut toll aus, und sogar dem nachbaren schmeckt’s, dabei mag der gar keine erbsen.

mein allerliebstes lesterschwein: toitoitoi für morgen! auf das der akademikerInneanteil bei legeps auf 50% ansteige :-)

deine kati

 

azurblau & rosarot

ciao bella sorella,

die armen italiani müssen heute leider furchtbar weinen, nachdem die azzurri von den urus in brasilien bitterlich geschlagen wurden. aber ich weiß einen platz, wo sie getröstet werden: gleich neben dem schikaneder im noch gar nicht all zu alten paninoteca. ein illustrer netter kleiner laden, wo es nicht nur „Italienische Delikatessen in getoastetem Brot“, karierte tischtücher und alte brause-werbeplakate gibt, sondern auch ein format namens aperitivo:

Einmal in der Woche veranstalten wir einen italienischen Aperitivo (…) Bei jedem Aperitivo gibt es gratis Paninohäppchen solange der Vorrat reicht.

das lassen wir uns nicht zwei mal sagen, und erkunden an der theke die zu den drinks gereichten häppchen: die sind sehr appetitlich, bei uns waren es weißbrot-scheibchen mit einer art tomaten-knoblauch-zwiebel-bruschetta-topping, dazu ein couscous-salat:

paninoteca

italien i(s)st jetzt in wieden! dank der schikaneder-nachbarin namens paninoteca.

apropos weißbrot: ebenfalls gut mit brot-happen ist ja bekannter maßen der bagel-laden blue orange, wo es bisher ja vegan-technisch immer zumindest den avocado-bagel bzw. das selbige sandwich gab.

diese option wurde nun durch eine ganze handvoll weiterer doppel-Vs (das heißt in der menü-karte vegan, ein V bedeutet vegetarisch) ergänzt, und nicht nur das: jetzt neu sind auch fladentoasts und -rollen auf der karte, und zwar in erquicklichen kombinationen wie spicy-hummus, rotkraut-olive oder roterübe-hummus mit rucola. das musste gleich getestet werden. und siehe da: nicht nur optisch ansprechend auf grund der knallrosa hummus-variation, sondern dank kombi mit frischen roten zwiebeln, essiggurkerl-scheiben und jede menge süßem senf auch echt lecker!

blueorange_fladenroll

let’s fladenroll im blue orange…

ja, und das war’s jetzt auch schon wieder mit meiner kleinen hirn-entspannungs-&-abwechslungs-beschäftigung, bevor ich mich angesichts des morgigen lern-hochleistungs-endspurts in die hoffentlich verdiente regenerations-phase begebe… seufz.

erholsamen abend auch dir & auf bald,
hanna

 

brautkleid bleibt brautkleid und blattwerk bleibt blattwerk

liebe kati!

„was hängt denn an dem mangold dran?“ – eine rübe!! denn wenn man botanisch unbedarft über die ökoparzelle hottet und der scholle neben den bereits wunderbarst sprießenden karotten, erbsen, zucchini, kohlrabi, blattsalaten, kohls & krauts auch noch wahllos appetitliches blattwerk entwendet, muss man das dann eben mit situationselastischen küchenkünsten lösen.

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karotten, erbsen, gemüsefreund R. mit blühender dille und meine wenigkeit mit einem strauß rote rüben… (because tulpen are so yesterseason!)

bei dir artet das dann in einen sich biegenden esstisch mit lauter töpfen voll blattwerk aus (spinat indisch! spinat thai! spinat afrikanisch! und: börek!) aus, bei mir kommen auf diese tour auch mal rüben-blätter in den spinat-couscous-salat… ist nämlich: eh wurscht! blattwerk bleibt schließlich blattwerk.

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spinat-salat á la castro – in rosa!

… nicht nur g’schmackig, sondern auch dekorativ – die rosa stangen der roterüben-blätter färben nicht ganz so intensiv wie die rüben selbst, aber machen auch einen schönen visuellen effekt. die vorhergehende googlei hat nämlich gezeigt, dass man die blätter der roten rüben einfach wie spinat verarbeiten kann – in diesem fall zu einer mutation des spinat-bulgur-salat á la castro: blattwerk klein geschnitten mit viel zwiebel & knoblauch anrösten, dann mit etwas wasser aufgießen, couscous dazu, jungzwiebel & petersilie dazu und kräftig würzen (kreuzkümmel, chili, salz, pfeffer, viel zitronensaft). voilá! geht aber auch zB in kombination mit geriebenen zucchini und jungzwiebel-ringen in form einer klassischen quiche.

apropos kochkünste: während ich mir die letzten paar meter BWL & co für die große studien-abschluss-sause nächst woche reinzieh, ist bei dir mal wieder küchen-highlife – ein fulminantes hochzeits-catering steht bevor! brautkleid olé – die illustre festgemeinde darf sich schon auf allerlei königliche leckereien freuen ;-)

in diesem sinne: gutes kochlöffel-schwingen dir noch,
und bis morgen!

bussi,
hanna

alle jahre wieder

liebe hanna,

alle jahre wieder kommt…der gemüsespam von der ökoparzelle. der gärtnerfreund war gestern auch wieder zugegen und hat im großen stil gejätet und gepflanzt. H.-P. und ich haben mal wieder im großen stil geerntet. schlechtes gewissen macht sich breit, aber der gärtnerfreund meint: „das ist doch keine arbeit, das ist nur spaß.“ ja also, wenn du meinst. dürfen wir dich zumindest zum essen einladen, damit du die früchte der arbeit, aka spaß, in veredelter form genießen kannst?

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allein das ernten hat fast zwei stunden in anspruch genommen. dem entsprechen finden sich jetzt absurde mengen von gemüse, vorwiegend blättern, in unserem kühlschrank. sofort hab ich mich an das afrika-kochbuch erinnert, das der musikfreund mir letztes jahr kopiert hat. nunja. entweder ist beim export der rezepte etwas verloren gegangen, oder es schaut in einigen teilen afrikas traditioneller weise nicht so gut mit gewürzen aus. die blätter-rezepte haben zwar sehr klingende namen wie umbido, morogo oder mukusule. im endeffekt handelt es sich aber immer um blätter mit salz und pfeffer. einmal mit zwiebeln, einmal mit tomaten, einmal mit erdnüssen. ich weiß nicht recht ob mich das überzeugt, werd aber zumindest eine variante davon für heute abend vorbereiten.

einen teil der blätter hab ich schon gestern verarbeitet und spinat börek gemacht. die teigblätter waren aus dem türkischen supermarkt (zutaten: weizenmehl, wasser, salz) und erstaunlicher weise kreisrund mit mindestens 60cm durchmesser. das ergebnis ist sehr lecker und sehr schiach. eine echte konkurrenz zum ugliest strudel on earth.

spinat börek
DSC02201_strudel

strudelblätter
spinat
zwiebeln
tahina
zitronensaft
weißer balsamico
muskat
mandelmus
salz, pfeffer

den spinat blanchieren, die zwiebeln fein hacken. zwiebeln in öl anrösten, spinat dazugeben. mit balsamico ablöschen tahina, muskatnuss, salz und pfeffer dazu, zum schluss das mandelmus unterrühren. mit zitrone und salz abschmecken. auskühlen lassen, in die teigblätter füllen und bei 180 grad 25-30 minuten backen. ich hab ein blatt auf das geölte blech gelegt, eingeölt, noch ein blatt drauf. dann die fülle, dann das selbe nochmal (blatt, öl, blatt). das oberste teigblatt ist verbrannt und das darunter eben nicht grad hübsch. ich  werd das ganze am abend mit einer wasser/honig mischung bestreichen (geht natürlich auch mit agavendicksaft) und nochmal ins rohr schieben.

ich hab gestern auch noch mit dem mutterwisch telefoniert und den guten tipp bekommen häßliche backblechgerichte (in ihrem fall kirschenkuchen) mit einem bitterschokoladengitter zu überziehen. obwohl spinatbörek mit schoko mal eine echte inovation wäre, nehm ich davon abstand. dafür werd ich noch ein paar andere neuigkeiten, wie erbsen-hummus und roto-rüben-antipasti testen.

hast zeit am abend, für eine pflanzenverkostung?

deine kati

vom wildschwein zum waldfruchtsalat – oder: der wachau-gourmet-trip.

lieber schwesterwisch!

wunderbarst weggekekst haben sich der grrbrr und ich über deinen recent how-to-spegel-apfelpost und die großartige dschi dsche-i dschunior reminiszenz. nach dem vielen lachen mussten wir uns abkühlen:

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grrbrr & T. tümpeln durch das quasi-privatschwimmbecken im freibad zu spitz…

zurück in der hängematte im donaugarten gibt T. seine zukunftsvorstellungen zum besten: „wenn ich groß bin, werde ich jäger, und dann gehe ich gemeinsam mit J. auf die jagd. und wenn einer von uns von einem wildschwein angegriffen wird, dann schlitzt ihm der andere den rücken auf!“ die feststellung hin, dass er wohl kein veganer werden würde, kommentiert er entrüstet: „vegan ist voll blöd!“ ok, lieber T. – versteh ich schon, dass du dir dein nutella-semmerl mit salami nicht madig machen willst!

das deckt sich ungefähr mit dem zugang von J., der bei der anschließenden grillsause im honiggarten angesichts der berge an geschnittenem und mariniertem gemüsezeug vorsicht fragt: „aber es gibt eh auch würschtel, oder?“ ja, lieber J. – grillmeister F. hat vorgesorgt, und die damen des hauses M. & M. flanieren mit mir durch die ribiselstauden, hinter denen die frisch gesetzten zwetschken-, kirsch- und marillenbäume hoffentlich florieren werden, dann gibt’s noch mehr reiseproviant frisch aus dem garten mit auf den weg… ;-)

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… während grillmeister F. fleißig gemüse brutzelt.

letzte station am wachau-gourmet-trip war der mutterwisch, die übrigens heute bereits in geburtstäglichen höhenflügen schwelgt – happy burzltag, B.! – von der du schreibst:

p.p.s: unser mutter ist in eine neue kochphase eingetreten. sie kocht jetzt nach farben. grüne menüs und so. ich glaub das muss ich mir mal näher ansehen.

das stimmt, und noch dazu testet sie gerade die dimensionen der aromatischen universen aus, von süß-sauer über salzig-fruchtig bis – natürlich – komplementärfarben, wie hier am beispiel des zarten grünen spargels an frischen erdbeeren mit jungzwiebel-ringen und einer limetten-vinaigrette:

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sommerlich-aromatische geschmackswelten á la B…

und weil ja alles synchronizität und morphogenetisch und überhaupt vernetzt, wundert es mich fast gar nicht, als ich zurück in wien mit deinem jungkind S. beim vapiano auf der suche nach was veganem in der der saisonalen spezial-speisekarte was ganz ähnliches entdecke: insalata frutti di bosco a.k.a. waldfruchtsalat.

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… und der artverwandte „insalata frutti di bosco“ im vapiano #omnomnom

Babyspinat und Romana-Salat mit gebratenem grünem und weißem Spargel, dazu Waldbeeren und unser hausgemachtes Waldfruchtdressing.

oberlecker, sag ich dir, und ein aromatisches erlebnis – besonders bei 37,5°C, wo mir weder nach pastafari noch nach pizza-dröhnung war. geschmacklich hat mich das ganze stark an eine frühere lieblings-sommerspeise erinnert: feta mit erdbeer-koriander-marinade an blattsalat. und das frucht-dressing geht so: erdbeeren+frischen koriander+balsamicoessig+pfeffer+knoblauch+honig pürieren. voilá! den honig bekommt man entweder aus dem honiggarten (womit sich der kreis wieder schließt), oder ersetzt ihn einfach mit agavendicksaft. der rest ist einfach junger spinat und blattsalat, angebratener spargel und ein paar frische beeren.

und überhaupt, waldfrüchte mampfen ist mir sowieso sympathischer als wildschweine aufzuschlitzen – blöde veganerin halt ;-)

so long,
dein lesterwisch

der apfel fällt nicht weit vom stamm

liebe hanna,

ich fühle mit dir, so ein fetter blocken lernstoff in kombination mit der üblichen portion leben rundumadum kann einem schon mal die stimmung zusammenhauen. vor allem triggern, find ich, all diese prüfungssituationen erlebnisse und glaubenssätze aus kindheit und schullaufbahn. bei uns führt das offensichtlich dazu, dass wir eigentlich eh wissen, dass wir es können und uns trotzdem einen irrsinnigen stress machen („vielleicht täusch ich mich ja, ich bin ja doch nicht so super, wer weiß…“). dann legen wir eine hervorragende leistung ab, ärgern uns, dass wir uns so einen stress gemacht haben und schwören uns, beim nächsten mal wird alles anders, da geh ich das ganz entspannt an. ja, ja.

du bist was du machst! (und das ist sicher nicht durchschnittlich)

ein spegel schafft das mit links!

eh wurscht!

unsere glaubenssätze sind halt erfahrungsgemäß ein bisserl schwierig unter einen hut zu bekommen. drum will man es den eigenen kindern ja leichter machen. entspannt sollen sie groß werden können, ohne leistungsdruck, eh klar, und überhaupt will man nicht so ein anstrengender mutterwisch werden:

mutterwisch (sanft): dschunior, lern martermatik, morgen hast du schularbeit!
dschunior: gute frau, für ein hübsches „mittelmäßig-maßvoll“ reicht mein wissen schon.
mutterwisch (rügend): dschunior, was ist das für ein standpunkt? schäm dir! du solltest auf ein „spitzen-spitzig“ trainiern!
dschunior: warummen, gute frau? mir reicht ein „mittelmäßig-maßvoll“ komplett aus.
mutterwisch (erregt): ja, hast du denn gar keinen ehrgeiz unter dem fell?
dschunior: bezüglich martermatik nicht!
mutterwisch (noch erregter): ohne ehrgeiz bringt man es aber zu nichts im leben! du musst dir eine andere einstellung zulegen!
dschunior: ich will es ja in martermatik zu nichts bringen, mir reicht es aus wenn ich durchkomme.
mutterwisch (schrill): pfui! schäm dir!
dschunior: ich hab meinen ehrgeiz halt auf anderen gebieten.
mutterwisch (noch schriller): zumindest ein „hochmittel-großmaßvoll“ könntest du erreichen, wenn du übst!
dschunior: gute frau, wegen so einer eingrädigen unterschiedlichen benötigung versau ich mir doch nicht den blitzblauen nachmittag.
(aus: christine nöstlinger „dschi-dsche-i dschunior“, ende der 80er jahre eines meiner lieblingsbücher)

kürzlich hatte ich also eben jene konversation mit dem großen: dschunior, lern spanisch, morgen hast du qualizipf, etc etc. nur eben, ich gar nicht schrill, sondern voll verständnis und alles. und ein „mittelmäßig-maßvoll“ ist es auch nicht geworden, es war eher ein „mangelhaft-ungenügendlich“. drum hat er jetzt die chance neue erfahrungen zu sammeln, in form einer nachprüfung im herbst. mach ich muttermäßig alles ganz anders – fischen. die jungwisch-interpretation der altgekannten dogmen ist also

mittelmäßig-maßvoll kommt nicht in frage!

wenn ich das nicht mit links schaff, dann lass ich es lieber gleich bleiben!

scheiß drauf!

wie ich es dreh und wende. immer wieder mal ein rätsel wie das geht, so eine richtige elternscgaft. aber du hast schon festgehalten: einige der besten kindheitserinnerungen sind ohnehin kulinarischer natur. unsere mutter war und ist bekanntlich eine sehr vielseitige köchin, die diverseste phasen durchlaufen hat (jaja, der apfel…). drum sind unsere kulinarischen kindheitserinnerungen auch sehr divers. eispalatschinken gabs bei mir nie, dafür grenzgeniale brandteigkrapferl. an die musste ich bei deinem post gleich denken und hab mich sofort auf die suche nach einem veganen rezept gemacht. ich bin ja eine no-eggs verweigererin und hab tatsächlich ein rezept ohne ei-ersatzprodukt gefunden. auch die dokumentation hat diesmal super geklappt, jeder arbeitsschritt wurde akribisch festgehalten. nur das ergebnis, das war so fürchterbar, dass ich hier nicht mal das rezept herschreib. außen hart, innen teigig, flach statt hoch. ich denke im süßspeisensektor schaffen es diese krapfen in die top five der grauslichsten sachen, die ich je fabriziert hab. aber vielleicht ist das auch nur in meinem kopf so, schließlich ist der maßstab ein hoher, nämlich die kindheitserinnerung. das jungkind hat gemeint, „so grauslich sind sie gar nicht, nur im nachgeschmack. aber kannst du vielleicht mal wieder ordentliche brandteigkrapferl machen?“ tja. ich arbeit dran.

alles liebe,

deine lesterschwester

p.s.: der große hat mir beim schreiben über die schulter geschaut und teilt meine selbstwahrnehmung nicht. „von wegen voll verständnis, urstreng warst du. aber wenigstens nicht schrill.“ danke, ich hab dich auch lieb.

p.p.s: unser mutter ist in eine neue kochphase eingetreten. sie kocht jetzt nach farben. grüne menüs und so. ich glaub das muss ich mir mal näher ansehen.

p.p.p.s.: ich hab irgendeine computer-scheiße am laufen. zur zeit kann ich keine fotos in blogposts einfügen, weil dann mein virenprogramm aufheult. tja. ich arbeite dran.